21/06/2026
Gestern war mein 25jähriges Abiturtreffen.
Und wie so oft, wenn man sich trifft und ins Erzählen kommt über den Überlebenskampf Schule, ist es ein bittersüßes Erlebnis.
Man erinnert sich. An Dinge, die lustig waren und lebendig. Wo wir aufgestanden sind und versucht haben, wir zu sein. Wo wir uns für andere eingesetzt haben. Gelacht haben zusammen, versucht haben, gemeinsam Ungerechtigkeit und sehr viel Langeweile, Unterricht an unseren Bedürfnissen und Interessen vorbei, auszuhalten. Aber vor allem gibt es immer wieder ein Kopfschütteln. Dass die das damals durften. Wie die mit uns umgegangen sind. Dass die damit durchgekommen sind. Dass nichts passiert ist.
Lehrkräfte, die uns bloßstellten.
Sexuelle Grenzüberschreitungen, ins Lustige gezogen.
Erniedrigung. Angst. Würdeverlust. Resignation.
Verbale Gewalt. Brüllen. Chaos, fehlende Orientierung. Wut. So viel Wut. Erschöpfung. Frust.
Später habe ich die Seiten gewechselt, war 16 Jahre Lehrerin. Ich wollte es besser machen, in Beziehung gehen, Bedürfnisse und Gesamtentwicklung sehen.
Der Kampf gegen Windmühlen hätte mich fast gebrochen.
Heute als Psychotherapeutin setze ich mich gegen Gewalt und für mentale Gesundheit in Schulen ein und stelle immer wieder fest: viel Gewalt kommt aus dem System. Viel Trauma ist menschliches Leid, das sich in Schule zeigt und nicht angemessen beantwortet wird. Es sind die Kindheiten der Lehrkräfte und der Schüler:innen und deren Eltern, die Traumata, die sich in Schule zeigen und immer wieder aufgewirbelt werden, weil niemand aufhört, Gewalt als solche zu hinterfragen. Wir retraumatisieren, wenn die Struktur nicht dem Menschen dient, sondern der Mensch der Struktur. Wir verstärken und verursachen mehr Trauma, anstatt zu heilen, anstatt korrigierende Bindungserfahrungen zu ermöglichen. Bedürfnisse des Menschen zu sehen, damit er sich gut entwickeln kann.
Und dann waren und sind da Einzelne, die es anders machen. All denen großen Dank. Sie pflanzen Hoffnung, dass Veränderung möglich ist. Sie helfen heilen. Sich selbst, das Gegenüber, das System.
Auf dass unsere Enkel es besser haben in 25 Jahren.