09/06/2026
Was erlebst du gerade in der Beziehung zu mir, das du schon dein ganzes Leben lang erlebst? Wenn du dieses Photo anschaust?
„Was erlebt ein Patient in der Beziehung zu mir, das er vielleicht schon sein ganzes Leben erlebt?“
Genau diese Frage erscheint mir oft wichtiger als die Frage nach der richtigen Technik. Denn Menschen kommen nicht nur mit Symptomen in die Therapie. Sie kommen mit ihren Beziehungserfahrungen. Mit dem Gefühl, nicht verstanden zu werden. Sich anpassen zu müssen. Zu viel oder nicht wichtig zu sein. Und früher oder später zeigen sich diese Erfahrungen auch in der therapeutischen Beziehung.
Deshalb frage ich mich immer wieder: Wie fühlt es sich an, mir gerade gegenüberzusitzen? Denn Therapie geschieht nicht nur durch das, was wir sagen oder tun. Sie geschieht auch durch unsere Präsenz. Die Neurowissenschaft zeigt zunehmend, dass sich Nervensysteme aufeinander abstimmen. Dass wir einander beeinflussen, lange bevor die eigentliche Intervention beginnt.
Vielleicht wird deshalb so oft überschätzt, was Techniken leisten können, und unterschätzt, was Beziehung bewirkt. EMDR, Exposition, ACT oder jede andere Methode entfalten ihre Wirkung nicht im luftleeren Raum. Sie wirken innerhalb einer menschlichen Begegnung. Techniken ohne Beziehung werden schnell hohl.
Neuere Forschung zeigt, dass sich Nervensysteme in Gesprächen aufeinander abstimmen. Dass wir einander nicht nur über Worte beeinflussen, sondern über unsere gesamte Präsenz.
Und mir bleibt genau deshalb eine Frage die wichtigste:
Wie fühlt es sich an, mir gegenüberzusitzen?
Und für dich?