07/07/2026
Ein Bild hängt in der Hamburger Kunsthalle. Es zeigt einen blonden Knaben im weißen Gewand — Jesus als Kind, umgeben von Gelehrten. Ein harmloses Motiv. Und doch löste genau dieses Bild 1879 einen Skandal aus, der bis in den bayerischen Landtag hallte.
Der Grund liegt unter der Farbe.
Max Liebermann — einer der bedeutendsten deutschen Maler des späten 19. Jahrhunderts, Mitbegründer der Berliner Secession, Berliner Jude — hatte seinen Jesusknaben ursprünglich ganz anders gemalt. Dunkelhaarig, barfüßig, gestikulierend. Ein jüdischer Knabe, so wie er ihn kannte. Der Aufschrei war enorm. Liebermann übermalte das Gesicht. Was heute hängt, ist seine zweite Version.
In dieser Folge erzähle ich, was unter der Farbe liegt — und was es bedeutet, wenn ein Künstler sein eigenes Werk auslöscht, damit die Menschen endlich das Bild sehen und nicht mehr den Juden hinter dem Bild.
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