07/08/2026
Du sitzt im Feedbackgespräch. Deine Chefin sagt: richtig gut gemacht. Noch bevor der Satz zu Ende ist, schiebst du nach: Naja, das Team hat wirklich mitgezogen, und der Kunde war auch einfach entgegenkommend. Dein männlicher Kollege bekommt dasselbe Lob eine Woche später. Er sagt: Danke, hab ich mir verdient. Niemand fragt nach.
Deine Aussage fühlt sich in dem Moment wie Bescheidenheit an. Wie gute Erziehung. Fachlich gesehen hat das selten etwas mit Bescheidenheit zu tun. Es ist eine gelernte Reaktion auf ein Umfeld, das männlichen und weiblichen Erfolg unterschiedlich behandelt. Woher kommt die Vorstellung, dass eine Frau ihren Erfolg erst erklären muss, um ihn behalten zu dürfen? Diese Idee hat sich niemand persönlich ausgedacht. Sie ist über Generationen in Sprache, Erziehung und Erwartungen eingewachsen, bis sie sich wie eine eigene Überzeugung anfühlt.
Das heißt nicht, dass du undankbar oder eingebildet wärst, wenn du einen Erfolg einfach stehen lässt. Es heißt, dass du eine Regel befolgst, die dir nie jemand vorgelegt hat, damit du sie prüfen kannst.
Ein kleiner Versuch für das nächste Lob: Danke sagen, drei Sekunden nichts hinzufügen, und beobachten, was mit dir passiert, wenn du den Satz einfach nicht nachschiebst.
Wann hast du deinen Erfolg zuletzt gerechtfertigt, obwohl niemand danach gefragt hat? Schreib mir gerne in die Kommentare!
Wenn du das Thema lieber auf deine eigene Situation beziehen und gemeinsam mit mir sortieren möchtest, findest du den Link zum kostenlosen Erstgespräch in der Bio.
Deine Tanja💜