03/08/2026
„Ihre Hebamme / Ihr Gynäkologe hat gesagt, Ihr Beckenboden sei zu stark.“
Diesen Satz höre ich in der Praxis immer wieder.
👉 Fachlich ist diese Aussage jedoch nicht ganz korrekt.
Ein Muskel kann kräftig sein und trotzdem eine normale Grundspannung haben.
Umgekehrt kann ein Muskel wenig Kraft besitzen, aber trotzdem dauerhaft in einer erhöhten Grundspannung (Hypertonus) stehen.
Ein hypertoner Beckenboden ist deshalb nicht automatisch „stärker“, sondern häufig weniger entspannungsfähig.
Die Folge können unter anderem sein:
• Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie)
• Schmerzen beim Einführen eines Tampons
• Beckenschmerzen
• häufiger Harndrang
• erschwertes Wasserlassen
• erschwerte Darmentleerung
• Schmerzen im Bereich von Hüfte, Leiste oder Steißbein
Ein gesunder Beckenboden zeichnet sich nicht durch maximale Spannung, sondern durch Funktion aus.
Er kann:
✔ anspannen.
✔ loslassen.
✔ auf Belastung reagieren.
✔ sich innerhalb von Sekunden an unterschiedliche Anforderungen anpassen.
Deshalb beginnt eine gute Beckenbodentherapie nicht mit Kräftigungsübungen, sondern mit einer sorgfältigen Befunderhebung.
In der physiotherapeutischen Untersuchung werden unter anderem Muskeltonus, Kraft, Koordination und die Fähigkeit zur Relaxation beurteilt. Ergänzend kann die transperineale Sonographie die Bewegung des Beckenbodens sichtbar machen – beispielsweise die Elevation des M. puborectalis und des Blasenhalses während der Kontraktion sowie die anschließende vollständige Relaxation.
Das sind zwei völlig unterschiedliche Eigenschaften.
Die Behandlung richtet sich deshalb immer nach dem individuellen Befund und kann – je nach Ursache – Atemtherapie, manuelle Techniken, Schmerzmanagement, Entspannungstraining, Biofeedback und später auch gezieltes Krafttraining umfassen.
💬 Hast du schon einmal gehört:
„Dein Beckenboden ist zu stark“?
👇 Schreib es in die Kommentare.
💾 Speichere dir diesen Beitrag – denn ein Beckenboden muss nicht möglichst stark sein, sondern funktionell arbeiten können.
dyspareunie