13/09/2026
Akupunktur wirkt, aber anders als gedacht. Aktuelle Studien zur Akupunktur bei Kniearthrose und chronischen Schmerzen zeigen ein Muster, das Fachleute seit Jahren diskutieren. Echte Akupunktur und Scheinakupunktur, bei der Nadeln an falschen Punkten oder nur oberflächlich gesetzt werden, wirken in den meisten Untersuchungen annähernd gleich gut.
Das bedeutet nicht, dass Akupunktur wirkungslos ist. Es bedeutet, dass die zugrunde liegende Theorie der traditionellen chinesischen Medizin, also ein Energiefluss entlang bestimmter Meridiane, wissenschaftlich nicht haltbar ist. Was tatsächlich wirkt, sind unspezifische Effekte. Dazu zählen die Zuwendung durch den Behandler, die Erwartungshaltung des Patienten und die reine Reizsetzung durch die Nadel selbst, unabhängig vom exakten Punkt.
Für Patienten heißt das konkret. Eine Behandlung, die dich zur Ruhe kommen lässt, ernst genommen fühlen lässt und kaum Nebenwirkungen hat, kann durchaus subjektive Linderung bringen. Das ist medizinisch legitim und nicht mit Scharlatanerie zu verwechseln. Problematisch wird es erst, wenn Akupunktur als kausale Therapie gegen strukturelle Probleme wie einen Meniskusriss oder eine fortgeschrittene Arthrose verkauft wird und wirksamere Optionen wie gezieltes Krafttraining oder Physiotherapie dadurch verzögert werden.
Meine Empfehlung aus der Praxis. Nutze Akupunktur, wenn sie dir subjektiv guttut, aber ersetze damit keine strukturierte Rehabilitation. Bei Gelenkbeschwerden bleibt Krafttraining die Therapie mit der besten Evidenz für langfristige Funktion und Schmerzreduktion, nicht die Nadel.