30/06/2026
🥵 Hitztote
Aktuell wird wieder viel über Hitzetote berichtet.
❓Wie werden Hitzetote beim RKI eigentlich ermittelt ? 🤔
Das RKI erfasst Hitzetote nicht über einzelne Todesursachen, sondern über ein statistisches Verfahren zur Übersterblichkeit (siehe unten). Dabei wird geprüft, ob in einem bestimmten Zeitraum mehr Menschen sterben als aufgrund der normalen saisonalen Entwicklung zu erwarten wäre.
1. Zeitraum
Die Auswertung erfolgt vor allem in den Sommermonaten von Juni bis September.
2. Temperaturmittelwert der Woche
Das RKI schaut nicht nur auf einzelne heiße Tage, sondern auf den Wochendurchschnitt der Temperatur. Erst wenn die Wochenmitteltemperatur über 20 °C liegt, wird die hitzebedingte Mortalität besonders berücksichtigt. Beispielsweise 22 Grad würde ich aus medizinischer Sicht jetzt noch nicht als besonders herausfordernd für den Körper sehen.
3. Statistisches Verfahren
Das RKI vergleicht die tatsächlich beobachteten Sterbefälle mit einem erwarteten Referenzwert aus früheren Jahren. Dabei kommt das „All Cases Verfahren“ zur Anwendung (siehe unten).
Auf diese Weise wird die Übersterblichkeit geschätzt. Diese Zahl beschreibt zusätzliche Todesfälle, die mit Hitze in Zusammenhang stehen können.
Woran sterben Menschen bei Hitze?
Meist ist Hitze nicht die alleinige Todesursache (Ausnahme Hitzschlag), sondern verschärft bereits bestehende Erkrankungen. Besonders betroffen sind Menschen mit:
❤️ Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z.B. Herzinsuffizienz, koronare Herzkrankheit oder Bluthochdruck)
🤧 Atemwegserkrankungen (zB. COPD, Asthma)
💦 Nierenerkrankungen, weil Dehydrierung die Belastung verstärkt
🍰 Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes)
👵 allgemeiner Gebrechlichkeit im höheren Alter
Die Menschen sterben also, bis auf die Ausnahme Hitzschlag, nicht direkt an der höheren Temperatur. Damit gibt es idR auch keinen Totenschein auf dem als Ursache „Hitze“ steht.
Hitze kann den Körper so stark belasten, dass Kreislaufversagen, Flüssigkeitsmangel, akutes Nierenversagen oder eine Verschlechterung bestehender Herz- und Lungenerkrankungen zum Tod führen.
Kritik am „All-Cases“-Verfahren
❗️Es werden alle Todesfälle (!) berücksichtigt, ohne die direkte Todesursache einzeln zu prüfen.
❗️Dadurch können auch Sterbefälle einfließen, die nicht unmittelbar durch Hitze verursacht wurden, z.B. durch Unfälle, Infektionen, Alter…
❗️Demografische Effekte, etwa eine alternde Bevölkerung, müssen sauber mit berücksichtigt werden. Je mehr Menschen im höheren Alter vorhanden sind, desto höher wird ganz natürlich die Anzahl der Todesfälle.
❗️Die Methode zeigt also keinen medizinisch eindeutigen Hitzetod.
Kurz gesagt:
Das RKI schätzt Hitzetote nicht über Einzelfälle, sondern über Übersterblichkeit, Wochenmitteltemperatur und statistische Modellierung.
Meist sterben Menschen dabei nicht „an Hitze allein“, sondern an den Folgen von Hitze auf bereits bestehende Erkrankungen.