13/06/2026
Nicht anatomisch, sondern funktionell betrachtet.
Wenn ein Hund vorne lahmt, richtet sich der Blick häufig auf die Schulter, den Ellbogen oder die Pfote. Doch die Schulter übernimmt im Bewegungsapparat eine besondere Rolle.
Während die Hüfte den Schub der Hinterhand erzeugt und überträgt, ist die Schulter ein zentrales Element für Lastaufnahme, Kraftübertragung und Bewegungskontrolle in der Vorhand.
Jeder Schritt. Jede Gewichtsverlagerung. Auch jede Kompensation. Und irgendwann kann sie sie dann an der Schulter landen.
Deshalb sehen wir in der Praxis regelmässig Hunde mit Schulterbeschwerden, bei denen die eigentliche Ursache gar nicht in der Schulter liegt. Häufig finden sich die Auslöser beispielsweise in der Hinterhand, der Hüfte, der Lendenwirbelsäule oder im lumbosakralen Übergang. Der Körper versucht diese Schmerzen „auszugleichen“. Er verlagert Belastung, verändert Bewegungsmuster und entwickelt schliesslich Kompensationen. Die Schulter muss diese zusätzlichen Kräfte oft über Wochen oder Monate auffangen.
Dadurch wird sie zum sichtbaren Problem, obwohl sie ursprünglich gar nicht die Ursache war. Genau deshalb betrachten wir orthopädische Patienten niemals isoliert. Nicht nur das schmerzhafte Gelenk ist entscheidend, sondern das gesamte Bewegungssystem.
Die entscheidende Frage lautet deshalb oft nicht: „Was stimmt mit der Schulter nicht?“
Sondern: „Warum muss die Schulter gerade mehr leisten als sie eigentlich sollte?“
Habt ihr schon einmal erlebt, dass die Ursache einer Lahmheit am Ende ganz woanders lag als ursprünglich vermutet?
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