26/06/2026
Normale Brillenwerte bedeuten nicht immer normales .
Bei wird häufig erst erkannt, wenn die Fernsicht schlechter wird oder bei der Messung bereits Minuswerte auftreten.
Doch das Auge kann sich schon vorher auffällig entwickeln.
Die Refraktion, also der gemessene Brillenwert, entsteht aus dem Zusammenspiel von Augenlänge, Hornhaut und Augenlinse. Eine eher flache Hornhaut kann ein bereits längeres Auge teilweise optisch ausgleichen. Die Refraktion erscheint dann noch unauffällig, obwohl die biometrische Entwicklung genauer beobachtet werden sollte.
[Tideman et al., 2018; Sankaridurg et al., 2025]
Das anonymisierte Beispiel aus unserer Praxis zeigt genau diese Situation:
Die Sehschärfe und die Refraktionswerte waren zunächst weitgehend unauffällig. Die Messung der axialen Augenlänge, der Hornhautkrümmung und die ausgeprägte familiäre Belastung ergaben jedoch ein relevantes Myopierisiko.
Darum umfasst ein sorgfältiges Myopie-Screening bei Kindern mehr als einen Sehtest:
• Refraktion unter Zykloplegie
• Messung der axialen Augenlänge
• Beurteilung der Hornhautkrümmung und des Verhältnisses von Augenlänge zu Hornhautradius
• Alter und bisherige Entwicklung
• familiäre Myopie
• Verlaufskontrollen des Augenwachstums
[International Myopia Institute, 2019 und 2025; Zadnik et al., 2015]
Besonders wichtig ist der Verlauf. Eine beschleunigte Zunahme der Augenlänge kann dem Auftreten einer manifesten Kurzsichtigkeit vorausgehen. In einer europäischen Kohorte entwickelten Kinder mit deutlich beschleunigtem axialem Wachstum wesentlich häufiger eine Myopie als Kinder mit stabilem altersbezogenem Wachstum.
[Tideman et al., 2018]
Je früher eine beginnende oder rasch fortschreitende Myopie erkannt wird, desto früher können sinnvolle präventive Massnahmen, regelmässige Kontrollen und bei klarer Indikation eine evidenzbasierte Myopiekontrolle besprochen werden.
Wir messen bei Kindern deshalb nicht nur, wie gut sie heute sehen. Wir beurteilen auch, wie ihre Augen wachsen.