19/07/2026
„Je reicher die Eltern, desto kürzer ist das Zungenband.“
„Je reicher die Eltern, desto kürzer ist das Zungenband.“
Ein Satz, der aktuell viel diskutiert wird. Und ja – Überdiagnostik und unnötige Eingriffe dürfen kritisch hinterfragt werden.
Was jedoch nicht passieren darf: Dass die Bedeutung oraler Restriktionen dadurch pauschal klein geredet wird.
Viele wissen, dass wir Kinder und Erwachsene vor und nach einer Frenotomie begleiten. Daraus entsteht manchmal der Eindruck, wir würden einen Eingriff schnell empfehlen.
Das Gegenteil ist der Fall.
Unser erster Fokus liegt immer auf der Funktion. Wir behandeln zunächst Zungenruhelage, Schluckmuster, Mundatmung, Lautbildung, CMD, Haltung und weitere funktionelle Zusammenhänge. Erst wenn wir trotz konsequenter Therapie an Grenzen stoßen und der Verdacht auf eine relevante orale Restriktion bestehen bleibt, empfehlen wir eine weiterführende Diagnostik bei qualifizierten Fachpersonen.
Nicht jedes zu kurze Zungenband muss behandelt werden. Aber auch nicht jede orale Restriktion sollte bagatellisiert werden.
Unser Ziel ist nicht, möglichst viele Frenotomien zu begleiten – sondern unnötige Eingriffe zu vermeiden und notwendige nicht zu übersehen.
Deshalb wünschen wir uns mehr interdisziplinäre Zusammenarbeit, mehr funktionelle Diagnostik und weniger pauschale Aussagen.
Denn nicht der Geldbeutel der Eltern entscheidet über die Diagnose – sondern die Qualifikation der Fachpersonen und die individuelle Funktion des Patienten.