Psychotherapeut Philipp Lioznov, MSc.

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Psychotherapeut Philipp Lioznov, MSc. Mein Name ist Philipp Lioznov MSc und ich bin Psychotherapeut und Psychologe in Wien. Ich spreche Deutsch, Englisch und Russisch.

Was erlebst du gerade in der Beziehung zu mir, das du schon dein ganzes Leben lang erlebst? Wenn du dieses Photo anschau...
09/06/2026

Was erlebst du gerade in der Beziehung zu mir, das du schon dein ganzes Leben lang erlebst? Wenn du dieses Photo anschaust?

„Was erlebt ein Patient in der Beziehung zu mir, das er vielleicht schon sein ganzes Leben erlebt?“

Genau diese Frage erscheint mir oft wichtiger als die Frage nach der richtigen Technik. Denn Menschen kommen nicht nur mit Symptomen in die Therapie. Sie kommen mit ihren Beziehungserfahrungen. Mit dem Gefühl, nicht verstanden zu werden. Sich anpassen zu müssen. Zu viel oder nicht wichtig zu sein. Und früher oder später zeigen sich diese Erfahrungen auch in der therapeutischen Beziehung.

Deshalb frage ich mich immer wieder: Wie fühlt es sich an, mir gerade gegenüberzusitzen? Denn Therapie geschieht nicht nur durch das, was wir sagen oder tun. Sie geschieht auch durch unsere Präsenz. Die Neurowissenschaft zeigt zunehmend, dass sich Nervensysteme aufeinander abstimmen. Dass wir einander beeinflussen, lange bevor die eigentliche Intervention beginnt.

Vielleicht wird deshalb so oft überschätzt, was Techniken leisten können, und unterschätzt, was Beziehung bewirkt. EMDR, Exposition, ACT oder jede andere Methode entfalten ihre Wirkung nicht im luftleeren Raum. Sie wirken innerhalb einer menschlichen Begegnung. Techniken ohne Beziehung werden schnell hohl.

Neuere Forschung zeigt, dass sich Nervensysteme in Gesprächen aufeinander abstimmen. Dass wir einander nicht nur über Worte beeinflussen, sondern über unsere gesamte Präsenz.

Und mir bleibt genau deshalb eine Frage die wichtigste:

Wie fühlt es sich an, mir gegenüberzusitzen?

Und für dich?

21/05/2026

Einsamkeit ist heute kein Randthema mehr, sondern für viele ein stiller Teil des Alltags.
Und sie betrifft nicht nur Menschen, die alleine sind. Oft fühlt man sich gerade mitten unter anderen am einsamsten.

Dieses Gefühl entsteht häufig schleichend und bleibt lange unbemerkt. Sowohl von außen als auch von einem selbst. Dabei kann Einsamkeit starke Auswirkungen auf unsere psychische Gesundheit haben: Sie beeinflusst unser Wohlbefinden, unsere Gedanken und sogar unser körperliches Empfinden. Umso wichtiger ist es, offen darüber zu sprechen und Räume zu schaffen, in denen echte Begegnung möglich wird.

Bei .tv durfte ich mit gefilmt von über die psychischen Auswirkungen von Einsamkeit sprechen und darüber, warum echte Verbindung so wichtig für unsere mentale Gesundheit ist. Denn soziale Nähe bedeutet nicht nur Gesellschaft zu haben, sondern sich gesehen, verstanden und angenommen zu fühlen. Wir kennen das ja alle mittlerweile, in winer Zeit, in der vieles schnelllebig und digital geworden ist, brauchen wir bewusste Momente echter Verbindung mehr denn je.

Hier ist auch unsere Politik gefragt. Die Umwelt darf die Einsamkeit nicht begünstigen.

Gefilmt wurde in der Praxis Anamnesis

Die Praxis füllt sich.Langsam, leise, Schritt für Schritt.Zwischen Gesprächen, Pausen, Blicken.Zwischen dem, was gesagt ...
24/04/2026

Die Praxis füllt sich.

Langsam, leise, Schritt für Schritt.

Zwischen Gesprächen, Pausen, Blicken.
Zwischen dem, was gesagt wird und dem, was zum ersten Mal Raum bekommt.

Alba wusste das schon lange.
Dass man hier einfach sein darf. Aber sie ist ja auch die Königin hier. Die Menschen kommen ja nur wegen ihr.

Und jetzt zeigt sich:
Sie ist nicht die Einzige, die sich hier wohlfühlt.

Menschen kommen an.
Bleiben. Öffnen sich.

Und machen diesen Raum zu dem, was er werden soll:
Ein Ort, an dem etwas in Bewegung kommt.

Ich komme jeden Morgen auch sehr gerne hier an.

Warum fällt es uns eigentlich so schwer, über Sexualität zu sprechen, obwohl sie für so viele Menschen ein so zentraler ...
02/02/2026

Warum fällt es uns eigentlich so schwer, über Sexualität zu sprechen, obwohl sie für so viele Menschen ein so zentraler Teil ihres Lebens ist? Wir leben in einer Zeit, in der Körper, Sexualität und Beziehungen überall präsent sind. Auf Social Media, in Dating-Apps, in Serien, in Werbung. Es gibt unzählige Bilder davon, wie Begehren, Lust und Nähe aussehen sollten. Und trotzdem bleiben viele mit ihren ganz persönlichen Fragen allein. Mit Unsicherheiten, mit Druck, mit dem Gefühl, nicht zu genügen oder nicht richtig zu sein. Diese Themen kommen dann irgendwann in einer Psychotherapie an die Oberfläche.

Sexualität ist selten nur etwas Körperliches. In ihr zeigen sich unsere Sehnsucht nach Nähe, unsere Angst vor Zurückweisung, alte Erfahrungen aus Beziehungen, manchmal auch Verletzungen, die nie wirklich ausgesprochen wurden. Viele der Fragen, die als se****le Probleme auftauchen, sind eigentlich Fragen an das eigene Leben: Darf ich fühlen, was ich fühle? Darf ich Grenzen haben? Darf ich etwas wollen? Oder auch nicht wollen? Wie nah lasse ich jemanden wirklich an mich heran in einer Welt, die immer schneller wird und in der echte Begegnung oft zu kurz kommt?

Gerade heute scheint der Druck groß, zu funktionieren, auch in der Sexualität. Leistungsfähig zu sein, offen zu sein, immer zu wissen, was man will. Dabei ist genau das oft nicht der Fall. Viele Menschen spüren eine große Unsicherheit, vergleichen sich ständig und ziehen sich innerlich zurück, weil sie glauben, mit ihnen stimme etwas nicht. Schweigen verstärkt dieses Gefühl. Reden kann es auflösen.

Ich glaube, wir brauchen mehr Orte, an denen über Sexualität ehrlich gesprochen werden darf. Ohne Bewertung, ohne schnelle Antworten, ohne das Gefühl, etwas richtig oder falsch zu machen. Orte, an denen Fragen Platz haben und Ambivalenz erlaubt ist. Deshalb spreche ich darüber. Nicht, weil ich fertige Lösungen habe, sondern weil Verbindung entsteht, wenn wir Dinge aussprechen, die sonst im Verborgenen bleiben. Weil Sexualität mit all ihrer Unsicherheit, ihrer Verletzlichkeit und ihrer Kraft etwas sehr menschliches ist.

Über Sexualität zu reden heißt nicht, alles zu wissen.

Mit

und

Einsamkeit sieht man oft nicht.Damals, als junger Psychotherapeut (noch vor der Covid-19-Pandemie) war ich irritiert von...
29/01/2026

Einsamkeit sieht man oft nicht.

Damals, als junger Psychotherapeut (noch vor der Covid-19-Pandemie) war ich irritiert von der Aussage einer jungen Patientin.
Sie erzählte von einer großen Familie, einem großen Freundeskreis, vielen Kontakten an der Universität.
Und sagte dann: „Trotzdem fühle ich mich einsam. Sogar, wenn ich mit meiner Familie im Raum sitze.“

Vor über zehn Jahren wusste ich noch nicht, wie unsichtbar Einsamkeit sein kann.
Diese Begegnung war einer der Gründe, warum ich mich entschieden habe, meine PhD-Arbeit diesem Thema zu widmen.

Heute wissen wir aus der Forschung sehr klar:
Einsamkeit hat nicht immer mit der Anzahl von Kontakten zu tun.
Besonders gefährdet sind Menschen, die sozial „gut eingebunden“ wirken, aber innerlich keine Resonanz, kein Gesehen-Werden, kein emotionales Ankommen erleben. Die Forschung nennt das „lonely but connected“.

Neuere Studien zeigen sogar:
Diese Form der Einsamkeit erhöht das Risiko für Depressionen! Gerade bei jungen Menschen.
Nicht weil sie „zu wenig tun“, sondern weil Beziehungen ihre psychologische Funktion verlieren.

Einsamkeit ist daher kein individuelles Versagen, sondern ein Signal:
für gesellschaftlichen Druck, Leistungslogik, Vereinzelung, fehlende Zeit, fehlende Räume für echte Beziehung.

Vor allem chronische Einsamkeit verändert nicht nur, wie wir uns fühlen, sondern wie wir die Welt, andere Menschen und uns selbst verstehen.

Heute sehe ich Einsamkeit in allen Schichten der Gesellschaft.
Und genau deshalb müssen wir mehr darüber sprechen.

Weil Entstigmatisierung schützt.
Weil Einsamkeit behandelbar ist.
Und weil Verbindung nicht durch mehr Kontakte entsteht, sondern durch Bedeutung.

Einsamkeit ist lösbar. Wenn wir sie ernst nehmen, entstigmatisieren und nicht den Einzelnen dafür verantwortlich machen. Einsamkeit ist kein individuelles Versagen. Sie ist ein gesellschaftliches Signal.

Danke an .tv und und für den Raum, dieses Thema sichtbar zu machen.
Lasst uns weiter darüber reden.

Vom 25. November bis zum 10. Dezember stehen weltweit die „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ im Kalender – eine Kampagne, ...
25/11/2025

Vom 25. November bis zum 10. Dezember stehen weltweit die „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ im Kalender – eine Kampagne, die seit den 1990er-Jahren daran erinnert, dass Gewalt gegen Frauen kein Randthema ist, sondern ein weltweites Menschenrechtsthema. In diesen Tagen wird auf Demos, in Bildungsinstitutionen, in sozialen Medien und in Therapieräumen darüber gesprochen, was im Alltag oft überdeckt wird: dass Gewalt nicht erst dort beginnt, wo Spuren am Körper sichtbar werden. Sie beginnt viel früher und oft in Momenten, in denen Frauen ihre eigene Unsicherheit oder ihren Ekel zuerst wegdrücken und erst später verstehen, was eigentlich passiert ist.

Und Gewalt kann viele Gesichter haben. Eine Patientin erzählte mir erst vor kurzem von einem dritten Date mit einem Mann, den sie eigentlich mochte. Die Stimmung war gut, das Vertrauen schien zu wachsen. Doch dann…

Gewalt an Frauen ist längst kein Randthema mehr, sondern in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen. Warum ist das so – und was brauchen wir für mehr Sicherheit?

Es hat sich eine Form der kurzzeitigen effektiven messbaren Psychotherapie etabliert, die als hyperrational beschrieben ...
20/11/2025

Es hat sich eine Form der kurzzeitigen effektiven messbaren Psychotherapie etabliert, die als hyperrational beschrieben werden kann: standardisiert, symptomfokussiert und weitgehend entkoppelt vom echten Leben.
Sie funktioniert wie ein Training: „Denk anders, fühl anders!“
Aber Menschen funktionieren nicht wie Maschinen.

Ich habe gelernt bewusst einen anderen Weg zu gehen. Und dies ist nach vielen Fehlern passiert. Vieles habe ich von meinen Patient:innen gelernt. Jeden Tag. Es geht nur gemeinsam.

->Kontext statt Korrektur
Schlechte Therapie betrachtet Leid als „Denkfehler“.
Ich betrachte Leid als sinnvolle Reaktion auf Biografie, Beziehungserfahrungen und soziale Bedingungen. Bei Trauma wirkt Hyperrationalität sogar retraumatisierend („Warum fühle ich mich noch so?“).
EMDR integriert Körper, Beziehung, implizite Netzwerke.

->Beziehung statt Protokoll
In standardisierter Therapie wird Beziehung zum Randfaktor.
In meiner Arbeit ist sie ein zentraler, regulierender Heilfaktor.

->Körper statt Kopf
Hyperrationalität macht den Körper unsichtbar.
Ich arbeite mit EMDR und körperorientierten Verfahren, weil Trauma auch im Körper gespeichert wird und nicht in negativen Gedanken.

->Tiefe statt Techniken
Tools und Checklisten klingen effizient, aber sie greifen zu kurz. Dabei habe ich diese akribisch zu Beginn gesammelt. Je mehr, desto besser! Ich hatte so viele aufgeschrieben und gelernt gehabt und fühlte mich wie ein Drache auf einem Schatz.
Ich arbeite heute mehr mit Emotionen, implizitem Gedächtnis, Teilen und Bindung. Hier passiert mehr Veränderung.

->Mensch statt Störung
Schlechte Therapie kolonisiert normales menschliches Leiden und macht daraus Diagnosen.
Sehen wir den Menschen, nicht nur die Diagnose!

->Politik & Psyche zusammen denken
Leiden entsteht nicht nur im Gehirn, sondern auch im sozialen Umfeld.
Ich arbeite kritisch-psychologisch: Symptome sind oft Antworten auf etwas. Nicht der Fehler in dir.

Gute Therapie ist nicht die Reparatur einer „defekten“ Psyche.
Gute Therapie ist ein sicherer Raum, in dem Körper, Beziehung, Geschichte und Gesellschaft zusammengedacht werden.
Ein Ort, an dem du dich nicht optimieren musst. Du kannst.

09/11/2025

Erinnerungen sind keine festen Steine. Sie sind flüssige Landschaften.
Wir denken oft, dass das, was wir erlebt haben, unveränderlich in uns eingeschrieben ist.
Doch das Gehirn schreibt ständig um.

Memory Reconsolidation beschreibt diesen Prozess des Neu-Speicherns:
Wenn eine alte, meist implizite Erinnerung aktiviert wird – etwa ein tief verankerter Glaubenssatz wie „Ich bin wertlos“ –
wird sie für kurze Zeit labil, offen für Veränderung.

Wenn in diesem Moment etwas geschieht, das diese alte Vorhersage widerlegt – eine Mismatch-Erfahrung –,
kann das neuronale Netzwerk sich neu organisieren.
Aus „Ich bin wertlos“ kann durch erlebte Wertschätzung werden:
„Ich bin jemand, der spürbar verbunden ist.“

Diese Phase ist kurz, aber machtvoll.
Sie ist das biologische Fenster, in dem psychische Transformation passiert –
das, was wir in der Psychotherapie auf unterschiedlichen Wegen nutzen.

In EMDR durch Dual Awareness – das gleichzeitige Erleben von Trauma und Sicherheit.
In der Arbeit mit Ego States, wenn das erwachsene Selbst einem verletzten Teil mit Mitgefühl begegnet.
In der Gesprächstherapie, wenn eine Emotion in Beziehung gehalten und durchlebt wird und wenn ein unbewusster Glaubenssatz bewusst erkannt und widerlegt wird. Und viele andere!

All das hat eine gemeinsame Wurzel:
Erinnerungen sind keine Gefängnisse.
Sie sind bewegliche Kunstwerke – wie in Refik Anadols Installation in meinem Post:
fließend, organisch, nie abgeschlossen.

Was wir in Therapie erleben, ist nicht das „Löschen“ des Alten,
sondern das Umschmelzen des Gewesenen in etwas Neues.

Meiner Meinung nach ist Heilung genau wie die Kunst von Refik Anadol:
Wenn die Erinnerung nicht verschwindet,
sondern zu fließen beginnt.

In der Therapie versuche ich die unbewussten Glaubenssätze, Prädiktoren unseres Systems und mentale Modelle zu entdecken und bewusst zu machen. Diese sind in subkortikalen Gehirnregionen (z.B. Amygdala) verankert und spiegeln manchmal traumatische Erstarrungen wider. Die neueste Forschung zeigt, dass gespeicherte implizite Erinnerungen verändert werden können. Das motiviert und macht Hoffnung.

Video: Refik Anadol – „Melting Memories“ Ausstellung

Mein erstes Praktikum vor fast fünfzehn Jahren war in einer tiefenpsychologisch arbeitenden Klinik.Ich fühlte mich dort ...
01/11/2025

Mein erstes Praktikum vor fast fünfzehn Jahren war in einer tiefenpsychologisch arbeitenden Klinik.
Ich fühlte mich dort hilflos.
Mir fehlte Wissen, aber auch der innere Zugang zu dem, was in der Beziehung geschah.

Das hat mich in die nächste Richtung getrieben: kognitiv-behaviorale Einrichtungen.
Kurzzeittherapie, Effizienz, klare Strukturen.
Ich arbeitete in Systemen, die Erfolg in messbaren Zahlen sehen wollten. Ich spürte den Druck, darin funktionieren zu müssen.

Obwohl mein Studium die therapeutische Beziehung betont hatte, wusste ich nicht, wie ich sie wirklich verstehen sollte.
Ich hörte nicht, ich suchte nach Möglichkeiten, meine Methoden einzusetzen.

Entschlossen, das Beste aus jeder Stunde zu machen, plante ich jede Sitzung im Voraus, gab Hausaufgaben auf, hatte für jedes Thema ein Arbeitsblatt. Wenn meine Vorschläge mit Schweigen beantwortet wurden, dachte ich, ich müsste einfach bessere Vorschläge machen.

Manchmal dachte ich sarkastisch:
„Patient:innen sollen ihre Ressourcen aktivieren und Tools erlernen, um wieder zu funktionieren – aber genau dieses Funktionieren-Müssen hat sie doch in die Klinik gebracht.“

Dann kam ein Patient, der alles ins Wanken brachte.
Er kam regelmäßig, doch zwischen uns lag spürbare Enttäuschung.
Je mehr ich mich bemühte, desto schlechter wurde es.
Ich fühlte mich schuldig, wütend, hilflos.

Ich begann wieder psychoanalytische Texte zu lesen. Mir dämmerte es, dass meine eigenen Emotionen keine Störung, sondern klinische Daten sind.
Ich erkannte meine Angst, nicht helfen zu können, meinen Wunsch nach Anerkennung, mein Bedürfnis zu funktionieren.

„Der Patient hat keine Verpflichtung, unseren Erwartungen zu entsprechen.“

Dieser Satz hat mich verändert.
Ich verstand, dass Heilung nicht durch Effizienz geschieht, sondern durch Beziehung.

Mein Scheitern wurde zur produktiven Krise.
Ich lernte, vom Handeln zum Halten überzugehen.
Vom Machen zum mentalen Raum.
Vom Plan zum Resonanzfeld.

Vielleicht ist das die eigentliche Kunst der Psychotherapie:
Nicht mehr zu wissen, sondern mehr zu spüren.

Besonders in der heutigen Zeit.

In meiner allerersten Psychologievorlesung an der Uni sagte der Professor:„Freud und die Psychoanalyse sind Humbug. Darü...
29/10/2025

In meiner allerersten Psychologievorlesung an der Uni sagte der Professor:

„Freud und die Psychoanalyse sind Humbug. Darüber werden wir nie wieder reden.“

Und tatsächlich: Wir redeten nie wieder darüber.
Auch während meiner (pragmatischen) Ausbildung zum Verhaltenstherapeuten kam Psychoanalyse kaum vor – höchstens als historische Randnotiz.

Privat las ich aber fast ausschließlich Psychoanalytikerinnen: Freud, Adler, Ferenczi, Jones, Melanie Klein und Anna Freud, McWilliams, Mitchell, Ogden, Benjamin. Ihre Texte fühlten sich an wie ein Ankommen. Außer Lacan damals. Der sorgte nur für Verwirrung. Und auch Jung war mir persönlich damals zu spirituell.

So, wie Nancy McWilliams einmal schrieb:

„Als ich die Psychoanalyse entdeckte, hatte ich das Gefühl, nach Hause gekommen zu sein.“

Während ich mich dem kognitiv-behavioralen Mainstream anschloss, spürte ich immer wieder, dass mir dabei etwas fehlte. Zu Beginn hatte ich mich durch zu viel Fachjargon und unzugängliches Schreiben zunächst von der Psychoanalyse entfremdet – und dann doch mit der Zeit in ihr Zuhause fand. Aber ich hatte es mit wenigen Anderen geteilt. Denn die Theorie galt ja als altmodisch und überholt.

Ich konnte mich damit sofort identifizieren.
Die frühe Ausbildung betont Techniken und Effizienz – während Beziehungs- und Übertragungsprozesse kaum Raum erhalten. Mein eigenes „Nach-Hause-Kommen“ zur Psychoanalyse war auch eine Rückkehr zu einer Haltung des Nicht-Wissens und des neugierigen Mitfühlens.

In einer Welt aus Worksheets, Manualen und Leistungsdruck habe ich meine Beziehung zum eigentlichen therapeutischen Erleben verloren. Und über die Psychoanalyse wiedergefunden.
Ich spürte eine soziokulturelle Entfremdung zwischen einer Sprache der Tiefe und einer Psychotherapie, die heute oft auf Effizienz, Outcome-Daten und Manuals fixiert ist.

Heute sehe ich sie wieder aufblühen! In Kliniken, Podcasts, Supervisionen, auf Social Media.
Vielleicht, weil viele Therapeut:innen wieder spüren:
Dass psychoanalytisches Denken kein Luxus, sondern eine Sprache ist, die das Unbewusste im Alltag hörbar macht. Aufgabe:
Psychoanalyse nicht zu bewahren, sondern wieder verständlich zu machen.
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