09/06/2026
Aktuell verhandelt der Physiotherapieverband Physioswiss gemeinsam mit den Tarifpartnern die neue KVG-Tarifstruktur, die voraussichtlich ab 2027 eingeführt werden soll.
Die Reform wird als grosser Fortschritt für die Physiotherapie präsentiert.
Positiv ist, dass neue Leistungen wie Sturzprävention, Hippotherapie oder robotikgestützte Rehabilitation künftig berücksichtigt werden und die Tarifstruktur moderner wird.
Trotzdem stelle ich mir die Frage, ob diese Reform die Realität aller Physiotherapiepraxen tatsächlich angemessen abbildet.
Die neue Tarifstruktur wurde unter dem Prinzip der Kostenneutralität entwickelt. Gleichzeitig sind die zukünftigen Taxpunktwerte bis heute nicht abschliessend verhandelt. Damit bleibt offen, welche wirtschaftlichen Auswirkungen die Reform tatsächlich haben wird.
Besonders kritisch sehe ich, dass gewisse Leistungsbereiche tarifarisch aufgewertet werden, während andere hochspezialisierte Tätigkeiten, die erhebliche Investitionen in Weiterbildung, Infrastruktur und objektive Outcome-Messungen erfordern, weiterhin kaum berücksichtigt werden.
In unserer Praxis investieren wir täglich in:
• objektive Kraftdiagnostik (Humac Norm, isometrische Kraftmessungen)
• Videoanalysen
• evidenzbasierte Trainingssteuerung
• Rehabilitation von Menschen mit Amputationen
• kontinuierliche Weiterbildung
Zusätzlich investieren wir bewusst in unser Team. Wir fördern Weiterbildungen, unterstützen Spezialisierungen und bezahlen faire Löhne, weil Qualität nicht zufällig entsteht.
Dennoch habe ich den Eindruck, dass das neue Tarifsystem vor allem Leistungen bewertet – nicht aber die Qualität, die Spezialisierung oder die nachweisbaren Behandlungsergebnisse dahinter.
Dabei profitieren letztlich nicht die Praxen von diesen Investitionen, sondern die Patientinnen und Patienten sowie das Gesundheitssystem insgesamt.
Deshalb frage ich mich:
👉 Berücksichtigt die neue Tarifstruktur ausreichend jene Praxen, die konsequent in Qualität, Weiterbildung und Innovation investieren?
👉 Wird Spezialisierung in Zukunft angemessen anerkannt?
👉 Verfügt unsere Berufsgruppe über genügend politische und strategische Durchsetzungskraft, um diese Interessen in den laufenden Verhandlungen wirksam zu vertreten?
Ich bin überzeugt, dass die Zukunft der Physiotherapie nicht allein von neuen Tarifpositionen abhängt.
Entscheidend wird sein, ob Qualität, Spezialisierung, Innovation und messbare Therapieergebnisse künftig tatsächlich einen Wert haben.
Physio140 fordert einen Tarif, der pro Physiotherapeutin oder Physiotherapeut einen Bruttoumsatz von CHF 140.– pro Stunde ermöglicht. Gib der Physiotherapie deine Stimme und werde aktiv! Was du tun kannst, erfährst du hier.