30/08/2026
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Spirituelle Praxis zeigt sich nicht allein auf der Yogamatte.
Sie zeigt sich im Alltag. In unseren Begegnungen mit anderen Menschen. Und in den Momenten, in denen wir entscheiden, ob wir wegschauen oder hinschauen. Ob wir schweigen oder unsere Stimme erheben.
Vor einigen Wochen hatte ich in Oberstdorf eine Begegnung mit einer Kellnerin, die mir bis heute in Erinnerung geblieben ist.
Mein Mann und ich saßen beim Essen, als ihr an diesem Abend mehrfach etwas herunterfiel.
Irgendwann ärgerte sie sich so sehr über sich selbst, dass sie sagte:
„Ich bin heute zu nichts zu gebrauchen.“
Einige Menschen schauten verlegen weg.
Und auch für mich wäre es einfacher gewesen, einfach nichts zu sagen.
Doch ich drehte mich zu ihr um und sagte:
„Wissen Sie, was mir von Ihnen heute Abend in Erinnerung bleiben wird? Wie aufmerksam und zuvorkommend Sie meinen Mann und mich bedient haben. Und dafür möchte ich mich bei Ihnen bedanken.“
Sie lächelte und bedankte sich.
Und ich konnte an ihrem Gesicht und an ihrer ganzen Körperhaltung sehen, dass diese Worte sie wirklich tief berührt hatten.
Das wiederum hat auch mich berührt.
Und ich hoffe, dass in diesem Moment vielleicht ein kleiner positiver Samen gesät wurde.
Dass sie sich, wenn sie das nächste Mal so über sich denkt oder spricht, vielleicht an diese Begegnung erinnert.
Daran, dass wir selbst oft viel strenger mit uns sind, als die Menschen um uns herum es tatsächlich sind.
Für mich ist genau das gelebte Praxis.
Hinsehen, wenn andere wegschauen.
Zuhören.
Und den Mut haben, etwas Wertschätzendes auszusprechen, wenn es in diesem Moment vielleicht genau das ist, was ein Mensch hören darf.
Denn unsere innere Arbeit zeigt sich nicht allein in dem, was wir auf der Yogamatte erleben.
Sie zeigt sich darin, ob wir das, was wir dort erfahren und lernen, in unseren Alltag tragen.
Darin, wie wir anderen Menschen begegnen.
Und vielleicht auch darin, ob wir bereit sind, einem anderen Menschen für einen Moment einen liebevolleren Blick auf sich selbst zu ermöglichen.
Denn gelebte Praxis beginnt dort, wo Wegschauen endet.
Von Herzen, Jenny🔹