20/05/2026
Fast ein Jahr später sitze ich hier und merke, dass ich damals etwas noch gar nicht richtig sehen konnte. Ich dachte wirklich, dass ich die 200h YTT loslassen muss und ich weiß noch genau, wie viel Angst mir das gemacht hat, weil es sich angefühlt hat, als würde ich etwas loslassen, das über so viele Jahre ein Teil von mir war und mich begleitet hat.
Und jetzt sitze ich hier manchmal und denke mir: Verrückt eigentlich, weil ich heute das Gefühl habe, dass es vielleicht nie wirklich um die Ausbildung ging und vielleicht auch nie darum, komplett aufzuhören.
Ich glaube, ich habe über viele Jahre einfach dieses Gefühl mit mir herumgetragen, alles zusammenhalten zu müssen. Und wenn ich ganz ehrlich bin, merke ich gerade erst, wie tief das eigentlich sitzt.
Ich war die Erstgeborene und ich glaube, ich war schon sehr früh daran gewöhnt, viel zu tragen, Verantwortung zu übernehmen und stark zu sein. Irgendwann macht man solche Dinge einfach automatisch und denkt gar nicht mehr darüber nach, weil sie ein Teil von einem werden und sich plötzlich ganz normal anfühlen.
Und vielleicht habe ich deshalb lange gar nicht gemerkt, dass ich diese Rolle überall mitgenommen habe. In meine Familie, in mein Business und irgendwie in mein ganzes Leben.
Gerade fühlt es sich für mich so an, als würde ich erst jetzt, mit unserem dritten Kind, langsam lernen, diese Rolle wieder abzulegen. Nicht, weil ich plötzlich nichts mehr tragen möchte, sondern weil ich merke, dass es einen Unterschied gibt zwischen Verantwortung übernehmen und das Gefühl zu haben, alles zusammenhalten zu müssen.
Wir sitzen gerade einfach viel zusammen, reden, weinen manchmal, stellen Fragen und versuchen gemeinsam herauszufinden, wie sich unser Leben und unsere Zukunft wirklich anfühlen dürfen.
Und gerade merke ich etwas, womit ich überhaupt nicht gerechnet hätte, nämlich dass es sich leichter anfühlt. Nicht perfekt und auch noch nicht fertig, aber irgendwie mehr nach uns und irgendwie auch mehr nach mir 🤍