06/05/2026
Manchmal denke ich heute noch daran zurück, wie mein Gehirn nach meinem Unfall versucht hat, „alte Programme“ weiterlaufen zu lassen.
Ich war 16 Jahre alt.
Und eines der schwierigsten Dinge waren nicht nur die großen Veränderungen, sondern diese kleinen Alltagsmomente.
Zum Beispiel die Küche.
Ich bin hineingefahren, wollte etwas aus dem oberen Kasten holen — und mein Gehirn war komplett im Automatismus:
„Steh einfach auf und nimm es runter.“
Nur ging das nicht mehr.
Genau diese Sekunden waren damals oft besonders schmerzhaft. Nicht, weil ich vergessen hätte, dass ich im Rollstuhl sitze. Sondern weil mein Gehirn noch gespeichert hatte:
„So funktioniert dein Körper.“
Unser Gehirn arbeitet mit neuronalen Netzwerken und Bewegungsmustern, die über Jahre automatisiert werden. Bewegungen wie Aufstehen, Greifen oder Gehen laufen normalerweise unbewusst ab. Nach einem einschneidenden Ereignis braucht das Gehirn Zeit, um diese inneren Landkarten neu zu organisieren.
Heute, fast 28 Jahre später, ist es kognitiv längst verankert, dass bestimmte Dinge nicht möglich sind. Mein Gehirn plant anders, mein Alltag funktioniert anders und vieles läuft inzwischen selbstverständlich ab.
Als Psychotherapeutin finde ich genau diesen Prozess unglaublich spannend. Wie sehr Körper, Psyche und Nervensystem miteinander verbunden sind. Und wie lange es manchmal dauern darf, bis ein Mensch innerlich mit einer neuen Realität mitkommt.
Das gilt nicht nur für körperliche Veränderungen, sondern auch für Verlust, Trauma, Krankheit oder psychische Krisen. Menschen denken oft, sie müssten „schon weiter sein“. Aber unser Nervensystem funktioniert nicht nach Druck. Veränderung braucht Wiederholung, Erfahrung, Sicherheit — und vor allem Zeit.
Das Bild wurde übrigens mit KI erstellt — aber das Gefühl dahinter ist sehr real.