Sprach.Zuhause

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26/08/2026

Ein bisschen klug.
Ein bisschen wild.
Ein bisschen exhausted.
Ein bisschen h***y for fictional men.

Sehr Mama.
Sehr Frau.
Sehr ambitioniert.

Tätowiert. Bücherstapel. Doppelter Espresso. Businessideen. Grammatik-Fetisch. Chronischer Schlafmangel. Und ungefähr 37 Tabs gleichzeitig im Kopf offen.

Ich kann dir erklären, warum „ohne“ den 4. Fall verlangt und fünf Minuten später darüber diskutieren, warum Garrett Graham meine Standards für Männer nachhaltig ruiniert hat.

Ich bin Schulbibliothekarin und Spicy-Romance-Autorin.

Ich liebe Vorlesungen, mache freiwillig Notizen und gehe zu Magic-Mike-Shows.

Ich möchte einen athletischen Körper und habe Tage, an denen mein gesamtes Ernährungskonzept aus „irgendwas schnell“ besteht.

Ich bin 32, Solo-Mum und versuche gerade, mir etwas Eigenes aufzubauen, während mein Kontostand regelmäßig andere Zukunftspläne für mich hat.

Ich liebe Tiefe.
Und bin gleichzeitig müde davon, hinter jedem verdammten Moment eine tiefere Bedeutung finden zu müssen.

Vielleicht muss ich mich gar nicht entscheiden, welche dieser Frauen ich auf Instagram sein will.

Vielleicht bin ich einfach alle.

Nicht perfekt aufeinander abgestimmt.
Nicht sauber positioniert.
Nicht immer logisch.

Aber ziemlich eindeutig ich.

You don’t have to be just one thing.

Und vielleicht wird genau das hier ab jetzt ein bisschen mehr davon.

24/08/2026

Zwei unterschiedliche Menschen aus meiner Familie haben diese Woche – in zwei völlig unterschiedlichen Situationen – wortwörtlich zu mir gesagt:

„Ja, du bist ja die mit den Eiern in unserer Familie.“

Und nein, ich möchte gar nicht erzählen, was passiert ist oder warum dieser Satz gefallen ist.

Darum geht es eigentlich gar nicht.

Ich fand nur bemerkenswert, dass zwei Menschen, die mir unterschiedlich nahestehen, innerhalb weniger Tage dieselben Worte für mich benutzt haben.

Und zuerst?

Fand ich es irgendwie geil.

Okay.
Ich bin also die mit den Eiern.

Die Starke.
Die Taffe.
Die, die sich durchsetzt.
Die, die den Mund aufmacht.
Die, die sich nicht so schnell unterkriegen lässt.

Kann man durchaus als Kompliment nehmen.
Und vielleicht ist ein Teil von mir darauf sogar stolz. Aber dann ist dieser Satz ein bisschen länger bei mir geblieben.

Warum bin eigentlich ICH die mit den Eiern in unserer Familie? Denn wenn eine ganze Familie dich als „die Starke“ kennt, steckt darin irgendwann auch eine Erwartung.

Anna schafft das schon. Anna sagt schon was. Anna regelt das. Anna findet einen Weg. Anna braucht niemanden. Und wenn es schwierig wird? Dann manövriert sie sich eben wieder irgendwie selbst heraus. Weil sie das schließlich immer macht.

Und plötzlich klang „Du bist die mit den Eiern“
für mich nicht mehr ausschließlich wie ein Kompliment. Sondern auch ein bisschen wie eine Rolle. Eine Rolle, in der wenig Platz dafür ist, zu sagen: Ich weiß gerade nicht weiter. Ich kann das gerade nicht alleine. Ich möchte nicht schon wieder die Vernünftige sein. Ich möchte mich auch einmal irgendwo anlehnen können. Ich möchte nicht immer alles im Griff haben müssen.

Und dann kam mir eine Frage, die ich viel interessanter finde als die Frage, ob ich stark bin: Warum bin ich eigentlich so stark geworden? Warum bin ich diejenige, von der alle erwarten, dass sie ihren eigenen Mann steht? Wann habe ich gelernt, dass ich Schwierigkeiten am besten selbst löse? Wann wurde aus „Ich kann das alleine“ eigentlich „Ich muss das alleine können“?

Vielleicht reden wir viel zu oft darüber, wie beeindruckend starke Frauen sind - und zu selten da

22/08/2026

„Sprich mit dir, als würdest du mit deiner Tochter sprechen.“

Denn stell dir vor, sie steht eines Tages vor dem Spiegel und sagt:

„Meine Beine sind so hässlich.“
„Warum kriege ich das nie hin?“
„Ich bin einfach zu blöd dafür.“
„Alle anderen können das besser als ich.“
„Ich hasse meinen Körper.“

Was würdest du ihr sagen?

Wahrscheinlich nicht:

„Ja. Stimmt.“

Du würdest sie auffangen.
Ihr eine andere Perspektive zeigen.
Sie daran erinnern, dass Fehler nichts über ihren Wert sagen.
Dass ihr Körper kein Projekt ist, das ständig optimiert werden muss.
Dass sie nicht perfekt sein muss, um liebenswert zu sein.

Du würdest mit ihr geduldig sprechen.

Sanft.

Liebevoll.

Und dann gehst du ins Badezimmer, schaust in denselben Spiegel und denkst:

Boah, wie sehe ich heute wieder aus.

Du machst einen Fehler und denkst:

Wie kann man eigentlich so dumm sein?

Du bekommst etwas nicht hin:

Natürlich. Typisch ich.

Und genau da beginnt für mich sprachzuhause auch.

Nicht nur bei den Worten, die wir unseren Kindern sagen.

Sondern bei den Worten, die sie irgendwann von uns lernen – auch wenn wir sie nie direkt zu ihnen gesagt haben.

Denn deine Tochter hört nicht nur, wie du mit ihr sprichst.

Sie erlebt auch, wie du über dich sprichst.

Und irgendwann wird aus unserer Stimme ihre innere Stimme.

Vielleicht dürfen wir deshalb nicht nur unseren Töchtern beibringen, liebevoll mit sich selbst zu sein.

Vielleicht dürfen wir es ihnen vorleben.

Also beim nächsten
„Gott, bin ich blöd …“

kurz innehalten und dich fragen:

Würde ich so mit meiner Tochter sprechen?

Wenn die Antwort Nein ist:

Warum eigentlich mit mir?

21/08/2026

„Ich würde für mein Kind sterben.“
Okay. Aber würdest du für dein Kind leben?
Nicht nur existieren.
Nicht nur funktionieren.
Nicht nur Brotdosen packen, Sonnencreme nachkaufen und Arzttermine vereinbaren.

Sondern dich selbst genauso wichtig nehmen wie den kleinen Menschen, für den du alles tun würdest.
Würdest du schlafen, obwohl die Wäsche noch wartet?
Zum Arzt gehen, wenn dein Körper dir seit Monaten sagt, dass etwas nicht stimmt?
Dich bewegen, weil du möchtest, dass dieser Körper dich noch sehr lange durch dein Leben trägt?
Dich fragen, was du eigentlich jeden Tag isst, trinkst und deinem Körper gibst?

Grenzen setzen.
Hilfe annehmen.

Auf deine mentale Gesundheit achten.
Nicht immer erst dann reagieren, wenn gar nichts mehr geht. Denn vielleicht bedeutet
„Ich würde alles für mein Kind tun“
manchmal etwas viel Unspektakuläreres:

Auf dich selbst aufzupassen.

Nicht, weil uns ein gesundes Leben garantiert, dass wir 100 werden. Das tut es nicht. Sondern weil du dieses eine Leben und diesen einen Körper hast. Und weil dein Kind nicht nur eine Mama braucht, die für es durchs Feuer gehen würde.

Es braucht dich auch an einem völlig gewöhnlichen Dienstagmorgen. Und am Mittwoch. Und hoffentlich noch an sehr, sehr vielen Tagen danach.

Also ja, Karen. Würdest du für dein Kind sterben?

Oder würdest du anfangen, auch für dein Kind zu leben?

20/08/2026

„Sie macht das doch nur, um Aufmerksamkeit zu bekommen.“

Okay.

Und was, wenn sie gerade Aufmerksamkeit braucht?

Ich finde spannend, wie negativ dieses Wort bei Kindern plötzlich klingt. „Aufmerksamkeit suchen.“ „Sich in den Mittelpunkt stellen.“ „Das macht sie doch nur, damit du reagierst.“ Fast so, als hätten wir das Motiv entlarvt und könnten das Bedürfnis deshalb ignorieren.

Dabei würde bei einem Erwachsenen kaum jemand sagen: „Deine Freundin ruft dich nur an, weil sie Aufmerksamkeit möchte. Geh bloß nicht ran.“ 😅 Wir würden vielleicht denken: Sie braucht gerade jemanden. Nähe. Verbindung. Ein Gegenüber.

Warum klingt dasselbe Bedürfnis bei einem Kind plötzlich nach Manipulation?

Natürlich bedeutet das nicht, dass ich jedes Verhalten akzeptieren muss. Wenn mein Kind sein Glas absichtlich vom Tisch wirft, während es mich angrinst, darf das Glas trotzdem weg. Wenn es haut, stoppe ich es. Bedürfnis verstehen bedeutet nicht Verhalten erlauben.

Aber vielleicht kann ich hinter das Verhalten schauen und denken: Interessant. Du versuchst gerade ziemlich deutlich, mich zu erreichen.

Und genau da liegt für mich der Aha-Moment: Wenn ein Kind Aufmerksamkeit sucht, haben wir nicht automatisch den Beweis dafür gefunden, dass wir sie ihm verweigern sollten. Vielleicht haben wir gerade einen Hinweis darauf bekommen, was ihm fehlt.

Manchmal braucht es eine Grenze.

Manchmal Verbindung.

Und manchmal beides gleichzeitig:

„Ich lasse dich das nicht machen. Und ich sehe trotzdem, dass du mich gerade brauchst.“

Vielleicht sollten wir deshalb weniger fragen: „Macht sie das nur für Aufmerksamkeit?“

Und öfter:

„Warum braucht sie meine Aufmerksamkeit gerade so dringend, dass sie diesen Weg dafür wählt?“ 🤍

19/08/2026

Ich bin 32.

Ich weiß ziemlich genau, welche Sonnencreme mein Kind verträgt, welche Milch mein Bauch nicht lustig findet und welchen Kaffee ich morgens brauche, bevor irgendjemand vernünftige Erwartungen an mich stellen sollte.

Ich weiß, wann meine Tochter zuletzt Gemüse gegessen hat.
Ob sie genug getrunken hat.
Ob wir noch Sonnencreme zuhause haben.
Und natürlich, wo diese eine Barbiehose liegt, die JETZT SOFORT gebraucht wird.

Aber hätte mich vor ein paar Monaten jemand gefragt:

„Wie sieht eigentlich dein Omega-6:3-Verhältnis aus?“

Keine. Ahnung.

Ehrlich gesagt wusste ich nicht einmal, dass ich das testen lassen kann.

Ich hätte wahrscheinlich einfach gesagt:

„Bei mir wird’s schon passen.“

Dann habe ich es getestet.

29:1.

Und plötzlich wurde mir etwas bewusst, das eigentlich gar nicht nur mit Omega-3 zu tun hat:

Ich hatte unglaublich viele Daten über das Wohlbefinden meines Kindes im Kopf.

Und über meinen eigenen Körper hauptsächlich … Annahmen.

Vielleicht ist das auch so ein Mama-Ding.

Wir beobachten. Erinnern. Organisieren. Versorgen.

Und bei uns selbst denken wir erstaunlich oft:

Wird schon passen.

Ich möchte das gerade ein bisschen ändern.

Nicht indem ich aus Selfcare mein nächstes Vollzeitprojekt mache.

Sondern indem ich anfange, mich selbst wieder mit auf die Liste zu schreiben.

19/08/2026

Ich achte darauf, was mein Kind isst.

Obst für unterwegs.
Wasserflasche aufgefüllt.
Sonnencreme eingepackt.
Irgendwas zum Snacken dabei, falls „Ich hab keinen Hunger“ innerhalb von sieben Minuten zu „MAMAAA ICH HAB HUNGER“ wird.

Mama macht halt Mama-Sachen.

Und während ich ziemlich genau weiß, was mein Kind heute gegessen und wie viel es getrunken hat, war meine eigene Ernährung lange eher:

„Wird schon passen.“

Ich esse ja nicht nur Fast Food.
Ich koche.
Ich esse Obst und Gemüse.
Ich bin 32 und grundsätzlich lebensfähig. 😅

Also: wird schon passen.

Bis ich zum ersten Mal meine Fettsäureversorgung testen ließ.

Mein Omega-6:3-Verhältnis?

29:1.

Und ich wusste zuerst nicht einmal, was ich mit dieser Zahl anfangen sollte.

Das war für mich eigentlich der spannendste Teil: Nicht, dass plötzlich alles, was ich gegessen hatte, „schlecht“ war. Sondern dass ich zum ersten Mal nicht nach Gefühl beurteilt habe, ob bei mir alles passt.

Ich hatte hingeschaut. Gemessen. Einen Ausgangspunkt.

Seitdem denke ich bei Selfcare ein bisschen anders.

Vielleicht bedeutet „auf mich achten“ manchmal nicht, noch mehr richtig machen zu müssen.

Sondern überhaupt einmal herauszufinden, wo man gerade steht.

Und jetzt interessiert mich wirklich:

Hättest du gewusst, wie deine Fettsäureversorgung aussieht?

Ich bis vor Kurzem jedenfalls nicht. 😅

19/08/2026

Dein Kind muss deine Grenze nicht gut finden, damit die Grenze gelten darf. Und ich glaube, genau hier wird bedürfnisorientierte Begleitung manchmal unnötig kompliziert.

Wir sagen: „Heute gibt es kein zweites Eis.“ Und dann kommt das Weinen. „ABER ICH WILL NOCH EINS!“ Also erklären wir. Und erklären noch einmal. Verhandeln. Begründen. Ablenken. Versuchen, das Kind irgendwie dazu zu bringen, unser Nein gut zu finden.

Aber was, wenn das gar nicht das Ziel ist?

„Nein, heute gibt es kein zweites Eis.“
„ABER ICH WILL!“
„Ja. Ich weiß. Du hättest wirklich gerne noch eines.“

Ende.

Die Grenze bleibt. Und die Enttäuschung darf trotzdem da sein.

Das war für mich ein riesiger Aha-Moment: Gefühle begleiten bedeutet nicht, eine Grenze so lange zu erklären, bis mein Kind ihr freiwillig zustimmt.

Mein Kind darf mein Nein richtig scheiße finden. Es darf enttäuscht sein. Wütend. Vielleicht sogar weinen. Ich muss diese Gefühle nicht verhindern, damit meine Grenze liebevoll war.

Und andersherum muss ich die Gefühle meines Kindes auch nicht kleinreden, damit meine Grenze bestehen bleibt.

Beides kann gleichzeitig wahr sein:

„Du darfst wütend darüber sein.“
UND
„Meine Antwort bleibt Nein.“

Vielleicht brauchen Kinder gar nicht immer weichere Grenzen.

Vielleicht brauchen sie Erwachsene, die Grenzen halten können, ohne dafür die Gefühle ihres Kindes bekämpfen zu müssen.

Um 20:17 Uhr habe ich meiner Tochter noch erklärt, warum wir Menschen nicht „blöd“ nennen.Sehr pädagogisch.Sehr reflekti...
19/08/2026

Um 20:17 Uhr habe ich meiner Tochter noch erklärt, warum wir Menschen nicht „blöd“ nennen.

Sehr pädagogisch.
Sehr reflektiert.
Sehr Sprachzuhause.

Um 22:43 Uhr saß ich auf der Couch und schrieb einen Mann, der eine Frau gegen eine Wand drückt.

Nicht metaphorisch.

Meine berufliche Range ist wirklich beeindruckend. 😂

Lange habe ich diese beiden Seiten fein säuberlich getrennt.

Hier die Mama. Lehrerin. Sprachexpertin.

Dort Ember. Spicy Romance. Männer, bei denen ich meiner Tochter später vermutlich sagen werde: „Wenn du so einen triffst: Lauf.“

Bis mir aufgefallen ist:

Es ist derselbe Laptop.
Und vor allem dieselbe Frau.

Ich bin Mama UND Frau.
Lehrerin UND Romance-Autorin.
Reflektiert UND manchmal völlig unvernünftig.

Apparently, we contain multitudes.

Und vielleicht müssen unsere verschiedenen Seiten gar nicht perfekt zusammenpassen.

Vielleicht müssen sie einfach nur uns gehören. 🔥

18/08/2026

Manchmal sitze ich morgens als Deutschlehrerin da und denke über Sprache nach.

Satzbau. Wortwahl. Wirkung.

Und manchmal sitze ich nachts als Romance-Autorin da und denke ebenfalls sehr intensiv über Sprache nach.

Die Textbeispiele unterscheiden sich geringfügig. 😂

Sagen wir so:

„Welche Wirkung hat dieses Verb auf die Leser:innen?“ ist überraschend relevant in beiden Jobs.

Nur würde ich manche meiner Antworten lieber nicht im Konferenzzimmer diskutieren.

Lange waren das für mich zwei völlig unterschiedliche Welten.

Hier die Lehrerin.
Seriös. Pädagogisch. Sprachexpertin.

Dort die Autorin, die nachts darüber nachdenkt, ob „er sah sie an“ wirklich reicht oder ob dieser Mann jetzt bitte endlich irgendetwas Interessanteres tun könnte.

Mittlerweile finde ich eher faszinierend, wie viel beides miteinander zu tun hat.

Denn Worte können trösten.
Verletzen.
Nähe schaffen.
Grenzen setzen.

Und manchmal können ein paar sehr gut gewählte Worte offenbar auch dafür sorgen, dass eine erwachsene Frau um 01:14 Uhr denkt:

„Okay. EIN Kapitel noch.“

Sprache war irgendwie immer mein Ding.

Ich habe ihr nur sehr unterschiedliche Einsatzgebiete gegeben. 🔥

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