19/08/2026
Ernährung und koronare Herzkrankheit
Welche Ernährung senkt das KHK-Risiko?
Welche Nahrungsmittel senken das KHK-Risiko? Und welche sollten vermieden werden? Ein kleiner Leitfaden.
Dr. med. Jochem Stockinger, Anne Iburg
Ballaststoffreiche Nahrungsmittel: Vollkornbrot, Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse
Pflanzenbasiert, ballaststoffreich, hochwertige Fette: Eine geeignete Ernährung kann das Herz schützen.
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, welchen Einfluss bei uns gängige Nahrungsmittel und Nährstoffe auf das Risiko koronarer Herzerkrankung haben.
Empfehlenswerte Nahrungsmittel
Vollkornprodukte: Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass man durch den zunehmenden Verzehr von Vollkornprodukten das Risiko von koronarer Herzerkrankung deutlich senken kann. In Zahlen ausgedrückt: Bis zu einer Tagesmenge von 100 g kann das Koronarrisiko um 17% gesenkt werden.
Gemüse: Gemüse sollte praktisch zu jeder Mahlzeit dazugehören! Denn auch hier zeigt sich, dass der häufige Verzehr zu einer Verminderung des Krankheitsrisikos führt. Bis zu einer Tagesverzehrmenge von 400 g pro Tag kann eine Risikoverminderung um 12% festgestellt werden.
Obst: Mit zunehmendem Obstverzehr kann die Risikorate koronarer Herzerkrankung bis zu 15% sinken. Das gilt auch für Schlaganfälle! Allerdings sollten Sie nicht zu viel Obst essen, insbesondere wenn Sie bereits mit Ihrem Gewicht kämpfen. Geben Sie Gemüse den Vorzug!
Fisch: Auch Fisch hat nachweislich einen positiven Einfluss auf das Koronarrisiko, bei einem Fischkonsum bis zu 250 g pro Tag sinkt das Risiko um ca. 15%. Allerdings ist dieser Effekt nicht bei allen Fischen gleich deutlich erkennbar.
Kaltwasserfisch aus den Meeren, wie Lachs, Hering und Makrele, zeigen aufgrund ihres höheren Fettgehalts deutlich bessere Ergebnisse.
Heimische Fluss- und Binnenseefische enthalten leider keine Omega-3-Fettsäuren wie die Hochseefische, denn die begehrten Fettsäuren stammen aus dem »Krill«, also Kleinkrebsen und anderen Nahrungsquellen der Hochseefische. Die Ergebnisse gelten auch nicht für Muscheln oder Shrimps.
Nüsse und Hülsenfrüchte:
Nüsse sind wichtige Lieferanten spezieller Fettsäuren besonders für Vegetarier und Veganer. Bei zunehmendem Verzehr von Nüssen bis ca. 15 g pro Tag ist eine Senkung des Koronarrisikos um
bis zu 21% festzustellen.
Für Hülsenfrüchte ist der Befund nicht ganz so eindeutig, aber immerhin sinkt das Koronarrisiko um ca. 10% bei dem Verzehr von Hülsenfrüchten bis zu 100 g pro Tag. Sie sind außerdem wichtige Lieferanten von Eiweißen und Ballaststoffen besonders für Vegetarier und Veganer.
Vermeintlich “böse” Nahrungsmittel
Eier
Eier galten lange als problematisch, denn immerhin enthält ein Ei den Tagesbedarf des Körpers an Cholesterin. Und nicht zu vergessen: Eier sind in vielen Alltagsprodukten wie Teig- und Backwaren enthalten. Aber es zeigt sich keine ungünstige Verbindung des Eikonsums mit der Häufigkeit von Koronarereignissen oder auch Schlaganfällen. Bei höherem Eikonsum fand sich zwar häufiger die Entwicklung von Herzschwäche, aber in Bezug auf das Koronarrisiko kann entwarnt werden.
Milchprodukte
Auch hier kann kein Zusammenhang zwischen Milchkonsum und koronarer Herzerkrankung festgestellt werden. Für Schlaganfälle und Herzschwäche fanden sich sogar eher günstige Verläufe.
Problematische Nahrungsmittel
Rotes und verarbeitetes Fleisch: Für beide Nahrungsmittelgruppen wurde in Studien eine sehr ungünstige Risikosituation nachgewiesen. Bereits bei regelmäßigem Konsum von 50 bis 100 g pro Tag steigt das Koronarrisiko um ca. 15%. Man muss deshalb nicht gleich Vegetarier werden – aber man sollte die Ergebnisse ernst nehmen und seinen Fleischkonsum reduzieren und bevorzugt helles Fleisch (Geflügel) zu sich nehmen.
Getränke mit Zucker: Das Koronarrisiko steigt um 35% und das Schlaganfallrisiko um 16% bei Zufuhr von zuckergesüßten Getränken von 500 ml.
Von Fetten profitieren
Fette sind vor allem deshalb wichtig, weil sie dabei helfen können, den Cholesterinspiegel im Blut zu senken. In dieser Hinsicht sind sie sogar wichtiger als Cholesterin selbst, denn wenn man die Cholesterinaufnahme senkt, produziert der Körper von sich aus mehr Cholesterin.
Wichtig ist, dass Sie die gesättigten Fettsäuren, wie sie in fettem Fleisch und Wurstwaren, Butter, Schmalz, Speck, Kokosfett und Palmkernfett vorkommen, reduzieren und durch einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren aus Pflanzenölen ersetzen. Der Austausch durch die essenziellen Fettsäuren im richtigen Verhältnis scheint besonders effektiv zu sein.
Durch den hohen Konsum von Sonnenblumenöl herrscht in Deutschland jedoch ein Überschuss an Omega-6-Fettsäuren in der Ernährung. Das Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren sollte 5:1 sein, beträgt aber im Durchschnitt je nach Studie 12:1 bis 7:1.
Linolsäure ist der Hauptvertreter der Omega-6-Fettsäuren. Alpha-Linolensäure – der Hauptvertreter der Omega-3-Fettsäuren – kann in Form von Rapsöl, Walnussöl und Leinöl zugeführt werden und so Sonnenblumenöl
ersetzen. Die Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaen- und Docosahexaensäure finden wir vor allem in fettreichen Fischen, den sogenannten Kaltwasserfischen (z.B. Lachs, Hering und Thunfisch). Studien belegen sehr klar den hohen Nutzen der beiden Fettsäuren aus Fisch bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Hieraus leitet sich die Empfehlung ab, 2-mal die Woche Fisch zu essen. Fettreiche Fische enthalten immer ausreichend Vitamin A. Wer Fischöl als Nahrungsergänzungsmittel einnehmen will, sollte daher unbedingt darauf achten, dass sie mit Vitamin A oder Vitamin E (zwei fettlösliche Antioxidanzien) angereichert sind. Und große Mengen helfen auch nicht. Wie Paracelsus schon in der Frühen Neuzeit wusste: »Die Dosis macht das Gift!«, weiß man heute, dass eine Überdosierung mit Fischölkapseln negative Effekte auf das Herzinfarkt und Schlaganfallrisiko hat.
Für die Umstellung der Fettaufnahme und auch generell gilt die Empfehlung, dass gesättigte Fettsäuren unter einem Drittel bleiben, einfach gesättigte Fettsäuren wie Olivenöl ein Drittel der Fettmenge ausmachen und mehrfach ungesättigte Fettsäuren ebenfalls ein Drittel. Der Schwerpunkt sollte hierbei auf Omega-3-Fettsäuren liegen. Die Senkung des Cholesterinspiegels ist aber nur ein Effekt, den Sie hierdurch erzielen können.
Die herzschützende Wirkung von Omega-3-Fettsäuren
Grundsätzlich werden alle mit der Nahrung aufgenommenen Fettsäuren in wichtige Botenstoffe umgewandelt, die beispielsweise die Weite bzw. Spannung der Blutgefäße regeln, Entzündungsvorgänge fördern oder hemmen und das Anhaften von Blutzellen an der Gefäßwand bewirken. Das heißt, sie haben einen unmittelbaren Einfluss auf all jene Vorgänge, die zu einem Herzinfarkt führen können.
Die genannten Omega-3-Fettsäuren – alpha-Linolensäure, Eicosapentaensäure und Docosahexaensäure – zeichnen sich nun dadurch aus, dass die aus ihnen gebildeten Botenstoffe die Blutgefäße entspannen (wodurch
der Blutdruck reguliert wird), Entzündungsvorgänge auflösen bzw. reduzieren und außerdem die Verklumpung der Blutplättchen hemmen.
Die Omega-6-Fettsäuren haben genau die gegenteilige Wirkung, d.h., sie fördern Entzündungsprozesse usw. Hinzu kommt, dass eine unmittelbare Konkurrenz zwischen Linolsäure und alpha-Linolensäure bei der Verstoffwechselung besteht. Das heißt, je mehr wir Linolsäure zu uns nehmen, desto weniger kann die alpha-Linolensäure in die herzschützende Eicosapentaensäure umgebaut werden.
Hilfreiche Ballaststoffe
Die Ballaststoffe, die wie Zucker zu den Kohlenhydraten gehören, können sich im Gegensatz zu diesem positiv auf die Arteriosklerose auswirken. Denn obwohl diese sehr komplex zusammengesetzten Kohlenhydrate nicht direkt von uns genutzt werden können und insbesondere keinen Beitrag für den Energiestoffwechsel leisten, haben sie eine wichtige Aufgabe.
Die nicht verdaulichen Nahrungsfasern binden im Dünndarm Gallensäuren, die aus Cholesterin gebildet werden. Durch die Bindung wird Cholesterin aus der Nahrung vermindert aufgenommen und mehr Cholesterin in der Leber für den Gallenstoffwechsel verbraucht.
Dementsprechend bewirkt eine ballaststoffreiche Kost eine Senkung des Cholesterinspiegels.
Außerdem sorgen Ballaststoffe für eine verzögerte Aufnahme von einfachen Zuckern aus dem Darm, was vorteilhaft für unseren Zucker-Insulin-Mechanismus ist.
Und zu guter Letzt werden bei der Verstoffwechselung der Ballaststoffe im Dickdarm kurzkettige Fettsäuren gebildet, die ganz erhebliche Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben. Die Fettsäure Butyrat beispielsweise hat Auswirkungen auf die Zellvermehrung (und ist dadurch krebshemmend) und wirkt antientzündlich.
Die Umstellung auf eine ballaststoffreiche Ernährung kann z.B. auch eine Parodontitis günstig beeinflussen.
Ein hoher Ballaststoffgehalt findet sich in Getreide und Getreideprodukten – besonders im Roggen, z.B. in Roggenmehl und Roggenknäckebrot, aber auch in Kleieprodukten. Weiterhin im Gemüse, besonders in Kohlarten. Bei Obst in Birnen, Johannisbeeren und Trockenobst wie in Pflaumen, Feigen und Datteln sowie in Nüssen, besonders Mandeln.
Mikronährstoffe
Vitamine: Vitamine spielen eine wichtige Rolle in der Immunabwehr und bei Entzündungsreaktionen des Körpers und können außerdem schädigende Stoffwechselprodukte reduzieren.
Elektrolyte: Diese sind u.a. für die Funktion der Nervenleitung, die Muskelfunktion, die Signalfunktion des Blutes sowie die Vermeidung von Herzrhythmusstörungen zuständig.
Sekundäre Pflanzenstoffe: Diese, oft auch als Pflanzenfarbstoffe bezeichneten Stoffe sind vor allem für ihre antioxidative Wirkung bekannt. Darüber hinaus regulieren sie aber auch z.B. die Fettaufnahme und wirken präventiv gegen Tumoren.
2 goldene Regeln
Nicht einfach die Cholesterinaufnahme in der Alltagskost ist entscheidend, sondern die Zusammensetzung der verschiedenen Fettarten, speziell der einfach und mehrfach ungesättigten Pflanzen- und Fischöle.
Wenn Sie die leicht verfügbaren Kohlenhydrate (Zucker) reduzieren und stattdessen vermehrt komplexe Kohlenhydrate, besonders Ballaststoffe, zu sich nehmen, können Sie effektiv höhergradigen Ablagerungen in den Arterien sowie einem Herzinfarkt vorbeugen.