03/08/2026
Wie oft arbeiten wir eigentlich mit Themen, deren Ursprung gar nicht im Leben unserer Klient*innen liegt?
Aus der Praxis... (alle Namen und biographischen Daten sind so verändert, dass niemand erkennbar ist) ...
Maria erzählt, dass ihr beim Kennenlernen von Männern immer wieder Ähnliches widerfährt: Sie unterhält sich mit einem Mann, ohne – so nimmt sie es wahr – Signale zu senden, die ihm mehr Nähe erlauben würden. Trotzdem nehmen sich in überproportionaler Häufigkeit Männer Freiheiten heraus, die sie nicht möchte. Auch ihre Freundinnen beobachten das an ihr. Sie fragt sich, was sie ausstrahlt. Am liebsten würde sie gar nicht mehr weggehen.
Im Vorgespräch frage ich, wann sie das zum ersten Mal erlebt hat. Sie sagt: im frühen Erwachsenenalter. Vorher nicht.
Das Bild der Aufstellung bringt möglicherweise Klarheit. Ihre Großmutter war immer als „Flittchen" verschrien. Als junge Frau war sie in Mauthausen als Bedienstete „beschäftigt" – keine Jüdin, aber eine Widerstandskämpferin. Gegen die Übergriffe der Offiziere konnte sie sich kaum wehren. Ihre einzige Strategie, unbeschadet herauszukommen, war es, sich „nett" gegenüber den Offizieren zu verhalten. Das hat sie enorm viel Kraft gekostet. Erst als in der Aufstellung klar wurde, dass das ihre einzige Überlebensstrategie war, und sie dafür Achtung erfuhr, entspannte sich das Feld – und sie kam wieder in ihre Kraft. Die Verstrickung zwischen Maria und ihrer Großmutter konnte sich von Unterwürfigkeit in Kraft verwandeln.
Einige Wochen später schrieb mir Maria: Sie trete mit einer ganz anderen Stärke auf, sei wieder gerne unterwegs – und habe auch einen sehr netten Mann kennengelernt.
In der Praxis begegnen uns immer wieder Dynamiken,
die sich nicht vollständig aus der aktuellen Biografie erklären lassen.
Wiederkehrende Muster.
Unklare emotionale Reaktionen.
Tiefe Loyalitäten, die schwer einzuordnen sind.
Eine mögliche Perspektive:
👉 transgenerationale Prägungen
Erfahrungen wie Krieg, Verlust, Vertreibung oder frühe Trennungen
können über Generationen hinweg nachwirken –
nicht immer sichtbar, aber oft spürbar.
Gleichzeitig braucht es hier besondere Sorgfalt.
Nicht jede Dynamik ist automatisch „transgenerational".
Und nicht jede Hypothese ist hilfreich.
Die zentrale Frage ist für mich dabei immer:
👉 Was zeigt sich im Prozess – und wie darf vorsichtig sichtbar werden, was in der Tiefe wirkt?
In unserer Ausbildung geht es deshalb auch darum,
diese Unterschiede wahrnehmen zu lernen
und Prozesse stabilisierend zu begleiten.
👉 Wie gehst du mit solchen Dynamiken in deiner Arbeit um?
In meiner Fortbildung lernst du, in deiner Präsenz zu bleiben und den Raum zu halten – ohne früh zu interpretieren.
Start im Februar 2027 – in sechs Modulen, die nicht nur Wissen vermitteln, sondern einen echten Entwicklungsraum schaffen.
Alle Infos findest du hier: 👉 www.ifare.at/fortbildung
Ich freue mich auf alle, die spüren, dass genau das ihr nächster Schritt sein könnte. 💬