23/07/2026
Zurück zur Natur und super für ein besseres Klima der Innenstadt. Sicher auch Vorbild für andere Städte, die so zubetoniert wurden.
Eine Stadt hat vierzig Kilometer Bäche wieder ans Licht gebracht, die sie zuvor unter dem Asphalt verschwinden lassen hatte.
Für mehr als ein Jahrhundert hat Zürich seine kleinen Fließgewässer eines nach dem anderen überbaut. Mitte des neunzehnten Jahrhunderts mäanderten noch etwa hundertundsechzig Kilometer Bäche offen durch die Stadtquartiere — die Urbanisierung reduzierte sie auf wenige sichtbare Abschnitte.
Ein Bach in einem Rohr hat keinen Platz mehr im Wasserkreislauf. Er endet vermischt mit Abwasser, überlastet bei Regen die Kläranlagen, und verschwindet aus dem täglichen Leben der Bewohner als blossen Straßennamen: Niemand erinnert sich mehr, dass unter seinen Füssen einmal ein Gewässer floss.
Zürich kehrte diese Logik 1988 mit dem Bachkonzept um: Schmutz- und Regenwasser trennen, und die Bäche, wo immer möglich, wieder an die Oberfläche bringen — mit natürlichem Bachbett, aufgeweiteten Uferstreifen und kontrollierten Überflutungszonen.
Das Ergebnis ist heute messbar: Rund vierzig Kilometer Bäche fließen wieder offen in der Stadt, eine gute Hälfte davon seit dem Start des Programms freigelegt. Der Friesenbergbach, der Albisrieder Dorfbach und der Holderbach durchfließen wieder ganze Quartiere und bieten Kühlung, Biodiversität und Schutz vor Überflutung. Im Jahr 2003 erhielt die Stadt den Schweizer Wasserpreis für dieses jahrzehntelange Werk.
Ehrlich gesagt: Dieses Ergebnis entstand nicht durch eine einzige grosse Baumaßnahme, sondern durch Jahrzehnte kleiner Projekte, Quartier für Quartier, oft im Einzelfall mit Anliegern verhandelt. Langsam, methodisch, fast unsichtbar — bis man die Kilometer zusammenzählt.
Dieses Modell gibt es auch ausserhalb der Schweiz. Berlin legt Abschnitte der Panke frei. Hamburg arbeitet an der Restaurierung städtischer Fleete. München und Stuttgart haben eigene Stadtbach-Renaturierungsprogramme laufen.
Ein verborgener Bach ist ein Bach, der auf seine Zeit wartet.