14/09/2026
Hebamme Eva Schranz erzählt:
Schon ihr 1. Kind wollte R. 2024 bei uns im damals ganz neuen Geburtshaus gebären - aber durch die Verzögerungen bei Bauarbeiten und Bewilligung hat sich unsere Eröffnung leider verschoben. So mussten wir umdisponieren und R. hat mit mir als Wahlhebamme im Krankenhaus geboren - eine unkomplizierte Wassergeburt. Jetzt ist sie wieder schwanger und wir freuen uns alle, dass sie nun ins Geburtshaus kommen kann.
Ihr 2. Kind lässt sich länger Zeit als das erste. Sie überschreitet den Geburtstermin und es wird September, was sie nicht erwartet hätte. Ungeduld macht sich breit, außerdem spürt sie ständig leichte Wehen, die dann doch nicht zur Geburt führen.
Und dann geht es doch los. Um 23:20 informiert sie mich, dass sie seit 50min Wehen im 5min-Takt spürt. Auch wenn sie ein bisschen befürchtet, dass es doch wieder aufhört, vereinbaren wir, uns in einer Stunde im Geburtshaus zu treffen. Um Mitternacht liegen die Abstände nur mehr bei 2-3min, da verschwinden auch die letzten Zweifel.
Um 0:25 nehme ich R. und ihren Mann in Empfang. Sie legt sich erst mal hin, so fühlt sie sich wohl. Blutdruck und Herztöne sind einwandfrei. Hebammenstudentin Julia ist auch schon da und wenig später trifft auch Raphi als 2. Hebamme ein. R. veratmet die Wehen alle 4-5min ruhig in Seitenlage, sie wirkt noch sehr entspannt. Das Baby turnt wild und der ganze Bauch wackelt, dann schläft es wieder.
Um 1:45 schlage ich R. eine aufrechte Position vor und sie stützt sich im Stehen auf ihren Mann. Sofort kommen die Wehen häufiger. Kurze Zeit später ist R. neugierig, wie weit der Muttermund geöffnet ist. Es sind 4cm, das Köpfchen liegt genau richtig im Beckeneingang - wir sind zufrieden. Alle 20min geht R. aufs WC, das Baby drückt so auf die Blase.
Bald wechselt sie in eine kniende Position auf der Matte. Weil das Baby häufiger als üblich zu schlafen scheint, schreiben wir um 3:30 eine halbe Stunde CTG statt der kurzen Dopton-Kontrollen. Dabei möchte sie sich hinlegen und ruht sich aus, während die Wehenpausen wieder etwas länger werden. Nach dem CTG, das uns völlig normale Herztöne und Aktivitätsphasen zeigt, ist R. wieder im Knien auf der Matte. Prompt verkürzen sich die Wehenpausen wieder. Ihr ist anzumerken, dass die Wehen auch intensiver werden und sie mehr fordern. Um 4:40 beginnt sie leise zu tönen und sagt: „Den Teil hab ich irgendwie vergessen.“ Ich begleite sie beim nächsten WC-Besuch, weil nun jede Wehe stärker als die vorige ist - es könnte jetzt schnell gehen. Stehend über dem WC veratmet sie eine heftige Wehe, die schon deutlich nach unten schiebt, und da platzt um 5:01 unüberhörbar und eindrucksvoll die Fruchtblase. R. möchte wieder eine Wassergeburt und die Badewanne ist längst eingelassen. Jetzt wird es aber Zeit, hineinzusteigen! Vorher nur noch schnell eine Herztonkontrolle, weil das Fruchtwasser leicht verfärbt ist, aber alles ist in bester Ordnung. R. kann nicht mehr anders, als in der Wehe kraftvoll mitzuschieben. Sie klettert in die Wanne und kniet sich hin. Jetzt geht es Schlag auf Schlag: In der nächsten Wehe wird bereits das Köpfchen sichtbar. Wenige Minuten später schiebt R. das ganze Köpfchen auf die Welt und wir warten auf die letzte Wehe. Ein bisschen muss ich mithelfen, die Hand des Babys zu lösen, die es eng am Hals hält - genau wie das 1. Kind! -, dann rutscht es schon ins Wasser und R. nimmt es in ihre A**e. 5:08 Uhr, das ging jetzt flott! Die Freude ist riesengroß und der kleine Neuankömmling begrüßt uns mit kräftiger Stimme. Herzlichen Glückwunsch, liebe R.! Du hast die Geburt so toll gemeistert! 💐