24/06/2026
Hebamme Sarah erzählt:
M. ruft mich um 18:45 an, weil sie einen Blasensprung vermutet. Ganz eindeutig ist die Lage nicht, darum bitte ich sie den Fruchtwassertest durchzuführen, den sie letztens von mir bekommen hat. Der Test ist positiv, also treffen wir uns recht bald im Geburtshaus und führen eine Herztonkontrolle durch. Bei M. und ihrem Baby scheint alles wunderbar zu sein. Wir vereinbaren, dass M. versucht nochmals zu schlafen und sich meldet, sobald Wehen einsetzen.
In der Nacht schlafen alle gut und auch über den Vormittag sind es nur leichte und unregelmäßige Wehen, mit denen sie super zurechtkommt. Wir besprechen zwischenzeitlich, was sie zuhause noch tun kann um die Wehen anzuregen und vereinbaren uns spätestens um 15:30 Uhr im Geburtshaus zu treffen, um eventuell nochmal gemeinsam nachzuhelfen. (Laut Leitlinien wird 24h nach Blasensprung eine Einleitung empfohlen, wenn bis dahin keine Geburtswehen vorhanden sind – das möchten wir gerne verhindern.) Als M. und ihr Partner ankommen, scheint die Lage sehr entspannt und wir versuchen die Wehen nach und nach mehr anzulocken. Auch Hebammenstudentin Larissa ist schon dabei. Auf die Eipollösung reagiert die Gebärmutter gut. Danach probieren wir noch Positionen, welche zur Wehenanregung dienen sollen, diese sind aber eher beruhigend für sie, ebenso wie eine Bauchmassage zur Wehenanregung. Was am besten hilft: Beim Abpumpen mit der Milchpumpe stellen sich langsam aber sicher Wehen ein, die im Abstand von 2-4min kommen. Da wir nach einiger Zeit aufgrund des entspannten Eindrucks allerdings Zweifel haben, dass M. schon in der aktiven Geburtsphase ist, führe ich eine vaginale Untersuchung durch und stelle keine Veränderung im Vergleich zu vorhin bei der Eipollösung fest. Da es gestern ein hoher Blasensprung war (die Fruchtblase ist anstatt unten beim Muttermund weiter oben eingerissen) und ich während der Kontraktionen eine pralle Vorblase tasten kann, öffne ich um 18:28 Uhr diese nach Absprache mit M. in der Hoffnung, dass die Wehen dann intensiver werden und wir doch keine Einleitung brauchen.
Kurz davor ist Hebamme Eva dazugekommen und stellt währenddessen sicher, dass die Herztöne in Ordnung sind – das sind sie. Der Gesamtbefund hat mich erahnen lassen, dass die Eröffnung der Vorblase den letzten Anstupser zu den intensiven Geburtswehen geben könnte und tatsächlich sind diese wenig später erstmals von außen wahrzunehmen, sind kräftiger und häufiger. M. spaziert viel im Gang und setzt sich mal auf den Gymnastikball, dort scheinen die Wehen am besten aushaltbar. Zwischenzeitlich ist sie in der Badewanne, die zwar angenehm aber derzeit für die Wehentätigkeit eher kontraproduktiv ist. 4h nach dem letzten Zwischenstand führe ich nach Absprache mit M. erneut eine vaginale Untersuchung durch, weil ich den Eindruck habe, dass es inzwischen wieder deutlich weniger geworden ist und wir die aktive Geburtsphase noch nicht erreicht haben. Bei dieser stelle ich fest, dass sich am Muttermund noch nichts verändert hat, sie scheint also wie vermutet noch immer in der Latenzphase zu sein. Sie steigt wieder aus der Wanne, glaubt dort wieder mehr und intensivere Wehen zu spüren. Nach der Badewanne scheint die Lage weiterhin ruhiger. Trotz Erbrechen zwischendurch scheinen die Wehen noch nicht effektiv genug und ich bespreche mit M., dass ein Wechsel ins Krankenhaus sinnvoll wäre um bei dem langen Blasensprung seit 29h ein Blutbild machen zu können und falls nötig früher oder später noch einen letzten Anstupser für die Wehen zu geben.
Gemeinsam entscheiden wir uns für eine Verlegung in Ruhe und werden im Krankenhaus gut aufgenommen. Kurz vor unserer Verabschiedung um 0:40 habe ich den Eindruck, dass die Wehen nun doch intensiver werden. Am kommenden Vormittag erreicht uns die Nachricht, dass M. um 6:04 Uhr ihr Baby spontan geboren hat. Die kleine L. hatte einen aufregenden Start ins Leben, erhält nach der Geburt Unterstützung bei der Atmung und wird für ein paar Tage auf der Neonatologie aufgenommen. Inzwischen ist die Familie wieder zuhause vereint. Wir gratulieren M. und ihrem Partner zur Geburt ihres Babys! M., sei stolz, dass du so tapfer durchgehalten hast! ❤️