17/09/2026
Skapulohumeraler Rhythmus: Zeit für ein Update in der Schultertherapie? 🛑🦴
In der Ausbildung haben viele von uns zwei Grundregeln gelernt:
1️⃣ Die „Setting Phase“: In den ersten 30–60° der Armhebung bleibt das Schulterblatt weitgehend ruhig.
2️⃣ Der 3:1-Rhythmus: Auf drei Teile Bewegung des Oberarms kommt ein Teil Bewegung der Skapula.
Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2025 stellt diese klassischen Vorstellungen infrage. 📊
Untersucht wurden unter anderem 3D-Bewegungsanalysen, die nicht auf oberflächenbasierten Messungen beruhten.
Die zentralen Ergebnisse:
❌ Keine echte „Setting Phase“:
Die Skapula beginnt bereits ab Beginn der Armhebung mit Aufwärtsrotation und dorsaler Kippung.
❌ Kein fixer 3:1-Rhythmus:
Das Verhältnis zwischen glenohumeraler und skapulothorakaler Bewegung variiert deutlich zwischen Personen. Die in der Meta-Analyse berichteten Mittelwerte lagen etwa zwischen 2,86:1 und 3,13:1.
📉 Nur geringe Unterschiede bei Schulterschmerz:
Bei Personen mit rotatorenmanschettenbezogenen Schulterschmerzen (RCRSP) lagen die kinematischen Werte weitgehend innerhalb der Variabilität schmerzfreier Personen.
Was bedeutet das für die Praxis?
Eine frühzeitige Bewegung der Skapula ist zunächst einmal physiologisch und kein Hinweis auf eine Dysfunktion.
Das bedeutet nicht, dass die Skapulabewegung für die Schulterfunktion irrelevant ist. Vielmehr sollten wir vorsichtig damit sein, aus einer bestimmten Bewegungsausführung oder einem vermeintlich „abweichenden“ Rhythmus direkt auf eine Pathologie zu schließen.
Statt Millimetersymmetrie und vermeintlicher „Dyskinesien“ hinterherzujagen, lohnt sich ein stärkerer Fokus auf das, was für die Patient:innen tatsächlich relevant ist:
➡️ Belastbarkeit
➡️ Kraft und Kapazität
➡️ Symptommodulation
➡️ Funktion und Teilhabe
Wisch dich durch das Karussell für die Details. ➡️
📌 Speichere dir den Beitrag als Evidence-Refresh für dein nächstes Schulter-Assessment.