19/08/2026
Krankenkassen stabilisieren – aber bitte zuerst vor der eigenen Haustür aufräumen
Es gibt Themen, die bringen uns wirklich auf die Palme. Und wenn wir den Eindruck haben, dass politische Entscheidungen zulasten der Beitragszahler und derjenigen gehen, die tagtäglich im Gesundheitswesen arbeiten, dann sind wir bereit, das öffentlich und deutlich anzusprechen.
Ja: Die gesetzlichen Krankenkassen müssen finanziell stabil bleiben. Daran besteht kein Zweifel.
Aber genau deshalb muss auch die Frage erlaubt sein: Wo wird innerhalb des Systems eigentlich Geld ausgegeben – und wofür?
Beratungskosten, Sponsoring und andere Ausgaben müssen aus unser Sicht kritisch hinterfragt werden. Wer von den Versicherten verlangt, Einsparungen und Belastungen zu akzeptieren, muss sich auch selbst an den Maßstäben von Wirtschaftlichkeit, Transparenz und Verantwortungsbewusstsein messen lassen.
Und dann kommen wir zum nächsten Punkt: der Telematikinfrastruktur (TI) im Bereich der Therapieberufe.
Seit Jahren wird über die digitale Anbindung gesprochen. Für den 1. Januar 2026 war eine entsprechende Anbindung vorgesehen. Dann wurde der Zeitplan nach hinten verschoben – nach meinem Kenntnisstand um rund 15 Monate.
Die entscheidende Frage lautet deshalb: Was passiert mit den Praxen, die sich bereits auf die ursprünglich angekündigte Umsetzung verlassen haben?
Es gibt Therapiepraxen, die bereits in die notwendige Technik investiert haben: Kartenterminal, Heilberufsausweis, Karten bzw. Komponenten für die Terminals und entsprechende Schnittstellen. Diese Investitionen wurden nicht aus Spaß getätigt, sondern weil eine verbindliche Einführung angekündigt war.
Und nun?
Der ursprünglich vorgesehene Starttermin ist verschoben. Gleichzeitig entstehen für Praxen weiterhin laufende Kosten für technische Komponenten und Dienste. Nach unserer Kenntnis können sich diese Kosten auf mehr als 200 Euro monatlich belaufen.
Natürlich kann man sagen: „Dann hätte man eben warten sollen.“
Ja, man hätte warten können.
Aber muss eine Praxis das wirklich tun, wenn ein konkreter Einführungstermin angekündigt wurde und die gesetzlichen bzw. organisatorischen Rahmenbedingungen eine Vorbereitung erforderlich machen?
Und genau hier liegt für mich der eigentliche Skandal – nicht in einer einzelnen Ausgabe, sondern in der Systematik dahinter.
Wenn Praxen aufgrund politischer und organisatorischer Vorgaben investieren, anschließend der Zeitplan verschoben wird und trotzdem laufende Kosten entstehen, stellt sich zwangsläufig die Frage:
Wer trägt diese Kosten am Ende?
Wenn entsprechende Ausgaben über Vergütungen bzw. Finanzierungsmechanismen der gesetzlichen Krankenversicherung mitgetragen werden, sind es letztlich die Beitragsmittel, die dafür eingesetzt werden. Und damit betrifft es nicht nur einzelne Praxen – sondern indirekt auch die Beitragszahler.
Das ist für uns schwer nachvollziehbar.
Auf der einen Seite wird über ein Krankenkassenstabilisierungsgesetz, Einsparungen und finanzielle Belastungen gesprochen.
Auf der anderen Seite entstehen Kosten durch Prozesse, deren Umsetzung sich anschließend erheblich verzögert.
Das passt für uns nicht zusammen.
Ich sagen ausdrücklich: Das ist unsere Bewertung und unsere Kritik. Aber diese Kritik muss erlaubt sein.
Und deshalb unser Appell an diejenigen, die Verantwortung tragen:
Schauen Sie endlich genauer hin.
Nicht nur bei den Versicherten.
Nicht nur bei den Leistungserbringern.
Nicht nur dort, wo Einsparungen politisch einfach durchzusetzen sind.
Sondern auch im eigenen Verantwortungsbereich.
Wenn wir über Stabilität im Gesundheitswesen sprechen, dann muss zuerst geklärt werden, wo Geld tatsächlich sinnvoll eingesetzt wird und wo durch Fehlplanung, Verzögerungen oder unnötige Doppelstrukturen Kosten entstehen.
Die Menschen, die dieses System über ihre Beiträge finanzieren, haben ein Recht darauf, dass mit ihrem Geld verantwortungsvoll umgegangen wird.
Und diejenigen, die Entscheidungen treffen, haben eine Verantwortung.
Nehmt diese Verantwortung endlich ernst.
Denn der Unmut in der Bevölkerung kommt nicht aus dem Nichts.
Wer ständig von den Menschen verlangt, Verständnis für steigende Kosten, Einsparungen und Belastungen aufzubringen, darf sich nicht wundern, wenn irgendwann die Frage gestellt wird:
„Und wann fangt ihr eigentlich bei euch selbst an?“