06/08/2022
Leben mit Alzheimer
Einer von Alzheimer-Demenz betroffenen Person zu sagen, was sie falsch gemacht hat, ist vollkommen sinnlos, außer um seinen eigenen Frust abzureagieren. Das allerdings ist sehr unfair. Denn die Betroffenen erinnert sich ja nicht. Sie ist körperlich nicht mehr in der Lage, sich zu erinnern.
Sätze wie "Ich habe dir doch XYZ gesagt" oder "Du hast XYZ gemacht" sind daher völlig sinnlos.
Sie spürt allerdings den impliziten Vorwurf emotional. Und an Emotionen erinnern sich Alzheimer Betroffene noch länger, sie kummulieren.
Die Einstellung "das vergisst er/sie" trifft so nicht zu, da die Emotionen in Erinnerung bleiben.
Leben mit dementen Menschen bietet damit eine hervorragende Möglichkeit an seiner eigenen Persönlichkeitsentwicklung zu arbeiten:
Man kann üben, nichts von dem was sie tun, persönlich zu nehmen, und ihnen keine Vorwürfe zu machen.
Denn: Egal, was sie "kaputt" machen, sie machen es ja nicht absichtlich. Sie sind ja körperlich nicht mehr in der Lage sich zu erinnern, oft schon Sekunden später nicht mehr, weil das Kurzzeitgedächtnis nicht mehr funktioniert.
Nur das emotionale Gedächtnis funktioniert noch.
Also, keine Vorwürfe machen, am besten nie Vorwürfe machen.
Am Schwierigsten ist Alzheimer nicht für die Betroffenen. Am Schwierigsten ist es für die Angehörigen, die mir ihren eigenen Ängsten und Themen konfrontiert.