23/07/2026
Wenn eine Klientin oder ein Klient zu mir kommt mit dem Wunsch, etwas loszulassen, dann begleite ich diesen Prozess selbstverständlich von Herzen gerne.
Was ich jedoch niemals tun würde, ist jemandem direkt oder indirekt zu vermitteln, dass er oder sie jetzt etwas oder jemanden loslassen müssste.
Und doch begegnet uns diese Botschaft immer wieder. Nicht nur im Freundeskreis, sondern auch in therapeutischen Settings. Direkt oder indirekt wird da vermittelt:
Du solltest langsam darüber hinweg sein.
Das ist doch jetzt schon Monate her.
Das Leben geht weiter.
Ich habe Menschen begleitet, die einen geliebten Angehörigen verloren haben und sich schuldig fühlten, weil sie nach einigen Monaten noch immer trauern. Früher trug man ein ganzes Jahr Schwarz. Heute scheint oft erwartet zu werden, dass wir nach wenigen Monaten wieder funktionieren.
Auch Menschen nach einer Trennung erleben häufig wenig Verständnis, wenn sie noch um das trauern, was war oder hätte sein können.
Oder es wird erwartet, dass wir alte Muster einfach mal so loslassen. Als wäre das so einfach.
Du allein entscheidest, ob du überhaupt etwas loslassen möchtest. Und du allein entscheidest, wann der Zeitpunkt dafür gekommen ist. Loslassen lässt sich nicht erzwingen. Es ist kein Schalter, den wir umlegen können. Es ist ein Prozess. Und dein System geht diesen Prozess genau in dem Tempo, das für dich richtig ist.
Wurde dir schon einmal gesagt, du müsstest etwas endlich loslassen, obwohl du innerlich nicht so weit warst?