17/08/2026
Wanderer zwischen den Welten, an der Schwelle zwischen Hell und Dunkel, Gut und Böse. Der Schwarzdorn begleitet uns Menschen schon seit Jahrtausenden und unser Verhältnis ist recht ambivalent. Mal galt er als Feenbaum, von dem man sich unheimliche Geschichten erzählte. Als Unglücksbaum nutzten die Hexen sein Holz als Wanderstab und durchbohrten Wachsfiguren mit seinen schwarzen Dornen, um Unheil zu verbreiten. In anderen Kulturen galt die Schlehe als freundliche Pflanze, die sogar vor Hexen und bösen Mächten schützt und man nähte Schlehenhölzchen in die Kleidung ein, um vor bösem Zauber gefeit zu sein. Gleiches galt für die Kerne der Schlehe, die man auffädelte und als Schutzamulett trug.
Auch in seinem Äußeren spiegeln sich die zwei Gesichter des Schlehdorns. Im zeitigen Frühling zeigt er sich eingehüllt in unschuldiges Weiß und lässt in uns die Hoffnung auf Licht und Sonne wachsen. Die blauschwarzen Früchte im Spätsommer lassen bereits erahnen, dass er auch eine dunkle Seite hat, die er uns im Winter mit seinem schwarzen Holz, dem oft bizarren Wuchs und den langen Dornen offenbart.
Ob wirklich Zauberwesen im Schwarzdorn wachsen, das musst Du selbst herausfinden. Dass er Lebensraum für etliche Tiere bietet, ist jedoch unbestritten. Doch auch hier liegen Leben und Tod eng beieinander. Über 70 Schmetterlingsarten nutzen den Strauch zur Eiablage und so wird er Kinderstube und Futterpflanze für ihre Raupen. Doch so manches Tier findet hier den Tod. Der Neuntöter nutzt den Schlehdorn als Speisekammer und so findet man manchmal aufgespießte Insekten oder gar Mäuse an seinen Dornen.
Genau diese Ambivalenz macht für mich die besondere Faszination des Schwarzdorns aus. Ganz zu schweigen von seinen schmackhaften Früchten, die, richtig zubereitet, ein echter Genuss sind. 😉