17/07/2026
Coburger Altersmedizin wird 30 Jahre jung: Die Lehre vom „Leben, Lieben und Lachen“
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Haltung und Netzwerk: Getragen von Menschlichkeit, Teamgeist und Vertrauen sowie einem starken regionalen Netzwerk sichert die Geriatrie am Sana Klinikum Coburg Lebensqualität im Alter.
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Die Zahl „30“ scheint sich wie eine Glückszahl durch den ganzen Abend zu ziehen, als gut 130 Gäste am Mittwoch in der ehem. St.-Lukaskirche, heute eine Veranstaltungslocation der Prodinger Stiftung, zusammenkommen, um gemeinsam 30 Jahre Geriatrie in Coburg würdig zu begehen. Mit 30 Betten und 30 Mitarbeitern startete die Fachabteilung – damals noch ein Exot im Bundesgebiet – im Jahr 1996.
Ein Projekt mit Pilotcharakter: Erstmals sollten die Belange älterer Patientinnen und Patienten, oft mit mehreren chronischen Erkrankungen und auch mehreren Medikamenten, deren Wechselwirkungen zu berücksichtigen sind, gezielt in den Fokus genommen werden. Der ältere Mensch sollte individuell, interdisziplinär und ganzheitlich betrachtet und behandelt werden – ein Novum in der Medizingeschichte.
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Prof. Johannes Kraft und sein Mitstreiter und erster Assistenzarzt Dr. Christian Pohlig, der erst vor wenigen Monaten in den Ruhestand verabschiedet wurde, waren die Vorkämpfer der ersten Stunde. „Wir haben zweifelsohne davon profitiert, dass man uns hat machen lassen. Da war ein Vertrauen der Geschäftsführung und auch der politischen Ebene, dass es schon gut werden wird“, beschreibt Prof. Kraft die Stimmung Mitte der 90er Jahre. Und siehe da: Die Entscheidung war goldrichtig. Zwischenzeitlich hat das „Coburger Modell“ – die konsequente Verzahnung von stationären und ambulanten Versorgungsstrukturen, inklusive Akutgeriatrie und Frührehabilitation, einer akutgeriatrischen Tagesklinik und Institutsambulanz, stationärer, ambulanter und mobiler Rehabilitation, integrierter Palliativabteilung mit SAPV und überregionaler Palliativstation – Schule gemacht. Das Zentrum für Altersmedizin, zu dem seit 2019 auch geriatrische Abteilungen in Lichtenfels und Neustadt bei Coburg gehören, ist ebenso hoch dekoriert wie sein Initiator, Prof. Dr. Johannes Kraft. Circa 3.000 Patienten werden hier jährlich behandelt, in 30 Jahren konnten inzwischen weit mehr als Hunderttausend Patienten vom Zentrum profitieren.
„Geriater sind Allrounder mit großer fachlicher Breite – und einer ebenso großen Portion Menschlichkeit. Sie verbinden Innere Medizin, Neurologie, Pflege, Therapie und Soziales zu einem Ganzen und sehen den Menschen hinter der Diagnose. Das Coburger Modell zeigt seit 30 Jahren, wie aus Haltung Struktur wird: interdisziplinär, wohnortnah und verlässlich. Dieses Jubiläum ist Anerkennung für alle, die täglich daran arbeiten, Lebensqualität zurückzugeben – und uns ein Auftrag, die Altersmedizin am Standort konsequent weiterzuentwickeln“, bekräftigt Geschäftsführerin Melanie John.
Betriebsratsvorsitzender Martin Lücke stellt darauf ab, dass die Geriatrie Patientinnen und Patienten mit der höchsten Verweildauer hat. „Dadurch habt ihr mehr als andere Fachrichtungen die Gelegenheit, eine Beziehung zu euren Patienten aufzubauen – ich glaube, darauf sind manch andere Fachbereiche ein klein wenig neidisch.“ Das kann Prof. Dr. Johannes Kraft nur bestätigen. Wenn er auf 30 Jahre erfolgreiche geriatrische Medizin am Standort zurückblickt, denkt er an viele sehr berührende zwischenmenschliche Momente – sowohl mit Kolleginnen und Kollegen als auch mit Patientinnen und Patienten. Manche Menschen trifft er über die Jahre immer wieder, begleitet sie teils über einen Zeitraum von 20 Jahren hinweg. „Das verdeutlicht auch, welche Chancen in der geriatrischen Versorgung liegen. Trotz Krankheiten Lebensqualität zurückzugewinnen und zu erhalten – das ist das Ziel unserer täglichen Arbeit.“
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Was die Versorgungsstrukturen für ältere Menschen am Standort ebenfalls auszeichnet: Sie haben Netzwerkcharakter und ruhen auf vielen Schultern. Von ehrenamtlichen Unterstützerinnen und Unterstützern, über Besuchsdienste, den Hospizverein, der Medau Schule, bis zu den Hochschulen – die Hochschule Coburg und die Sana Medical School – sowie den neu gegründeten Förderverein Geripalli e. V.: Sie alle leisten einen Beitrag, dass es sich in Coburg gut leben lässt – bis ins hohe Alter. Prof. Kraft ist auch hier involviert. „Strukturen schaffen, damit das Helfen noch besser gelingt“ – diesen Ansatz verfolgt der Geriater konsequent und hat damit in Coburg und darüber hinaus viel erreicht.
30 Jahre Coburger Geriatrie sind daher mehr als ein Jubiläum – sie sind ein Versprechen. Ein Versprechen, mit medizinischer Exzellenz, Teamgeist und Menschlichkeit auch künftig für die ältere Generation da zu sein. Für ein Leben, das die Lehre vom „Leben, Lieben und Lachen“ ernst nimmt – jeden Tag, in jedem Kontakt, am Patientenbett und in der ganzen Region.
📸 (v.l.): Ärztlicher Direktor PD Dr. Georg Breuer, Cluster-Geschäftsführerin Melanie John, Prof. Dr. Johannes Kraft, ltd. Oberarzt Dr. Christoph Glombik, Klinikmanager Marco Zipfel, Betriebsratsvorsitzender Martin Lücke