16/07/2026
Kann es sein, dass regelmäßige Impfungen bei Katzen zur Entstehung einer chronischen Niereninsuffizienz beitragen?
Diese Frage wird seit vielen Jahren diskutiert und sie kommt nicht von ungefähr.
Einige Katzenimpfstoffe, insbesondere die klassischen FVRCP-Kombinationsimpfstoffe, werden auf einer Zelllinie gezüchtet, die ursprünglich aus Katzennieren stammt (CRFK-Zellen). Trotz der Reinigung des Impfstoffs können winzige Mengen dieser Zellbestandteile im Impfstoff verbleiben.
Genau das haben Wissenschaftler untersucht. Dabei zeigte sich, dass manche Katzen nach der Impfung Antikörper gegen diese Nierenzellproteine bilden.
Im Labor konnte außerdem beobachtet werden, dass diese Antikörper nicht nur die Zellbestandteile aus dem Impfstoff erkennen. Es gibt auch Hinweise darauf, dass sie gesundes Nierengewebe angreifen könnten. Dadurch entstand die Vermutung, dass das Immunsystem bei manchen Katzen möglicherweise nicht nur auf die Fremdproteine im Impfstoff reagiert, sondern auch körpereigenes Nierengewebe angreift. Das wäre ein möglicher Mechanismus, durch den wiederholte Impfungen langfristig zu einer Schädigung der Nieren beitragen könnten.
Gerade weil die chronische Niereninsuffizienz zu den häufigsten Erkrankungen älterer Katzen gehört, wurde diese Hypothese wissenschaftlich untersucht.
Bisher konnte jedoch nicht nachgewiesen werden, dass geimpfte Katzen tatsächlich häufiger an einer chronischen Niereninsuffizienz erkranken als ungeimpfte Katzen. Dafür fehlen bis heute große Langzeitstudien, die geimpfte und ungeimpfte Katzen über viele Jahre miteinander vergleichen und dabei auch Faktoren wie Alter, Haltung, Vorerkrankungen oder Ernährung berücksichtigen.
Das bedeutet aber auch, dass ein Zusammenhang bisher weder bewiesen noch ausgeschlossen werden kann. Die vorhandenen Studien zeigen aber einen biologisch plausiblen Mechanismus.
Impfen ja oder nein? Das muss jeder für sein Tier entscheiden, aber wenn dann sinnvoll und individuell. Nicht öfter als nötig, nicht pauschal, sondern mit Verantwortung.
Oder vorab per Titertest prüfen, ob überhaupt eine Auffrischung nötig ist.