Psychotherapeutische Praxis Dr. Böckle

Psychotherapeutische Praxis Dr. Böckle Dr. Markus Böckle arbeitet in der Praxis am Naschmark

Digitalisierung der Psychotherapie in Österreich: Chancen nutzen, Qualität sichernDie Digitalisierung verändert auch die...
19/12/2025

Digitalisierung der Psychotherapie in Österreich: Chancen nutzen, Qualität sichern

Die Digitalisierung verändert auch die Psychotherapie – allerdings langsamer und vorsichtiger als andere Bereiche des Gesundheitswesens. Mit dem neuen Psychotherapiegesetz 2024 und der seit Juli 2025 geltenden Richtlinie Online Psychotherapie wurden in Österreich erstmals klare rechtliche Grundlagen für videobasierte und audiobasierte Psychotherapie geschaffen.

Doch viele Fragen bleiben offen.
In einem aktuellen Positionspapier zur Digitalisierung in der Psychotherapie in Österreich analysieren wir, welche digitalen Formate bereits sinnvoll eingesetzt werden können – und wo es klare Grenzen, Risiken und Regelungsbedarfe gibt.

Digitalisierung kann die psychotherapeutische Versorgung ergänzen und verbessern, aber nicht ersetzen. Online-Psychotherapie, digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs) und KI-gestützte Systeme bieten Chancen für besseren Zugang, mehr Flexibilität und neue Ausbildungsformate. Gleichzeitig stellen sie hohe Anforderungen an Datenschutz, Qualitätssicherung und die therapeutische Beziehung.

Besonders deutlich wird der Bedarf an verbindlichen Qualitäts- und Zertifizierungsprozessen für digitale Anwendungen, einer klaren Abgrenzung zwischen Psychotherapie, Beratung, Selbsthilfe und KI-basierten Tools, sowie der systematischen Verankerung digitaler Kompetenzen in Aus-, Fort- und Weiterbildung.

Ein zentrales Anliegen des Positionspapiers ist die berufspolitische Perspektive:
Ohne aktive Einbindung von Psychotherapeut:innen besteht die Gefahr, dass digitale Angebote an psychotherapeutischen Standards vorbeientwickelt werden – mit Risiken für Patient:innen und den Berufsstand selbst.

Die Digitalisierung der Psychotherapie braucht daher keinen Technikoptimismus, sondern fachliche Steuerung, rechtliche Klarheit und professionelles Mitgestalten. Nur so können digitale Formate dazu beitragen, Versorgungslücken zu schließen und die Qualität psychotherapeutischer Arbeit langfristig zu sichern.

Der vollständige Artikel ist frei zugänglich im e-beratungsjournal:

https://doi.org/10.48341/vc6a-5c75

19/12/2025

Schizotypie und Sprache: Macht die Fremdsprache einen Unterschied?

Seit Jahren besteht die Annahme, dass Menschen in einer Fremdsprache rationaler, emotional distanzierter und weniger verzerrt urteilen – ein Phänomen, das als Foreign Language Effect bekannt ist. In der Psychiatrie wurde daraus die Hoffnung abgeleitet, dass schizotype oder psychotische Symptome in einer Zweitsprache schwächer ausgeprägt oder zumindest weniger berichtet werden.

Unsere aktuelle Studie geht dieser Frage systematisch nach.

Wir untersuchten deutsch-englischsprachige Erwachsene, die einen standardisierten Schizotypie-Fragebogen entweder in ihrer Muttersprache (Deutsch) oder in ihrer Zweitsprache (Englisch) ausfüllten. Alle Teilnehmenden waren gesund, bilingual und zufällig einer Sprachversion zugeteilt. Die Frage war einfach: Berichten Menschen in einer Fremdsprache weniger schizotype Merkmale als in ihrer Muttersprache?

Wir fanden keinen Hinweis darauf, dass die Sprachwahl einen relevanten Einfluss auf die Selbstauskunft schizotyper Merkmale hat. Weder insgesamt noch in den einzelnen Symptomdimensionen zeigte sich ein belastbarer Unterschied zwischen Erst- und Zweitsprache.

Diese Befunde relativieren frühere Annahmen, die meist auf Einzelfallberichten oder auf methodisch eingeschränkten Studien basierten. Sie sprechen dafür, dass der Zusammenhang zwischen Sprache, Emotionalität und schizotypem Erleben weniger robust ist als oft angenommen – zumindest im nichtklinischen Bereich.

Für Forschung und Praxis bedeutet das:

Sprache allein scheint kein verlässlicher Hebel zu sein, um schizotype Merkmale zu modulieren oder zu „maskieren“. Gleichzeitig unterstreicht die Studie, wie wichtig saubere Designs, echte Bilingualität und sprachlich äquivalente Instrumente sind, wenn psychische Phänomene kultur- und sprachübergreifend untersucht werden.

Der Artikel ist Open Access verfügbar:

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S221500132500068X?via%3Dihub

Adresse

Magdalenenstraße 21/7
Vienna
1060

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