10/08/2026
Bitteschön: ein kleiner Einblick hinter die Kulissen
Wer mich als Trauerrednerin anfragt, findet bei mir nicht nur schöne Worte. Sondern eine Begleitung, die zuhört, mitdenkt, nachfragt und auch die kleinen Dinge wahrnimmt, die leicht untergehen, wenn die eigene Welt grade stillsteht.
Die Zeitspanne nach dem Tod eines geliebten Menschen ist für Angehörige mehr als sensibel. Vielleicht kam der Tod überraschend und die Angehörigen stehen noch unter Schock. Vielleicht sind sie auch erschöpft, von wochen-, monate- oder jahrelangem Bangen, Pflegen, Kämpfen und Hoffen. Und vielleicht ist nebst der Trauer auch einfach Erleichterung da, weil das Leiden endlich vorbei ist. Auch das darf sein.
Und dann soll in dieser Ausnahmesituation eine Abschiedsfeier entstehen. Denn egal wie sich die Trauer anfühlt, meist wollen die Angehörigen dem Menschen, den sie geliebt haben, ein letztes Geschenk machen in Form einer wirklich schönen Abschiedsfeier. Eine einmalige und letzte Gelegenheit, ihn zu würdigen, sein Leben nochmals sichtbar zu machen und etwas Schönes, Individuelles für ihn zu gestalten. Etwas, das dem Menschen gerecht wird und ihm auch gefallen hätte.
Hier beginnt meine Passion:
Ich schreibe nicht einfach eine Rede oder eine Lebensgeschichte. Natürlich sind die richtigen Worte enorm wichtig, doch als Fachfrau für Rituale weiss ich, dass es noch mehr braucht, um einen Abschied erlebbar zu machen, um Ebenen in uns zu erreichen, die keine Worte brauchen. So suche ich nach einem roten Faden, nach Sinnbildern, Symbolen und Ritualen, die zu diesem einen Menschen passen. Manchmal ist es eine Blume. Ein Lied. Ein Lebensmotto. Ein Gegenstand. Ein Duft oder ein Geschmack. Und, und, und...
So durfte ich einmal das Rüeblikuchenrezept eines Verstorbenen an meine gute Back-Fee weitergeben. Der Verstorbene hatte diesen Kuchen über Jahre zu den Geburtstagen seiner Kinder und Enkel gebacken. Nach seinem Abschied sollte genau dieser wieder auf dem Tisch stehen. Nicht irgendein Rüeblikuchen, sondern seiner. Auch das kann Erinnerung und Trost sein.
Ja, hinter den Kulissen geschieht oft noch viel mehr. Wenn es gewünscht wird koordiniere ich mit Musikern, Friedhofsämter, Gastronomen, Waldbesitzer oder Hüttenvermieter. Ich richte Räume her, suche passende Dekorationen, hole vielleicht die Urne selber ab, übernehme den Gang zum Krematorium für die Angehörigen, wenn die falsche Urne bestellt wurde oder kümmere mich um weitere Dinge, an die Angehörige in diesem Moment nicht auch noch denken sollten.
Und manchmal heisst es schlicht und einfach: In die Wanderschuhe und los. Mit der Gartenschere noch einen Weg zugänglich machen, eine Efeuranke dazulegen oder selbst mit der Schaufel am Grab stehen. Nicht unbedingt das Bild, das man von einer Trauerrednerin hat – gibt es aber durchaus nicht selten.
Ein weiteres ungewöhnliches Bild entstand kürzlich in unserem Wohnzimmer, wo ich mit Leim und Schere eifrig rote Mohnblumen bastelte. Der Mohn ist das perfekte Sinnbild für eine wunderbare Frau, die ich verabschieden durfte. Nur hatten die «echten» Mohnblumen andere Pläne und wollten zur Zeit der Abschiedsfeier nicht mehr blühen. Also wird geschnitten, geklebt und ausprobiert. So lange, bis es stimmt.
Denn genau das dürfen Angehörige bei mir erwarten:
Achtsamkeit, Eigeninitiative, Kreativität und einen hohen Anspruch auch bei den Details.
Vielleicht unterscheidet mich genau das von manch klassischer Vorstellung einer Trauerrednerin:
Ich komme nicht nur, um Worte zu sprechen. Ich halte den Raum und trage mit. Ich denke über die Feier hinaus, gestalte, organisiere, improvisiere und packe an. Mit Feingefühl, Respekt, Herzblut und dem Anspruch, dass sich am Ende alles richtig und stimmig anfühlt.
Damit Angehörige sagen können: «Schöner hätten wir nicht Abschied nehmen können.»
Dann wird mir warm ums Herz und es breitet sich eine tiefe Zufriedenheit in mir aus. Dann wird aus einer Abschiedsfeier ein Abschiedsritual mit Herz.
PS: Mein "Gesamtpaket" ist übrigens auch der Grund, weshalb ich äussert selten mit nur einer Mappe unter dem Arm und mit ÖV anreisen kann.