05/07/2026
Werte Patientinnen und Patienten!
Der Beitrag ist etwas länger.. nehmen Sie sich Zeit
Da in der letzten Zeit von der Politik her immer wieder Giftpfeile in Richtung Ärzteschaft geschossen werden- unter anderem, weil wir ja als Allgemeinmediziner „NUR“ eine 20 Stundenwoche haben, möchte ich hier mal kurz den Juni zusammenfassen. Es geht mir nicht darum, „Mitleid“ zu schinden. Es geht mir darum, einen durchschnittlichen Monat zu zeigen.
Bei den angegebenen Arbeitszeiten gibt es keine Pause (ist schwer, während der Ordination), aber manchmal haben wir uns auf dem Weg zur Visite eine Wurstsemmel gegönnt.
Kernarbeitszeit sind täglich 5 Stunden, Montag, Mittwoch und Donnerstag 8-13 Uhr, Dienstag 12-17 Uhr, Visiten beginnen normalerweise ab 7 Uhr vor der Ordination
1.6. (Montag): 7:00 – 14:30 5,25
2.6. 12 - 18:45 6,75
3.6. 7:00 - 16:15 9,25
4.6. 8:00 - 14:15 (Feiertag Bereitschaft) 6,25
5.6. 18 - 20 Visite (Ausnahmsweise) 2
8.6. 7:00 - 16:00 9
9.6. 11:45 – 18:30 6,75
10.6. 7:45 – 18:30 10,75
11.6. 7:30 - 15:00 und 16:00 - 17:30 9
12.6. 16 - 18 Viste 2
15.6. 7:00 - 17:00 &20 – 22 Notfall 12
16.6. 11:30 – 20:45 9,25
17.6. 7:00 – 13:00 & 17:00 – 18:30 7,5
18.6. 7:00 - 18:00 11
6 Tage Fortbildung
30.6. 8:30 – 22:15 13,75
Das entspricht 121,5 Stunden in 3 Wochen- einer Wochenarbeitszeit von 37,9 Stunden. Rechnet man, wie bei Angestellten Sonntage bzw. alles über 40 Stunden als Überstunden, wären wir bei 135,25 Stunden und einem Schnitt von 42,2 Wochenstunden. Und ja, es wären ein paar Stunden weniger, wenn nicht am 30. Der Server ausgefallen wäre und ich einiges Nachtragen musste. Aber auch das kann in jeder Firma mal passieren
Hier ist die Kontrolle der Befunde, die meine Frau vor- sichtet, und ich dann nochmals kontrolliere und für das die Krankenkassa keinen Cent zahlt, nicht dabei. Es fehlen die Buchhaltung, die Bestelllung von Material, die Verwaltung diverser Zettel und Kontrollformulare,…
Und ja, ich habe mir den Job selbst ausgesucht und er macht Spaß.
Aber weder meine KollegInnen noch ich sollten darauf reduziert werden, dass wir ein schönes und angenehmes Leben mit 20 Öffnungsstunden pro Woche haben.
Würden wir „Dienst nach Vorschrift“ versehen, sähe die Versorgungslage für viele viel schlechter aus- Stichwort Transportscheine, Visiten,…..
In diesem Sinne: nicht über eventuelle Wartezeiten ärgern. Wir versorgen alle, auch, wenn es etwas dauert. Wir versuchen zu allen nett zu sein, sowohl zu denen, die auch nett zu uns sind, als auch zu den wenigen anderen.
Geniessen Sie die Situation, einen Arzt in der Gemeinde zu haben- auch wenn 2 besser wären, denn 600 PVZs in Österreich machen die Lage zumindest aus meiner Sicht nicht besser. Also vermutlich nicht in ländlichen Gebieten. Vielleicht weiss die Regierung dann auch, wie ältere Personen ohne Angehörige und ohne Geld und ohne Transportschein zu einer adäquaten Versorgung in Wiener Neustadt kommen?
Einen schönen Abend wünscht
Dr. Kühnel