03/06/2026
[Porträt]
« Bevor ich Pflegefachfrau wurde, arbeitete ich zwölf Jahre lang als Kosmetikerin und Masseurin. Von Anfang an hat mich dasselbe Anliegen geleitet: Menschen dabei zu helfen, sich besser zu fühlen.
Als ich in die Psychiatrie kam, stellte ich fest, dass Berührung bereits Teil der Pflege ist. Sie zeigt sich in bestimmten pflegerischen Handlungen, in der Begleitung von Patientinnen und Patienten oder in situationsgerechten Gesten der Unterstützung. Die Massage unterscheidet sich jedoch durch ihren direkteren, längeren und bewussteren Charakter. Der Körper wird dabei zu einem echten therapeutischen Vermittler: Er ermöglicht einen anderen Zugang zur Beziehung, insbesondere dann, wenn Worte schwer zu finden oder auszudrücken sind.
Im Laufe meines beruflichen Weges habe ich festgestellt, dass sich die Massage nicht auf eine reine Körperbehandlung beschränkt. Sie kann zu einem Raum für Ausdruck, emotionale Entlastung und die Wiederverbindung mit sich selbst werden. Je nach Person und Situation kann sie zur Beruhigung beitragen, körperliche und psychische Spannungen lösen, das Körperbewusstsein fördern oder auch ermöglichen, dass Gefühle, die sich schwer in Worte fassen lassen, auf andere Weise Ausdruck finden.
Bei Patientinnen und Patienten, die sich stark zurückziehen, habe ich die Massage gelegentlich als Möglichkeit genutzt, überhaupt erst in Kontakt zu treten. Die Handmassage stellt dabei oft einen einfachen und respektvollen ersten Zugang dar. Manchmal reicht diese kleine Geste aus, um eine Tür zu öffnen, die Worte nicht zu öffnen vermögen. Sie bietet eine Möglichkeit der Begegnung – ohne Wertung und ohne die Verpflichtung zu sprechen.
Berührung in der Pflege erfordert jedoch eine einwandfreie ethische Haltung. Selbst wenn es sich „nur“ um eine Handmassage handelt, wird diese stets mit dem Einverständnis der betroffenen Person angeboten, unter absoluter Wahrung ihrer Intimsphäre, und kann jederzeit beendet werden.
Heute setze ich die Massage als vollwertiges Pflegeinstrument ein: um zu beruhigen, Beziehungen aufzubauen und einen sicheren sowie wohlwollenden Raum zu schaffen. »
Neuza Riscado, Pflegefachfrau im Pool für Psychiatrie- und Psychotherapiezentrum des Spitalzentrums des französischsprachigen Wallis (CHVR)