Systemische Gesundheit

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📚 Systemischer Therapeut i.A.
🔮 Psychologe, M.Sc.
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Angst bedeutet nicht automatisch ADHS aber insbesondere bei Frauen sind Angststörungen eine häufige Komorbidität und ein...
06/09/2026

Angst bedeutet nicht automatisch ADHS aber insbesondere bei Frauen sind Angststörungen eine häufige Komorbidität und ein häufiger Grund in Psychotherapie zu gehen.

Bei nicht wenigen bleiben diffuse innere Unruhe, rasende Gedanken und unspezifische Ängste zurück, die sich diagnostisch nicht gut einordnen lassen.

An dieser Stelle werde ich hellhörig. Nicht im Sinne von: „Ah, Angst = ADHS.“

Sondern eher:
Woher kommt diese Anspannung? Warum fühlt sich Alltag so schnell nach Überforderung an? Warum ist da diese innere Getriebenheit, obwohl keine klare Gefahr da ist? Warum bleibt das Gefühl von „Ich kriege mein Leben nicht sortiert“, obwohl die klassische Angststörung deutlich besser geworden ist?

Und tatsächlich beobachten wir ja bei Frauen mit ADHS (nicht nur aber vor allem da): Überforderung, Grübeln, emotionale Schwankungen, Rastlosigkeit und ein dauerhaftes Gefühl, den Anforderungen des Lebens nicht gerecht zu werden.

Vor allem dann, wenn Angst behandelt wurde und trotzdem diese schwer greifbare innere Anspannung bleibt, lohnt es sich manchmal, genauer hinzuschauen:

Gab es schon in Kindheit/Jugend Hinweise auf Unaufmerksamkeit, Vergesslichkeit, Chaos, Prokrastination, Tagträumen oder emotionale Überflutung?

Gibt es seit Jahren funktionelle Probleme in Organisation, Alltag, Studium, Arbeit oder Beziehungen?

Weniger laut heißt nicht, dass Symptome nicht vorhanden sind.

Quelle:

Attoe, D. E., & Climie, E. A. (2023). Miss. Diagnosis: A Systematic Review of ADHD in Adult Women. Journal of attention disorders, 27(7), 645–657. https://doi.org/10.1177/10870547231161533

Angst bedeutet nicht automatischADHS aber insbesondere bei Frauen sind Angststörungen eine haufige Komorbiditat und ein ...
05/09/2026

Angst bedeutet nicht automatisch
ADHS aber insbesondere bei Frauen sind Angststörungen eine haufige Komorbiditat und ein haufiger Grund in Psychotherapie zu gehen.

Bei nicht wenigen bleiben diffuse innere Unruhe, rasende Gedanken und unspezifische Ängste zurück, die sich diagnostisch nicht gut einordnen lassen.
An dieser Stelle werde ich hellhörig. Nicht im Sinne von: „Ah,
Angst = ADHS.‘

Sondern eher:
Woher kommt diese Anspannung? Warum fühlt sich Alltag so schnell nach Überforderung an? Warum ist da diese innere Getriebenheit, obwohl keine klare Gefahr da ist? Warum bleibt das Gefühl von „Ich kriege mein Leben nicht sortiert“, obwohl die klassische Angststörung deutlich besser geworden ist?

Und tatsächlich beobachten wir ja bei Frauen mit ADHS (nicht nur aber vor allem da): Überforderung, Grübeln, emotionale Schwankungen, Rastlosigkeit und ein dauerhaftes Gefühl, den Anforderungen des Lebens nicht gerecht zu werden.
Vor allem dann, wenn Angst behandelt wurde und trotzdem diese schwer greifbare innere Anspannung bleibt, lohnt es sich manchmal, genauer hinzuschauen:

Gab es schon in Kindheit/Jugend Hinweise auf Unautmerksamkeit, Vergesslichkeit, Chaos, Prokrastination, Tagträumen oder emotionale Überflutung?
Gibt es seit Jahren funktionelle Probleme in Organisation, Alltag, Studium, Arbeit oder Beziehungen?
Weniger laut heißt nicht, dass Symptome nicht vorhanden sind.

Quelle:
Attoe, D. E., & Climie, E. A. (2023). Miss. Diagnosis: A Systematic Review of ADHD in Adult Women. Journal of attention disorders, 27(7), 645-657. https://doi.org/ 10.1177/10870547231161533

04/09/2026

Essanfälle sind bei ADHS kein seltenes Thema aber nicht jeder Essanfall ist automatisch eine Binge-Eating-Störung.

ADHS ist insgesamt mit einem erhöhten Risiko für Probleme mit dem Essen verbunden. Aber das ganze ist eben nicht immer eine klassische Essstörung, sondern Esschaos. Mahlzeiten werden vergessen oder lange hinausgezögert, tagsüber wird wenig gegessen und später entsteht starker Hunger; Impulsivität und Schwierigkeiten mit Selbstregulation können zusätzlich eine Rolle spielen.

Deshalb lohnt sich die Differenzierung: Liegen wiederkehrende Essanfälle mit Kontrollverlust und deutlichem Leidensdruck vor, sollte eine Binge-Eating-Störung diagnostisch geprüft und entsprechend behandelt werden. Vor allem mit Psychotherapie.

Und auch die ADHS-Medikation kann man sich anschauen: Stimulanzien können den Appetit deutlich reduzieren.

Wenn tagsüber kaum gegessen wird und die Wirkung später nachlässt, kann das bei manchen Menschen problematische Essmuster am Abend begünstigen.

Lisdexamfetamin (Elvanse) ist dabei sehr interessant: Es gibt gute randomisierte Evidenz dafür, dass es bei Erwachsenen mit Binge-Eating-Störung die Häufigkeit von Essanfällen reduzieren kann. In den USA ist es dafür auch zugelassen.

Das heißt, wer mit dem Thema struggelt ist vielleicht mit diesem Medikament besser beraten. Es wird aber wahrscheinlich nicht die Gründe hinter dem Es verhalten komplett lösen. Kann aber ein guter Baustein sein.


Kaisari, P., et al. (2017). Attention deficit hyperactivity disorder (ADHD) and disordered eating behaviour: A systematic review and a framework for future research. Clinical Psychology Review, 53, 109–121.

Nazar, B. P., et al. (2016). The risk of eating disorders comorbid with attention-deficit/hyperactivity disorder: A systematic review and meta-analysis. International Journal of Eating Disorders, 49(12), 1045–1057.

National Institute for Health and Care Excellence. (2017). Eating disorders: Recognition and treatment (NG69).

29/08/2026

Die besten Tools?

💰 Geld.
🤝 Soziale Unterstützung.

Alles andere ist oft Selbstoptimierungs-Bullsh*t, an dem vor allem diejenigen profitieren, die diesen Kram überteuert verhökern.

Nein, ihr müsst kein «neurodivergent entrepreneur» werden.
Nein, ein weiteres Workbook wird euch wahrscheinlich nicht retten. Und auch das achte vermeintliche Wunder-Supplement, wird nicht die große Lösung sein.

Mit dem «quirky buntes Zebra»-Gequatsche und den Tausenden Artikeln im Tiktok Shop oder sonst wo, will man an euch Geld verdienen.

Neurodivergenz ist aber nicht quirky, wenn man häufiger krank, einsam, überlastet oder von Armut betroffen ist..

Wenn das hier auf Social Media anders wirkt, ist das kein Beweis gegen diese Realität, sondern ein Beweis für Privilegien. Auch für meine. Denn wer findet hier überhaupt statt?

Neurodivergentes Leid hat meiner Meinung nach nichts mit individuellem Versagen zu tun. Es entsteht, weil unsere Gesellschaft Unterschiedlichkeit ausnutzt, statt sich auf sie einzustellen.

Diagnosen helfen, Medikamente helfen auch, Psychotherapie für die Folgen ebenso. Selbstverantwortung ist die Basis aber ohne gesellschaftlichen Wandel sind Grenzen und Überlastung vorprogrammiert.

20/08/2026

Schaut mal ins Video von

Für alle, die sich fragen, worauf ich mich hier beziehe:

1. GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz

Es streicht bzw. begrenzt bisherige Mechanismen zur extrabudgetären Vergütung psychotherapeutischer Leistungen und schafft die gesetzliche Angemessenheitsprüfung der psychotherapeutischen Vergütung ab.
Viele Therapieplätze, von den wenigen, die es gibt, sind bedroht.

2. Reform des Nachrichtendienstrechts

Heute ist Warken Chefin des Bundeskanzleramts und damit politisch für den BND zuständig. Am 12. August hat das Kabinett eine umfassende Reform des Nachrichtendienstrechts beschlossen.

Damit sollen die Befugnisse der Nachrichtendienste erheblich erweitert werden:

unter anderem Online-Durchsuchungen,
Überwachungsmaßnahmen und in bestimmten Fällen das heimliche Betreten von Wohn- und Geschäftsräumen.

Besonders relevant für Medizin und Psychotherapie: Nicht alle Berufsgeheimnisse werden gleich geschützt.

Seelsorger:innen, Verteidiger:innen, Abgeordnete sowie Rechtsanwält:innen erhalten einen weitreichenden bzw. absoluten Schutz.

Ärzt:innen und Psychotherapeut:innen fallen dagegen nur unter einen relativen Schutz, bei dem im Einzelfall abgewogen werden kann. ABSURD.

Warum sind solche Behandlungen nicht mindestens genauso Schutzwürdig?

darüber muss man, unabhängig davon, wie man die Notwendigkeit stärkerer Nachrichtendienste grundsätzlich bewertet, ziemlich ernsthaft diskutieren.

17/08/2026

Ein Punkt entscheidet nicht über deine Diagnose.

ADHS wird nicht diagnostiziert, indem man bei einem Fragebogen Punkte zusammenzählt und schaut, ob am Ende die magische Zahl erreicht wurde.

Eine vernünftige ADHS-Diagnostik schaut unter anderem darauf, welche Symptome tatsächlich vorliegen, wie sie sich konkret im Alltag zeigen, ob sie schon in der Entwicklung bestanden, ob sie in mehreren Lebensbereichen auftreten, ob sie das Leben der Person relevant beeinflussen und ob andere Erklärungen besser passen.

Eine wichtige Fußnote gibt es allerdings:

Diagnosesysteme ziehen irgendwo eine Grenze. Im DSM benötigen Erwachsene beispielsweise mindestens fünf Symptome aus einem der beiden ADHS-Symptombereiche. Wer vier statt fünf Kriterien erfüllt, unterschreitet damit formal die Symptomschwelle.

Ein einziges Symptomkriterium kann also tatsächlich einen Unterschied machen. Die Frage ist aber auch da, wie man damit umgeht.

Ein Punkt hat gefehlt ist keine so geile Erklärung, wenn das alles ist.

12/08/2026

Grundschulzeugnisse werden in der ADHS- und Autismusdiagnostik häufig angefordert.

Das hat einen guten Grund: Beide Diagnosen setzen voraus, dass Auffälligkeiten bereits in der Kindheit bestanden haben. Zeugnisse können deshalb Hinweise liefern, sie sind aber keine objektive Messung neurodivergenter Merkmale.

Gerade bei ADHS und Autismus gilt: Was in einem Zeugnis steht, hängt nicht nur von den Symptomen ab, sondern auch davon, wie sichtbar diese waren. Und wer das Ganze bewertet.

Insbesondere Mädchen und Menschen, die früh gelernt haben zu maskieren oder sich stark anzupassen, fallen häufig deutlich weniger auf. Manche investieren enorme Energie, um Erwartungen zu erfüllen mit dem Ergebnis, dass sie nach außen „unauffällig“ wirken, obwohl sie innerlich massiv kämpfen.

Dass sich das nicht immer in einem Grundschulzeugnis widerspiegelt, überrascht deshalb nicht.

Hinzu kommt: Zeugnisse sind keine standardisierten diagnostischen Instrumente. Sie hängen unter anderem von der Lehrkraft, der Klassensituation, den damaligen Erwartungen und davon ab, welche Verhaltensweisen überhaupt dokumentiert wurden.

Manche Lehrkräfte beschreiben soziale Schwierigkeiten sehr genau, andere fast ausschließlich schulische Leistungen.

Deshalb gilt für eine gute Diagnostik:

📌 Grundschulzeugnisse sind eine mögliche Informationsquelle.
📌 Sie können die diagnostische Einschätzung unterstützen.
📌 Sie können aber weder eine Diagnose beweisen noch ausschließen.

Entscheidend ist immer die Gesamtschau: Entwicklungsanamnese, aktuelle Symptomatik, Fremdanamnese, strukturierte Interviews, standardisierte Fragebögen und die differenzialdiagnostische Einordnung ergeben zusammen das Bild – nicht ein einzelnes Dokument und kein einzelner Punktwert.

Ein fehlender Hinweis im Zeugnis bedeutet deshalb nicht automatisch, dass ADHS oder Autismus ausgeschlossen sind.

06/08/2026

Mit einem Augenzwinkern gemeint aber ganz ohne Hintergrund ist der Witz nicht. 😉

Viele Menschen mit ADHS erleben, dass Aufgaben plötzlich deutlich leichter werden, wenn eine andere Person involviert ist. Nicht, weil wir faul sind oder unsere Wohnung anderen zuliebe wichtiger ist als uns selbst.

Häufig verändern soziale Faktoren die Motivation: Es entsteht mehr Dringlichkeit, mehr Verbindlichkeit und die Aufgabe gewinnt subjektiv an Bedeutung. Das kann dabei helfen, die Hürde zwischen „Ich müsste mal anfangen“ und „Ich mache es jetzt“ zu überwinden.

Dahinter steckt nicht fehlendes Wissen darüber, was zu tun ist, sondern oft eine Schwierigkeit, Handlungen ohne ausreichend starke Motivation oder äußere Struktur in Gang zu setzen, ein typisches Merkmal der exekutiven Dysfunktion bei ADHS.

Das gilt natürlich nicht für alle und ich finde: eine gute Freundschaft hält auch Unordnung aus :)
Aber für manche macht man es vielleicht einfach gern.

Kennt ihr das auch? Dass Dinge plötzlich viel leichter werden, sobald jemand anderes beteiligt ist?

03/08/2026

Manchmal zeigt sich Vorfreude nicht besonders liebevoll: Eine spontane Planänderung kann Menschen mit ADHS stark aus dem Konzept bringen.

Nicht, weil „Ausrasten“ oder gereizt reagieren automatisch ein Liebesbeweis wäre, sondern weil ein Treffen vorher oft viel mentale Vorbereitung kostet: Kalender, Erinnerungen, andere Aufgaben verschieben, den Tag darum herum strukturieren und genug Energie übriglassen, um pünktlich und präsent zu sein. Fällt der Plan kurzfristig weg, fällt manchmal das ganze innere Gerüst mit. Oder die Angst davor kickt.

Eine heftige Reaktion ist im Allgemeinen nicht spezifisch für ADHS noch automatisch ein Zeichen von Zuneigung.

Dahinter können auch situativer Stress, Schlafmangel, Schwierigkeiten mit Veränderungen, andere Diagnosen, wiederholte Unzuverlässigkeit, konkrete Nachteile oder ungleich verteilte Care- und Organisationsarbeit stecken.

Aber gerade bei ADHS beobachte ich häufig, dass sich hinter der gereizten Reaktion eigentlich die Überforderung einer Person zeigt, die gerne Zeit mit der anderen Person verbracht hätte aber einen hohen Preis für das funktionieren im Alltag zahlt.

Das kann starke Gefühle erklären, entschuldigt aber kein verletzendes Verhalten. Manchmal ist es ein guter Anknüpfungspunkt in Therapie und Beratung oder auch für ein Gespräch als Paar.

29/07/2026

Motorische Unruhe gehört zu ADHS aber sie muss im Erwachsenenalter nicht mehr so aussehen wie bei Kindern.

Viele Erwachsene erleben stattdessen vor allem innere Unruhe, ein ständiges Getrieben-Sein oder eine gedankliche Unruhe.

Das kann leicht mit Angst oder Grübeln verwechselt werden. Könnte auch Risikofaktor für eine zusätzliche Angststörung sein.

Aber: Gleichzeitig ist keines dieser Symptome allein beweisend für ADHS entscheidend sind das Gesamtbild, die Entwicklung seit der Kindheit und die Differentialdiagnostik.

Gerade bei Menschen, die ihre Hyperaktivität über Jahre unterdrückt oder stark maskiert haben, kann sich die Überaktivität eher nach innen verlagern. Deshalb gilt: “Nicht zappelig” schließt ADHS nicht aus.

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