Alain Meyer GmbH

Alain Meyer GmbH Psychologe - Sportpsychologe - Hypnosystemischer Coach M.Sc.

Sport Psychology, MAS Performance Coaching - works with Professional/Elite Athlets and Business Leaders

Die Liebe zum SpielDas grüne, kühle Seewasser spült die Hitze des Tages weg. Mein Körper fühlt sich leicht an in meinem ...
05/07/2026

Die Liebe zum Spiel

Das grüne, kühle Seewasser spült die Hitze des Tages weg. Mein Körper fühlt sich leicht an in meinem nassen Lieblingselement. Ich trockne mich nicht ab, sondern lasse die Seewassertropfen ihren eigenen Weg über die Haut und langsam in die warme Sommerluft finden.

Erfrischt und erfüllt spaziere ich zurück zum Haus. Es ist Sommer. Weltmeisterschafts-Sommer. Frankreich spielt heute Abend.

Mit Frankreich kommen Erinnerungen auf. Mexiko 1986. Ich sehe mich als kleiner Junge mit dem Tango-Ball in der Hand, den Azteca hatte ich erst nach der WM in meinen Händen gehalten. Lächelnd, unbeschwert und spielerisch. Ich höre meine Mutter lachen. Mein Grossvater schaut sie mit einem warmen Blick an. Ich rieche den Grillduft und spüre den leichten Wind an meinen nackten Beinen.

Ich werde nostalgisch. Ich sehe mich im blauen Frankreich-Trikot. Damals spielten Platini, Bats, Tigana oder Battiston. Heute heissen sie Mbappé, Olise, Dembélé oder Doué. Die Namen haben sich verändert. Das Gefühl ist geblieben.
Die Liebe zum Spiel. Zum Fussball.

Er begleitet mich, solange ich denken kann. Er ist Beruf geworden und trotzdem Leidenschaft geblieben. Spieler kommen und gehen. Mannschaften verändern sich. Ich selbst werde älter. Wie bei Frankreich gibt es auch in meinem Leben Phasen, die sich leicht und stimmig anfühlen. Und dann gibt es Zeiten, die schwer sind. Zeiten, die ich nicht verstehe und die mich herausfordern.

Es gibt aber eine Konstante. Dieses Gefühl, das bleibt.
Die Geschichten im Vorfeld. Die Vorfreude auf den Anpfiff. Die Freude am Spiel. Die Hoffnung, dass mir der Fussball wieder einmal etwas über das Leben erzählt.

Der Schiedsrichter pfeift das Spiel an. Ich lehne mich zurück, freue mich auf einen schönen Fussballabend und merke schon nach wenigen Minuten, dass dieser Abend anders wird.

Paraguay verfolgt einen anderen Matchplan. Viele Unterbrüche. Viele Provokationen. Kleine Fouls. Diskussionen. Immer wieder der Versuch, Frankreich aus dem eigenen Rhythmus zu bringen. Aus der Freude und aus dem Spiel.

Mein romantisches Fussballherz leidet. So habe ich mich nicht in den Fussball verliebt.

Wie so oft beobachte ich nicht nur das Spiel. Ich beobachte die Menschen. Die Gesichter. Die Körpersprache. Die Blicke nach den Fouls und Provokationen. Die Kommunikation innerhalb der Mannschaft.

Mich interessiert, was in den Köpfen passiert. Wie gelingt es einem Spieler und einer Mannschaft, bei sich zu bleiben, wenn der Gegner alles dafür tut, sie aus dem Konzept zu bringen?
Die Antwort ist für mich offensichtlich. Frankreich hat nicht nur einen taktischen Plan. Frankreich hat auch einen mentalen Plan. Natürlich lassen sich die Spieler provozieren. Natürlich kochen Emotionen hoch. Das ist menschlich.

Gleichzeitig sehe ich ein Lächeln, eine Hand auf der Schulter und kurze Blickkontakte. Ein Spieler, der den anderen zurückholt. Zurück zur Aufgabe. Zurück zum Team. Zurück zum nächsten Ball. Zurück zur nächsten Aktion.

Ich verfolge die französische Nationalmannschaft schon länger auch auf den sozialen Medien. Dort sehe ich keine unnahbaren Superstars. Ich sehe einen Haufen hoch talentierter Fussballer, die sich selbst nicht zu ernst nehmen. Sie tanzen. Sie lachen. Sie machen Witze. Sie geniessen den Moment und wirken manchmal wie eine Gruppe von Freunden auf einer Schulreise.

Deshalb habe ich ein so gutes Gefühl, wenn es um die Tricolore geht. Neben ihrem fussballerischen Wahnsinn ist genau das vielleicht ihre grösste Stärke.
Ihre Fähigkeit, sich die Freude am Spiel zu bewahren.
Je länger ich zuschaue, desto mehr merke ich, dass mich gar nicht das Resultat beschäftigt.

Mich fasziniert eine Haltung.
Wie oft verlieren wir im Leben diese Leichtigkeit? Wie oft lassen wir uns von Menschen provozieren, von Schwierigkeiten aus der Ruhe bringen oder von unseren eigenen Gedanken gefangen nehmen?

Für mich besteht mentale Stärke gar nicht darin, nie aus dem Gleichgewicht zu geraten. Vielmehr besteht sie darin, den Weg zurückzufinden. Zurück zu dem, was uns wichtig ist. Zurück zu unseren Werten. Zurück zu unseren Stärken. Zurück zu unserer Freude. Zurück zu dem, was wir lieben.

Nach dem Schlusspfiff gibt es keinen Handschlag. Ein Teil von mir hätte sich das anders gewünscht. Gleichzeitig kann ich Mbappé verstehen. Wenn ein Spiel während neunzig Minuten immer wieder an die Grenze geführt wird, brauchen Emotionen manchmal etwas Zeit.

Ich gehe mit einem guten Gefühl ins Bett. Nicht nur, weil Frankreich gewonnen hat. Sondern weil ich wieder einmal daran erinnert wurde, weshalb ich den Fussball liebe.

Für mich ist er schon lange mehr als ein Spiel. Er inspiriert mich zum Schreiben und hält mir den Spiegel vor. Er erinnert mich daran, wer ich sein möchte, wenn das Leben versucht, mich aus meinem eigenen Spiel zu bringen.

Ich weiss, dass ich morgen Zeit haben werde, über diesen Sommerabend zu schreiben.
Und wer weiss …
Vielleicht, wenn ich Glück habe, werde ich in vierzig Jahren an diesen Sommerabend 2026 zurückdenken.
Etwas müder und langsamer. Vielleicht auch etwas weiser.
Dann werde ich mit einem sanften Lächeln über meine vom Leben gezeichnete Haut streichen und an den kleinen Jungen mit dem Tango-Ball an der Weltmeisterschaft 1986 denken.

An den erwachsenen Mann im Sommer 2026. Der an einem warmen Sommerabend in den See springt und sich vom Wasser tragen lässt. Der danach nach Hause geht, Frankreich schaut und versucht, das Leben ein kleines bisschen besser zu verstehen.
Und vielleicht werde ich erkennen, dass sich gar nicht so viel verändert hat.

Dass der kleine Junge mit dem Tango-Ball nie ganz verschwunden ist. Dass er einfach älter geworden ist und eigentlich nur eines versucht hat:

Die Liebe zum Spiel zu bewahren.

Was passiert, wenn wir auf dem Weg zu Leistung, Verantwortung und Erfolg einen wichtigen Teil von uns verlieren?In diese...
23/01/2026

Was passiert, wenn wir auf dem Weg zu Leistung, Verantwortung und Erfolg einen wichtigen Teil von uns verlieren?

In diesem Blog schreibe ich über Fantasie, innere Bilder und den Jungen, der einmal träumte – auf dem Fussballplatz und im Leben.

Und darüber, warum genau diese innere Welt ein entscheidender Faktor für Orientierung, Selbstführung und mentale Stärke ist.

Es ist ein persönlicher Text von mir – für Sportler:innen, Führungskräfte und alle, die spüren, dass Leistung ohne Verbindung schwierig wird.

Eine Reise zurück in meine kindliche Fantasie, auf staubige Fussballplätze und in grosse Träume. Zwischen Vorbildern, Adrenalin und ersten Rollen erzähle ich, wie meine Träume leiser wurden – und was geschieht, wenn wir unser früheres Ich wieder an die Hand nehmen. Eine Geschichte über Vert...

Liebe Ma,ganz ehrlich: Diese Weihnachts- und Neujahrszeit ist nicht meine Lieblingszeit. Du hast das immer gespürt, scho...
01/01/2026

Liebe Ma,

ganz ehrlich: Diese Weihnachts- und Neujahrszeit ist nicht meine Lieblingszeit. Du hast das immer gespürt, schon als du noch da warst. Es ist mir nie leichtgefallen, auf Knopfdruck fröhlich zu sein, nur weil es von mir erwartet wurde.

Und trotzdem hatten wir zusammen – und habe ich auch heute – immer wieder schöne Tage. Weil es um Verbundenheit, Wärme und Ruhe geht. Etwas, das mir im Alltag nicht immer gelingt.

Ich habe gelernt, dass ich diese Zeit nicht lieben muss. Ich darf sie aber ganz persönlich geniessen – ohne Regeln und ohne Erwartungen. Ich darf so feiern, wie es für mich stimmig ist. Und ich darf mit diesen Tagen Frieden schliessen. Denn trotz allem schenken sie Ruhe, Verbundenheit und ein Gefühl von Geborgenheit.

Gerade gestern habe ich dieses Foto von dir erhalten. Mein Bruder hat es mir in einem Album gebracht. Ich habe darin geblättert und all die Erinnerungen an dich und an mich gesehen. Es war, als hätte sich ein Raum geöffnet.

Dieser Moment hat mir gezeigt, wie wichtig Erinnern ist. Dass wir die dunklen Räume in uns hin und wieder durchleuchten dürfen. Die Türen öffnen und frische Luft hineinlassen.

Denn wenn wir diese Räume zu lange geschlossen halten, können Erinnerungen langsam verblassen. Und irgendwann betreten wir diese Zimmer vielleicht gar nicht mehr.

Vielleicht war es kein Zufall, dass dieses Album gerade gestern in meinen Händen lag – kurz vor deinem Todestag. Es hat mich daran erinnert, dass Erinnern auch Arbeit sein darf. Dass Erinnerung Wiederholung braucht.

Ich möchte diese Räume nicht vergessen. Und nicht zu lange dunkel lassen.
Ich möchte immer wieder die Fenster öffnen, Licht und frische Luft hineinlassen.

Ich weiss, du mochtest es nie, wenn ich leide oder zu viele Tränen vergiesse. Und trotzdem will ich diese Zimmer nicht verschliessen. Ich werde die Türen immer wieder öffnen.

Und wenn mir dabei ein eisiger Windstoss entgegenkommt und es schwer wird, dann wird mich Alma, meine Frau, in die Arme nehmen und mir Wärme schenken. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass auch du in diesen Momenten mit einem sanften Lächeln deinen Mantel der Wärme behutsam über uns legst.

Nicht nur höher, weiter, schneller. Sondern stimmiger.Der letzte Tag im Jahr. Es ist Zeit, innezuhalten, die Dinge viell...
31/12/2025

Nicht nur höher, weiter, schneller. Sondern stimmiger.

Der letzte Tag im Jahr. Es ist Zeit, innezuhalten, die Dinge vielleicht etwas langsamer anzugehen. Glücklich, aber auch ein wenig melancholisch blicken wir auf Menschen, Augenblicke und Erlebnisse zurück. Gleichzeitig richtet sich der Blick nach vorne, auf ein neues Jahr – und fast automatisch beginnen wir wieder zu planen. Und damit tauchen sie auf: unsere guten Vorsätze. Mehr Disziplin, mehr Härte, mehr Fokus, mehr Durchhalten, mehr Routinen. Fast so, als müssten wir einfach noch etwas geplanter und strenger mit uns selbst werden, damit wir endlich all unsere Ziele erreichen.

Ich verstehe diesen Impuls gut. Disziplin ist wichtig. Fokus auch. Regelmässigkeit und Struktur ebenso. Und trotzdem habe ich in den letzten Jahren etwas Entscheidendes gelernt: Disziplin allein trägt uns nicht mehr.

Die Spitzensportler:innen und Führungskräfte, die ich begleiten darf und die extrem leistungsbereit sind, haben etwas gemeinsam. Wenn sie ihre Ziele erreichen und dabei gesund, klar und wirksam bleiben, verstehen sie Leistung nicht nur als etwas, das nach oben geht, sondern auch nach innen. Leistung entsteht nicht allein aus Kontrolle, sondern aus innerer Stabilität, Orientierung und der Fähigkeit, sich selbst gut zu führen.

Deshalb frage ich heute weniger: Was willst du erreichen? Und deutlich öfter: Wie willst du unterwegs sein? Wie willst du dich fühlen, wenn es schwierig wird? Was trägt dich, wenn Kontrolle nicht mehr reicht? Diese Fragen verändern den Blick – weg vom reinen Funktionieren, hin zu einer Form von Leistung, die sich stimmig anfühlt und langfristig trägt.

Gleichzeitig erlebe ich eine enorme Flut an Coaching-Methoden, Programmen und Versprechen. Atemtechniken, Routinen, Mindset-Hacks. Vieles davon ist nicht falsch. Aber Tools ohne Haltung bleiben leer. Ein Werkzeug wirkt nur so gut wie die innere Beziehung, aus der es angewendet wird – im Sport, in der Führung und im eigenen Leben.

Wenn ich heute mit Menschen arbeite, geht es deshalb selten um „mehr“. Es geht um Klarheit, um innere Stabilität und um Selbstführung. Für mich heisst Selbstführung, den eigenen Zustand wahrzunehmen, Spannungen zu regulieren statt sie zu übergehen und mit einer gewissen inneren Distanz die nächsten Schritte zu planen, um auch in anspruchsvollen Situationen handlungsfähig zu bleiben.

Vielleicht ist das wichtigste Ziel für das neue Jahr deshalb nicht, höher, weiter oder schneller zu kommen. Sondern stimmiger zu werden. Stimmiger mit dir selbst. Stimmiger mit dem, was dir wirklich wichtig ist. Stimmiger in der Art, wie du Leistung verstehst und lebst. Und meine Erfahrung zeigt: Wenn Menschen in diese Richtung arbeiten, besteht durchaus die Möglichkeit, dass sie ihre Ziele nicht nur erreichen, sondern sogar übertreffen.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen für die kommenden Abenteuer alles Gute und ein neues Jahr mit Haltung, Verbundenheit und Stimmigkeit.

Es gibt jetzt einen Blog auf meiner Webseite - und der erste Beitrag ist live! „Der Profi und der Mexikaner“ ist eine kl...
17/12/2025

Es gibt jetzt einen Blog auf meiner Webseite - und der erste Beitrag ist live!

„Der Profi und der Mexikaner“ ist eine kleine, wirkungsvolle Geschichte über Perspektiven, Präsenz und das Ganze im Menschen.

Ich freue mich auf Leser und Feedback.. 😊

Ein persönlicher Weg vom dauernden Leistungsstreben hin zu mehr Freude, Genuss und Verbundenheit: Alain entdeckt neben seinem inneren „Profi“ auch den „Mexikaner“ in sich – eine Seite, die Ruhe, Präsenz und Menschlichkeit erlaubt. Eine berührende Geschichte darüber, wie beides zusammen...

happy days♥️
15/08/2025

happy days♥️

Fussball-Europameisterschaft 2025Volle Stadien. Fangesänge, die durch die Strassen hallen.Fanmärsche, die sich in mein G...
10/08/2025

Fussball-Europameisterschaft 2025

Volle Stadien. Fangesänge, die durch die Strassen hallen.
Fanmärsche, die sich in mein Gedächtnis brennen – wie ein rotes, unendliches Meer, das sich in sanften Wellenbewegungen durch die Stadt zieht.
Spielerinnen mit einer nassen Schicht über den Augen – eine Tränenschicht aus Fassungslosigkeit, Freude und tiefer Dankbarkeit.
Und ein Sportpsychologe, der nicht ahnt, dass er in diesen Wochen etwas Historisches erlebt. Etwas von unschätzbarem, ganz persönlichem Wert – das ihn aus der Komfortzone lotst und in seinem Tun wachsen lässt.

Und dann, nach fünf Wochen… dreht jemand langsam den Lautstärkeregler runter.
Erst etwas leiser. Dann völlig still.
Die Menschen sind weg. Ich stehe allein auf dem Platz.
Doch in meinem Kopf wehrt sich etwas gegen diesen Regler.
Mein Antreiber will weitermachen – die Seite, der ich viel zu verdanken habe, die nie genug hat und immer besser werden will. Der Antreiber weiss genau, wie privilegiert ich bin, mit so vielen verschiedenen Top-Athlet:innen zu arbeiten. Er liebt diesen Job. Für ihn gibt es kein «Pause».

Okay, denke ich. Nach einigen Tagen Pause nach dem Turnier gehe ich noch ein Stück mit ihm. Es stehen viele schöne Sitzungen an – mit meinen Klient:innen, mit denen ich eine gute und vertraute Zusammenarbeit pflege.

Aber jetzt, etwas mehr als drei Wochen nach der Europameisterschaft im eigenen Land – auf dem Weg in die Ferien – drehe ich den Regler langsam und stetig in eine andere Richtung.
Ich rufe den Geniesser zu mir.
Er kommt barfuss, grinst, legt mir eine Hand auf die Schulter. Sagt nichts. Zeigt nur zum Meer.
Er weiss, was jetzt zählt:
Die Sonne auf der Haut spüren.
Die Füsse tief in warmem Sand vergraben.
Den Duft von Sonnencreme einatmen, gemischt mit einer salzigen Meeresbrise.
Mit meiner Frau ins blaue Wasser springen, lachen, untertauchen, wieder auftauchen.
Einen tiefen Atemzug nehmen, das Salz auf den Lippen schmecken.
Später liege ich im Sand, mit einem Buch in der Hand, da höre ich ihn wieder – den Antreiber.
«Du könntest doch noch… das und das…» flüstert er.
Der Geniesser und ich schauen ihn an, sanft. Ein Auge halb geschlossen vom Sonnenschein, der sich im Meer spiegelt.
Mit leiser, aber bestimmter Stimme sage ich:
«Du bist mir wichtig. Ich brauche dich. Und genau deshalb darfst du jetzt durchatmen. Für einige Zeit gibst du jetzt den Spielplatz ab, rückst ein wenig zur Seite. Vielleicht baust du eine Sandburg – schön, aber zum Wegspülen bestimmt. Und schau dir deine Sandburg gut an. Sie ist nicht für die Zukunft bestimmt. Sie ist für heute. Für dich. Für diesen Moment.»

Ich lehne mich zurück, sehe den Antreiber und den Geniesser. Wir sitzen harmonisch zusammen am Strand – mit weichen Gesichtszügen, einem entspannten Gefühl und einem erfüllten Lächeln.

Ich schliesse die Augen. Das Meer rauscht. Die Sonne wärmt mein Gesicht. Und für einen Moment ist alles genau richtig.

Hinter den Kulissen der Fussball-EM der Frauen – Mentale Stärke als TeamleistungEinblicke in meine Arbeit als Sportpsych...
28/07/2025

Hinter den Kulissen der Fussball-EM der Frauen – Mentale Stärke als Teamleistung

Einblicke in meine Arbeit als Sportpsychologe des Schweizer-Frauen-Nationalteams an der Fussball-Europameisterschaft

Vier Wochen Europameisterschaft. Ein historisches Turnier im eigenen Land. Überfüllte Stadien, Gänsehautmomente, ein Team, das über sich hinausgewachsen ist – und mittendrin durfte ich als Sportpsychologe ein Teil davon sein. Es war intensiv, bewegend, fordernd, und: es war unglaublich bereichernd.
Heute, mit etwas Abstand und einem klareren Blick auf das Erlebte, bin ich einfach nur dankbar. Und ich möchte diesen Moment nutzen, um einen Einblick zu geben, was in den vergangenen Monaten und Wochen aus sportpsychologischer Sicht geschehen ist. Denn mentale Stärke passiert nicht zufällig. Sie ist das Ergebnis von Vertrauen, bewusster Arbeit – und gutem Timing.

Mehr als nur Spielvorbereitung

Was viele nicht sehen: Die sportpsychologische Arbeit beginnt lange vor dem Anpfiff. Bereits ein Jahr vor dem Turnier haben wir begonnen, mit der Gruppe systematisch an mentalen Themen zu arbeiten. In Gruppensettings, in Einzelgesprächen, mit kurzen Videoimpulsen und intensiven Reflexionen. Wir haben nicht nur „Techniken“ vermittelt – wir haben eine gemeinsame Sprache für mentale Prozesse geschaffen. Eine Sprache, die verbindet und stärkt, gerade dann, wenn es eng wird.
Hier ein Auszug einiger Themen, die wir vertieft angeschaut haben:

•Stressmanagement: Wir haben Atemtechniken eingeführt und trainiert – von der Boxatmung bis hin zur 6-4- oder 7-4-3-Atmung. Es ging darum, in Momenten hoher Intensität den Körper in einen Zustand innerer Ruhe zu bringen. Aber auch darum, gezielt zu aktivieren, wenn Energie gefragt war. Die Atmung wurde zur inneren Ankertechnik für viele.

•Körpersprache & Selbstführung: Wie stehe ich auf dem Platz? Wie beeinflusst mein Körper mein Denken? Und umgekehrt? Welche Wirkung hat mein Auftreten auf mich selbst – und auf das Team? Wir haben uns damit beschäftigt, wie man auch durch Haltung, Gestik und Blick Präsenz erzeugt und Sicherheit ausstrahlt.

•Selbstgespräche: Wie sprechen wir mit uns selbst, wenn es schwierig wird? Sind wir ruhig, unterstützend – fast wie eine beste Freundin? Oder sind wir kritisch, hart, streng? Und wann braucht es was? Wir haben viel darüber gesprochen, wie bewusst eingesetzte Selbstgespräche helfen können, sich zu beruhigen, aber auch gezielt zu pushen. Mentale Stärke heisst nicht nur innere Ruhe, sondern manchmal auch: sich selbst wachrufen.

•Akzeptanz & Emotionsregulation: Statt unangenehme Gefühle zu verdrängen, haben wir gemeinsam Strategien entwickelt, wie wir mit Druck, Angst oder Enttäuschung umgehen können. Es ging nicht um „positives Denken“, sondern um innere Haltung. Um das Aushalten. Und das Anerkennen, dass Emotionen Teil des Spiels sind – nicht das Problem.

Mentale Geschichten – und was wir uns selbst erzählen
Ein starker Moment in der Vorbereitung war die Arbeit mit der Frage:
„Wenn es ein Top-Turnier wird – was erzählt ihr euch dann am Schluss?“
Ich habe die Spielerinnen eingeladen, sich vorzustellen, sie stünden an der Abschlussfeier. Auf der Team-Party. Im Gespräch mit den Medien. Zu Hause bei ihren Familien.
Was erzählen sie dann? Welche Geschichte über diese Europameisterschaft tragen sie in sich?
Diese Fragen haben etwas in Bewegung gebracht. Sie haben Bilder erzeugt. Emotionen. Orientierung.
Denn mentale Geschichten sind nicht einfach Fantasie – sie sind eine Form der inneren Führung. Wer weiss, was er oder sie erzählen möchte, beginnt, den Weg dorthin bewusster zu gestalten.

Ich bin überzeugt: Diese Reflexion – individuell und im Team – war unter vielem anderem ein entscheidender Impuls. Die Spielerinnen hatten ein inneres Zielbild. Nicht nur sportlich, sondern menschlich. Und das hat Einfluss. Auf die Haltung. Auf den Umgang miteinander. Auf die Tiefe der Reise.

Impulse, die wirken – auch wenn man sie nicht sieht

Während des Turniers habe ich mich bewusst zurückgenommen. Ich war da, präsent, beobachtend – aber nicht dauernd intervenierend. Denn meine Überzeugung ist: Wenn man im Vorfeld gut arbeitet, braucht es im Turnier keine ständige „Psychologie“. Dann tragen die Menschen sich selbst.
Genau das ist geschehen. Ich durfte miterleben, wie das Team über sich hinauswächst. Wie Spielerinnen Verantwortung füreinander übernehmen. Wie schwierige Situationen nicht unter den Teppich gekehrt, sondern besprochen wurden – ohne dass ich jedes Mal gefragt werden musste. Ich glaube, diese Reife ist das grösste Kompliment für unsere gemeinsame Arbeit im Vorfeld.
Und sie ist ein Zeichen dafür, dass mentale Stärke nicht in den Momenten entsteht, in denen sie sichtbar wird – sondern in Prozessen davor.

Und jetzt?

Jetzt, ein paar Tage nach dem Turnier, bin ich ehrlich gesagt auch etwas müde. Die letzten Wochen waren intensiv – körperlich, emotional, mental. Aber sie haben mich erfüllt. Und sie zeigen mir, wie gross das Potenzial ist, wenn psychologische Arbeit im Spitzensport nicht als „Zusatz“ verstanden wird, sondern als integrierter Teil des Erfolgs.

Ich freue mich auf das, was ist und was kommt: Die letzten Tage war ich mit dem FC St.Gallen unterwegs und haben das erste Meisterschafsspiel gegen den FC Basel erfolgreich gestaltet. In einigen Tagen begleite ich Anouk und Zoé Verge Depre an die Beachvolleyball-Europameisterschaft. Danach folgen Workshops mit Führungskräften zum Thema Selbstführung und mentale Klarheit bei der Mobiliar. Und ganz bewusst nehme ich mir auch Raum für Rückzug – für Bücher, für Bewegung, für meine Frau, unseren Hund und die Menschen, die mir guttun.
Denn auch das habe ich in den letzten Wochen nochmals gespürt: Gute Arbeit braucht Pausen. Und Balance ist kein Luxus, sondern Voraussetzung.

Fazit

Diese Europameisterschaft war für mich nicht nur ein sportlicher Höhepunkt – sie war eine Erinnerung daran, dass mentale Exzellenz nie Zufall ist. Sie entsteht dort, wo Vertrauen gelebt wird. Wo Reflexion Raum bekommt. Wo Verletzlichkeit erlaubt ist. Und wo mentale Prozesse nicht isoliert betrachtet werden, sondern als Teil eines gemeinsamen Wegs.
Ich bin stolz, Teil davon gewesen zu sein. Und ich bin dankbar für alles, was war – und für alles, was jetzt kommt.

“Life moves pretty fast. If you don’t stop and look around once in a while, you could miss it.” – Ferris BuellerHeute: V...
18/07/2025

“Life moves pretty fast. If you don’t stop and look around once in a while, you could miss it.” – Ferris Bueller

Heute: Viertelfinal.
Wir wollen es geniessen.
Wir bleiben präsent.
Alles ist möglich.

Adresse

Bahnhofstrasse 7
Biel/Bienne
2505

Benachrichtigungen

Lassen Sie sich von uns eine E-Mail senden und seien Sie der erste der Neuigkeiten und Aktionen von Alain Meyer GmbH erfährt. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht für andere Zwecke verwendet und Sie können sich jederzeit abmelden.

Die Praxis Kontaktieren

Nachricht an Alain Meyer GmbH senden:

Verknüpfungen

Teilen

Kategorie