17/09/2026
Für: 🩺 Tiermediziner*innen
🍄 Pilzvergiftung: Was tun?
Bei Pilzvergiftungen sind vor allem das Toxin, dessen Latenzzeit und das betroffene Organsystem entscheidend. Die optimale Therapie stellt daher eine Kombination aus Dekontaminationsmaßnahmen und einer auf das jeweilige Toxin abgestimmten Supportivtherapie dar.
1️⃣ Dekontamination:
Bei frischer Aufnahme kann, abhängig von Spezies, klinischem Zustand und Zeitpunkt, eine gastrointestinale Dekontamination erwogen werden. Die Indikation für Emesis und Aktivkohle sollte individuell gestellt werden.
2️⃣ Supportive Therapiemaßnahmen:
🫀 Kreislauf/Flüssigkeitshaushalt:
Flüssigkeitstherapie und Kreislaufstabilisierung nach Bedarf.
🧠 ZNS-Symptome:
Bei Tremor, Ataxie, Erregung oder Krampfanfällen steht die symptomatische Kontrolle im Vordergrund.
💧 Hepatotoxizität – z. B. Amanitine:
Frühzeitige und intensive Überwachung der Leberfunktion ist entscheidend. Bei schwerem Verlauf müssen Hypoglykämie, Gerinnungsstörungen und hepatische Enzephalopathie berücksichtigt werden.
🧪 Nephrotoxizität – z. B. Orellanin:
Frühzeitiges Monitoring von Nierenparametern und konsequente Unterstützung der Nierenfunktion sind zentral. Orellanin kann erst Tage nach der Aufnahme zu klinisch relevanter Nierenschädigung führen.
⚠️ Monitoring nicht zu früh beenden!
Eine zunächst unauffällige Untersuchung schließt eine schwere Intoxikation nicht aus. Besonders bei Amanitin-haltigen Pilzen kann eine Latenz von 6–24 Stunden bestehen; bei Orellanin sogar 3–14 Tage.
📌 Speichere diesen Beitrag teile ihn auch gern mit anderen Kolleg*innen.
Quellen:
1) Merck Veterinary Manual: Overview of Mushrooms Toxic to Animals (https://www.merckvetmanual.com/toxicology/poisonous-mushrooms/overview-of-mushrooms-toxic-to-animals)
2) CliniTox: Vergiftungen beim Kleintier (https://www.vetpharm.uzh.ch/CLINITOX/KLT/toxtklt.htm)