Die Ahnensucherin

Die Ahnensucherin Als Genealogin begebe ich mich auf die Suche der Ahnen, wandele auf ihren Wegen und erzähle ihre Geschichten.

29/04/2026

Ahnenforschung ist kein Selbstbedienungsladen für Thesen.

In den letzten Tagen ist mir wieder ein Fragebogen begegnet, der in genealogischen Gruppen geteilt wurde. Thema: Heimatgefühl, Vertreibung, transgenerationale Prägung.

Klingt erstmal wichtig. Relevant. Emotional.

Aber genau da lohnt sich ein zweiter Blick.

Denn wenn man sich die Fragen genauer anschaut, wird schnell klar:
Hier wird sehr viel miteinander vermischt, was historisch und wissenschaftlich sauber getrennt werden müsste.

👉 Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg
👉 politische Einstellungen der Vorfahren im „Dritten Reich“
👉 heutige Haltungen zu Integration und Gesellschaft
👉 persönliche Verhaltensweisen im Alltag

Das alles in einem Fragebogen.

Und genau da beginnt das Problem.

Ahnenforschung bedeutet Kontext.
Bedeutet Differenzierung.
Bedeutet, Lebensrealitäten einzuordnen, nicht zu vereinfachen.

Die Menschen, über die wir sprechen, waren keine Datensätze.
Es waren Arbeiter, Bauern, Stadtmenschen, Vertriebene, Überlebende.
Menschen, die unter extremen Bedingungen Entscheidungen getroffen haben, oft nicht aus Ideologie, sondern aus Notwendigkeit.

Wenn heute gefragt wird, ob sich Verhalten über Generationen „ableiten“ lässt, muss man sehr vorsichtig sein.
Denn zwischen Korrelation und Kausalität liegt ein gewaltiger Unterschied.

Nur weil viele Menschen etwas ähnlich empfinden oder tun, heißt das noch lange nicht, dass es dieselbe Ursache hat.

Ein schönes Beispiel aus einer Diskussion dazu:
Zwei Menschen packen im Hotel ihren Koffer nicht aus.
Der eine kommt aus einer Familie mit Vertreibungsgeschichte, der andere nicht.

Gleiches Verhalten, völlig unterschiedliche Hintergründe.

Und genau deshalb wird es problematisch, wenn solche Fragebögen Zusammenhänge suggerieren, die so nicht belegbar sind.

Noch kritischer wird es, wenn historische Erfahrungen wie Flucht und Vertreibung mit heutigen politischen Fragestellungen vermischt werden.
Das sind unterschiedliche Kontexte. Unterschiedliche Zeiten. Unterschiedliche Realitäten.

Wer Ahnenforschung ernst nimmt, weiß:
Geschichte lässt sich nicht in Multiple-Choice-Antworten pressen.

Mein Appell deshalb:
Bitte nicht jeden Fragebogen ungeprüft teilen oder ausfüllen.

Fragt euch:
Wer stellt die Fragen?
Mit welchem Ziel?
Und wird hier wirklich geforscht oder eher interpretiert?

Unsere Familiengeschichten verdienen mehr als schnelle Schlüsse.

Sie verdienen Respekt, Einordnung und vor allem: Genauigkeit.

Ein vergilbtes Blatt, ein Stempel, ein schweres Wort: „Hochverrat“.Wenn man solche Akten zum ersten Mal in den Händen hä...
23/04/2026

Ein vergilbtes Blatt, ein Stempel, ein schweres Wort: „Hochverrat“.

Wenn man solche Akten zum ersten Mal in den Händen hält, entsteht sofort ein Bild. Ein großes, dramatisches. Aber genau hier beginnt die eigentliche Arbeit der Ahnenforschung: stehen bleiben, lesen, einordnen und hinter die Worte schauen.

In einer Strafakte aus dem Jahr 1924 tauchen drei Männer aus meinem erweiterten Familienumfeld auf:
Karl Norkus sowie die Brüder Ernst und Gustav Pahlke. Ihr Beruf: Maurer. Keine Funktionäre, keine bekannten politischen Köpfe, sondern einfache Arbeiter in einer Zeit, die alles andere als einfach war.

Die Weimarer Republik bedeutete für viele Menschen Unsicherheit:
Inflation, Arbeitslosigkeit, politische Spannungen. Für Arbeiter wie sie ging es nicht um Ideologie im abstrakten Sinn, sondern um etwas sehr Konkretes: Existenz, Perspektive, Zukunft.

Und dann liest man weiter.

Hausdurchsuchungen. Beschlagnahmte Unterlagen. Verhöre.
Der Vorwurf: Vorbereitung zum Hochverrat im Zusammenhang mit Kontakten im Umfeld der Kommunistischen Partei.

Ein schweres Wort. Ein Wort, das damals wie heute sofort bewertet.

Doch am Ende dieser Akte steht etwas ganz anderes:

Es konnte nichts nachgewiesen werden.
Kein Umsturzplan, keine organisierte staatsgefährdende Tätigkeit.
Das Verfahren wird eingestellt.

Was bleibt, ist ein anderes Bild:

Drei Männer, die sich offenbar mit Gedanken an Veränderung beschäftigt haben.
Die Kontakte hatten, Gespräche führten, unter anderem über die Möglichkeit, in die damalige Sowjetunion auszuwandern. Ein Thema, das in den 1920er Jahren viele bewegte: die Hoffnung auf ein besseres, gerechteres Leben.

Wenn man diese Akte liest, versteht man, wie wichtig es ist, Begriffe wie „Hochverrat“ nicht vorschnell zu übernehmen.
Sie sind Teil eines historischen Kontextes, geprägt von politischer Angst, gesellschaftlichen Umbrüchen und staatlicher Kontrolle.

Ahnenforschung bedeutet deshalb nicht nur, Daten zu sammeln.
Sie bedeutet, Geschichten zu verstehen, ohne sie zu verzerren.

Diese drei Männer waren keine „Staatsfeinde“ im einfachen Sinne.
Sie waren Menschen ihrer Zeit. Menschen, die unter schwierigen Bedingungen gelebt haben und die, wie viele andere auch, nach einem besseren Leben gesucht haben.

Und genau das macht solche Funde so wertvoll:
Sie zeigen uns, dass Geschichte selten schwarz-weiß ist.
Sondern voller Zwischentöne.







📜 Manchmal dauert Ahnenforschung und wir müssen geduldig sein.Im Mai 2023 habe ich eine Anfrage gestellt, es ging um ein...
10/04/2026

📜 Manchmal dauert Ahnenforschung und wir müssen geduldig sein.

Im Mai 2023 habe ich eine Anfrage gestellt, es ging um eine Lastenausgleichsakte aus meiner eigenen Familiengeschichte.
Fast drei Jahre lang habe ich gewartet.

Und jetzt, im April 2026, halte ich sie endlich in den Händen:
👉 eine 420 Seiten starke Akte!

Solche Unterlagen sind für die Ahnenforschung ein echter Schatz.
Sie enthalten nicht nur Namen und Daten, sondern oft sehr viel mehr:

• vollständige Familienaufstellungen
• Angaben zu Besitz, Höfen und Lebensverhältnissen
• Hinweise auf Wohnorte vor und nach der Vertreibung
• und nicht selten auch beigefügte Originaldokumente wie Urkunden oder Testamente

Gerade diese Kombination macht Lastenausgleichsakten so wertvoll. Sie verbinden genealogische Daten mit konkreten Lebensumständen und geben einen tiefen Einblick in die Geschichte einer Familie.

Beim Durchsehen der Unterlagen bin ich auf eine mir bekannte Person gestoßen, allerdings unter einem anderen Familiennamen.

Für mich als Genealogin ist genau das ein spannender Moment:
Ein abweichender Name kann auf eine weitere Ehe hinweisen und damit auf eine bisher unbekannte Lebensphase, mögliche zusätzliche Verbindungen oder sogar neue Familienzweige.

Ein einziges Detail kann plötzlich neue Fragen aufwerfen und gleichzeitig viele Zusammenhänge erklären.

Ahnenforschung bedeutet oft, genau hinzuschauen, Zusammenhänge zu erkennen und auch kleine Abweichungen ernst zu nehmen.

Und manchmal braucht es dafür vor allem eines:
Geduld.

Sehr viel Geduld. 😉

„Wer sind diese Menschen?“Dieses Fotoalbum habe ich vor kurzem in einer Familie entdeckt.Wunderschöne alte Hochzeitsfoto...
14/03/2026

„Wer sind diese Menschen?“

Dieses Fotoalbum habe ich vor kurzem in einer Familie entdeckt.
Wunderschöne alte Hochzeitsfotos, Familienbilder, ganze Generationen.

Und doch gibt es ein großes Problem:

Kein einziges Foto ist beschriftet.

Keine Namen.
Keine Daten.
Keine Orte.

Nur Gesichter.

Für die Ahnenforschung sind solche Bilder eigentlich ein Schatz.
Aber ohne die Geschichten dazu werden sie irgendwann zu einem Rätsel.

Zum Glück lebt meine Schwiegermutter noch.
Ich habe mir fest vorgenommen, mich mit ihr zusammenzusetzen und herauszufinden, wer auf diesen Bildern zu sehen ist.

Denn ich erlebe es in meiner Arbeit immer wieder:
Familien erben Fotoalben, Briefe oder Dokumente –
aber die Menschen, die die Geschichten dazu kannten, sind bereits verstorben.

Und dann bleibt nur noch die Frage:

Wer war das?

📌 Deshalb mein kleiner Appell:

Fragt eure Eltern und Großeltern nach den Menschen auf alten Fotos.
Schreibt Namen, Orte und Jahreszahlen dazu.
Notiert kleine Geschichten.

Denn was heute selbstverständlich erscheint, kann morgen unersetzliches Familienwissen sein.

Und manchmal beginnt Ahnenforschung genau mit so einem Foto.

👉 Habt ihr auch alte Fotos zu Hause, bei denen niemand mehr weiß, wer darauf zu sehen ist?










10/03/2026

Aktuell werden historische NSDAP-Mitgliedslisten aus internationalen Archiven öffentlich zugänglich gemacht.
Für viele Menschen ergeben sich dadurch neue Recherchemöglichkeiten im Rahmen der Familien- und Ahnenforschung.

Die Zugänglichkeit solcher Quellen ist aus wissenschaftlicher und dokumentarischer Sicht wichtig, da sie historische Transparenz ermöglicht.

Gleichzeitig erfordert der Umgang mit diesen Informationen ein hohes Maß an Sorgfalt und Einordnung.

Ein namentlicher Eintrag in einer Mitgliederliste stellt zunächst lediglich einen Verwaltungsnachweis dar.
Er erlaubt keine unmittelbaren Rückschlüsse auf individuelle Motive, persönliche Überzeugungen, tatsächliches Verhalten oder eine mögliche Beteiligung an Verbrechen.

Historische Bewertungen dürfen nicht losgelöst vom jeweiligen zeitlichen Kontext erfolgen.
Die Lebensrealitäten in Diktaturen waren häufig geprägt von gesellschaftlichem Druck, beruflichen Abhängigkeiten, staatlicher Kontrolle, Propaganda sowie eingeschränkten Handlungsspielräumen.

Daraus folgt:

• Eine Mitgliedschaft allein ist kein ausreichender Beleg für persönliche Schuld.
• Eine fehlende Mitgliedschaft ist kein automatischer Beleg für Widerstand oder oppositionelle Haltung.
• Historische Biografien sind in der Regel komplex und vielschichtig.

Familiengeschichtliche Forschung sollte daher stets quellenkritisch, differenziert und ohne vorschnelle moralische Wertungen erfolgen.

Eine Einordnung historischer Fakten nach heutigen gesellschaftlichen Maßstäben greift häufig zu kurz und wird der Komplexität individueller Lebenssituationen nicht gerecht.

Ziel verantwortungsvoller Ahnenforschung ist nicht die vorschnelle Zuschreibung von Schuld oder Unschuld, sondern die möglichst sachliche Rekonstruktion historischer Lebensumstände.













Dieses Foto ist in Klein Jerutten entstanden, in der Nähe von Ortelsburg.Hier liegt mein Urgroßvater begraben.Er liegt n...
19/02/2026

Dieses Foto ist in Klein Jerutten entstanden, in der Nähe von Ortelsburg.
Hier liegt mein Urgroßvater begraben.
Er liegt noch immer in masurischer Erde.

Ich knie dort nicht als „Deutsche“.
Ich knie dort als Urenkelin.
Als Nachfahrin einer Familie, die über Jahrhunderte in dieser Region gelebt hat – und sie 1945 verlassen musste.

Ich will kein Land zurück.
Ich will keine Grenzen verschieben.
Ich will keine politischen Debatten gewinnen.

Ich wünsche mir nur eines:
Dass wir lernen, Erinnerung nicht als Bedrohung zu sehen.

Vor 1945 lebten in Masuren Menschen.
Mit eigener Sprache, eigener religiöser Prägung, eigener Kultur.
Viele von ihnen haben alles verloren.
Und ebenso haben viele polnische Familien ihre Heimat im Osten verloren und mussten neu anfangen.

Wir teilen mehr, als wir manchmal wahrhaben wollen:
Krieg.
Verlust.
Vertreibung.
Neuanfang.

Niemand von uns heute Lebenden hat diese Entscheidungen getroffen.
Wir sind die Nachgeborenen.
Wir tragen keine Schuld – aber wir tragen Verantwortung, wie wir heute miteinander umgehen.

Wenn wir beginnen, einander nicht mehr als „die Deutschen“ oder „die Polen“ zu sehen, sondern als Menschen mit Familiengeschichten, mit Gräbern, mit Erinnerungen –
dann verändert sich etwas.

Masuren war immer ein Grenzraum.
Und vielleicht liegt gerade darin seine Stärke.

Erinnerung ist kein Angriff.
Erinnerung ist Respekt.

Lasst uns Brücken bauen.
Lasst uns die Hand reichen.
Nicht um etwas zurückzufordern –
sondern um gemeinsam zu bewahren, was war, und würdevoll zu gestalten, was ist.



To zdjęcie powstało w Klein Jerutten, niedaleko Szczytna.
Tu spoczywa mój pradziadek.
Nadal w mazurskiej ziemi.

Nie klęczę tam jako „Niemka”.
Klęczę jako prawnuczka.
Jako potomkini rodziny, która przez setki lat żyła w tym regionie – i w 1945 roku musiała go opuścić.

Nie chcę odzyskiwać ziemi.
Nie chcę zmieniać granic.
Nie chcę wygrywać sporów politycznych.

Pragnę tylko jednego:
abyśmy nauczyli się nie traktować pamięci jako zagrożenia.

Przed 1945 rokiem na Mazurach żyli ludzie.
Mieli własną kulturę, język, tradycję religijną.
Wielu z nich straciło wszystko.
Tak samo jak wiele polskich rodzin straciło swoją ojczyznę na wschodzie i musiało zaczynać od nowa.

Łączy nas więcej, niż nam się wydaje:
wojna.
strata.
wysiedlenie.
nowy początek.

Nikt z nas, żyjących dzisiaj, nie podejmował tamtych decyzji.
Nie ponosimy winy – ale ponosimy odpowiedzialność za to, jak dziś ze sobą rozmawiamy.

Jeśli przestaniemy widzieć w sobie „Niemców” i „Polaków”,
a zaczniemy widzieć ludzi z historią rodzin, z grobami przodków, z pamięcią –
coś się zmieni.

Mazury zawsze były pograniczem.
I może właśnie w tym tkwi ich siła.

Pamięć nie jest atakiem.
Pamięć jest wyrazem szacunku.

Budujmy mosty.
Podajmy sobie rękę.
Nie po to, by coś odzyskiwać –
lecz po to, by wspólnie zachować przeszłość i z godnością kształtować teraźniejszość

14/02/2026

14. Februar.
Valentinstag.

Heute wäre mein Vater 80 Jahre alt geworden.

Seine Lebensgeschichte steht stellvertretend für viele Geschichten, die in den letzten Kriegsmonaten begonnen haben.
Für Kinder, die unter Umständen gezeugt wurden, über die später geschwiegen wurde.
Für Mütter, die Entscheidungen treffen mussten, um in einer schweren Zeit weiterleben zu können.
Für Männer, die als Väter eingetragen wurden, obwohl sie es vielleicht nicht waren.
Und für Kinder, die spürten: Irgendetwas stimmt hier nicht.

Auch mein Vater hat dieses Gefühl sein Leben lang begleitet.
Es blieb eine leise Frage in ihm – ohne Antwort.

Erst nach seinem Tod begann ich zu verstehen, wie wahr dieses Gefühl gewesen ist.
Puzzleteile fügten sich zusammen, Aussagen von Verwandten, Dokumente, DNA.
Langsam entstand ein anderes Bild seiner Herkunft.

Ich hätte ihm gewünscht, dass er diese Gewissheit noch selbst erlebt hätte.
Dass er hätte sagen können: Ich habe mich nicht geirrt.

Aber manchmal brauchen Wahrheiten ihre Zeit.
Manchmal sogar Generationen.

Vielleicht erzähle ich seine Geschichte heute auch deshalb.
Weil sie zeigt, wie tief Krieg in Familien hineinwirkt.
Wie Biografien zurechtgerückt, angepasst oder neu erfunden wurden, um weiterleben zu können.
Und wie stark dennoch das innere Wissen bleibt, dass es da noch mehr gibt.

Ich bin den Weg gegangen.
Ich habe gesucht.
Ich habe gefunden.

Nicht, um Schuldige zu benennen.
Sondern um Menschen ihren Platz zu geben.

Und vielleicht beginnt Frieden manchmal genau dort, wo wir den Mut finden, die alten Fragen noch einmal anzuschauen.

🧬 Wenn ein Name fehlt – und warum wir manchmal an Grenzen stoßenIn vielen genealogischen Gruppen wurde in den letzten Ta...
03/02/2026

🧬 Wenn ein Name fehlt – und warum wir manchmal an Grenzen stoßen

In vielen genealogischen Gruppen wurde in den letzten Tagen die dreiteilige ZDF-Doku "German Guilt" von Thilo Mischke und Boris Quatram geteilt. Ein starker Impuls.
Ein Aufruf, sich auf den Weg zu machen, die eigene Familiengeschichte zu hinterfragen – gerade auch dort, wo es weh tut.

Ich finde diese Doku wichtig. Und ich finde sie richtig gut gemacht.

Und gleichzeitig möchte ich etwas ergänzen, was in der Diskussion oft untergeht:

Es gibt Fälle, in denen selbst sehr gründliche Familienforschung an ihre Grenzen stößt. Nicht, weil wir nicht suchen. Sondern weil Geschichte aktiv gelöscht wurde.

Ich forsche seit rund 30 Jahren genealogisch, bin zertifizierte Genealogin und arbeite seit vielen Jahren auch für andere Familien. Und doch gibt es einen Fall in meiner eigenen Familie, der bis heute offen ist.

Mein Großvater war vor seiner Ehe mit meiner Oma bereits verheiratet. Mehrere Personen aus unterschiedlichen Familienzweigen erinnern sich unabhängig voneinander an diese erste Frau. Ein Großcousin konnte sich sogar an die Hochzeit in der Kirche in Ortelsburg (Ostpreußen) erinnern. Auch in der Familie meiner Großmutter war bekannt: „Der war schon einmal verheiratet.“

Und trotzdem:
In der späteren Heiratsurkunde wird mein Großvater als ledig geführt.
Nicht verwitwet. Nicht geschieden. Ledig.

Diese erste Frau verschwindet vollständig aus den Akten.

Alles, was sich rekonstruieren lässt, deutet darauf hin, dass sie in die Pflege- und Heilanstalt Allenstein-Kortau eingewiesen wurde – eine der Einrichtungen, in denen im Rahmen der NS-„Euthanasie“ (T4) systematisch Menschen ermordet wurden.
Akten wurden vernichtet. Register sind lückenhaft. Kirchenbücher brechen ab. Eine Heiratsurkunde existiert nicht mehr.

Ich habe gesucht:
Standesamtsregister vor- und rückwärts gelesen.
Kirchenbücher ausgewertet.
Wehrmachtsunterlagen geprüft.
Archive kontaktiert, auch Arolsen.
Ortsgeschichte rekonstruiert.
Sozialen Kontext untersucht.

Was bleibt, sind Fragmente. Erinnerungen. Leerstellen.

Und genau das ist kein Zufall, sondern Teil des Verbrechens.
Diese Menschen sollten nicht nur sterben – sie sollten nicht mehr erinnert werden.

Die Doku zeigt, was möglich wird, wenn Öffentlichkeit, Journalismus und institutionelle Zugänge zusammenkommen.
Sie zeigt aber auch – unausgesprochen –, dass viele Familien mit ihren Fragen allein bleiben. Selbst dann, wenn sie alles „richtig“ machen.

Warum schreibe ich das?

Weil es diese Geschichten gibt.
Weil sie nicht abgeschlossen sind.
Und weil Erinnerungskultur nicht dort enden darf, wo Akten fehlen.

Meine Aufgabe als Familienforscherin sehe ich nicht nur darin, Namen zu finden – sondern auch darin, auf die Lücken hinzuweisen, die geblieben sind.

Vielleicht ist genau das der nächste Schritt nach dieser Doku:
Nicht nur zu suchen, sondern auch zu fragen, warum manche Namen bis heute fehlen.





Neue Kirchenbücher bei Archion 🙏 und endlich Wimmelburg 😍 bei einer ersten Schau konnte ich in der väterlichen Linie wei...
03/12/2024

Neue Kirchenbücher bei Archion 🙏 und endlich Wimmelburg 😍 bei einer ersten Schau konnte ich in der väterlichen Linie weitere Ahnen finden. Die nächsten Tage mit intensiver Suche werden toll 🥳

NEUE KIRCHENBÜCHER BEI ARCHION

In den vergangenen 7 Tagen sind 707 Kirchenbücher aus diesen Orten online gegangen:

Baiersdorf
Erlangen-Johanneskirche (Alterlangen)
Erlangen-Martin-Luther-Kirche (Büchenbach)
Erlangen-Neustadt
Herzogenaurach
(Landeskirchliches Archiv der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern)

Abberode
Annarode (St. Anna)
Baben
Bertkow
Beyernaumburg (St. Urbanus)
Biesenrode (St. Bartholomäus)
Blankenheim (St. Lamberti)
Bornstedt (St. Pankratius)
Borstel
Breitenbach (St. Martin)
Breitenstein (St. Margarethen)
Brücken (St. Ägidius)
Calberwisch
Dankerode (Kirche "Unser Lieben Frauen")
Dobberkau
Edersleben (St. Bartholomaei)
Eichstedt
Emseloh (St. Marien)
Friesdorf (St. Martin)
Garlipp
Gerbstedt (Johannes der Täufer)
Goldbeck
Gonna (St. Margarethen)
Gorenzen (St. Laurentius)
Greifenhagen
Groß Schwechten
Großleinungen (St. Michaelis)
Hackpfüffel (Militär)
Hindenburg
Hohlstedt (St. Andreas)
Holdenstedt (St. Petri und Pauli)
Holzhausen
Horla
Iden
Jarchau
Katharinenrieth (St. Katharinen)
Königerode (St. Andreas)
Königsmark
Könnigde
Kremkau
Krusemark
Kuhlhausen
Lengefeld (St. Nicolai)
Liedersdorf (St. Cyriakus)
Lochwitz (Pancratius)
Lutherstadt Eisleben (St. Andreas)
Lutherstadt Eisleben (St. Annen)
Lutherstadt Eisleben (St. Nicolai)
Lutherstadt Eisleben (St. Spiritus Hospitalkirche)
Mansfeld (St. Georg und Schlosskirche)
Martinsrieth (St. Martin)
Möllendorf
Molmerswende
Neuendorf am Damm
Neuendorf am Speck
Nienstedt (St. Laurentius)
Oberröblingen/Helme (St. Andreas)
Obersdorf
Peulingen
Piskaborn (St. Nicolaus)
Polleben (St. Stephanus)
Pölsfeld (St. Mauritius)
Poritz
Rengerslage
Riestedt (St. Wigberti)
Riethnordhausen (St. Jacobi)
Röblingen am See, Unterröblingen (St. Nicolai)
Rochau
Rohrbeck
Rotha
Sandau (St. Laurentius)
Sangerhausen
Sangerhausen (katholische Missions Pfarre)
Sangerhausen (Militär Garnison)
Sangerhausen (St. Jacobi)
Sangerhausen (St. Ulrici)
Schorstedt und Schartau
Schwenda (St. Cyriaci, St. Nikolai)
Siersleben (St. Andreas)
Sotterhausen (St. Georgen)
Stendal (Dom St. Nikolaus)
Stendal (Dom, St. Nikolaus und Militärgemeinde)
Stendal (Evangelisch-reformierte Gemeinde)
Stendal (Militärgemeinde)
Stendal (St. Marien)
Tangermünde (St. Stephan)
Uchtenhagen
Wallhausen (St. Petri-Pauli)
Walsleben
Wimmelburg (St. Cyriaci)
Wippra (St. Marien)
Wolfsberg
(Landeskirchenarchiv der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland/Magdeburg)

Die ganz neuen Digitalisate finden Sie immer im Menüpunkt News: https://www.archion.de/de/news/neue-digitalisate/

In Sasek Maly (Paterschobensee) auf dem Friedhof haben fleißige Hände den Zaun gesetzt. Ich berichte darüber im aktuelle...
21/09/2024

In Sasek Maly (Paterschobensee) auf dem Friedhof haben fleißige Hände den Zaun gesetzt. Ich berichte darüber im aktuellen Arbeitsbericht der AGOFF.

16/07/2024

NEUE KIRCHENBÜCHER BEI ARCHION

In den vergangenen 7 Tagen sind 140 Kirchenbücher aus diesen Orten online gegangen:

Kirch Grubenhagen
Kirch Mulsow
Kittendorf Sülten
Klaber Groß Wokern
Kladow
Kladrum
Kölzow
Körchow
Krakow
Kratzeburg
Kratzeburg Granzin Krienke
Kritzkow mit Weitendorf
Kröpelin
Kublank
Kuhlrade
Lambrechtshagen
Lanken
Lärz Boek
Lärz Rechlin Retzow Roggentin
Levin
Lübow
Lübsee
Lübtheen
Lübz Lutheran
Lüdershagen Lübsee
Ludwigslust
Ludwigslust Garnison
Ludwigslust Stift Bethlehem
Malchin
Malchow Kloster
Malchow Kloster Lexow
Marlow
Mirow
Mölln Kl. Helle Gädebehn
Mühlen Eichsen
Neese Werle
Neubrandenburg St. Marien
Neukirchen
Neustadt Glewe
Neustadt Glewe Lüblow
Neustadt Glewe Wehrmacht
Pampow
Parchim St. Georg
Parchim St. Marien
Parum bei Wittenburg
Petschow
Pinnow
Prestin, Wamckow
Rambow
Recknitz
Rehna
Rethwisch
Retschow
Ribnitz Stadt
Rittermannshagen
Roggendorf
Rostock Gehlsheim
Rostock St. Catharinen
Rostock St. Jakobi
Rostock St. Marien
(Landeskirchliches Archiv der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland)

Die ganz neuen Digitalisate finden Sie immer im Menüpunkt News: https://www.archion.de/de/news/neue-digitalisate/

Adresse

Eschershausen

Benachrichtigungen

Lassen Sie sich von uns eine E-Mail senden und seien Sie der erste der Neuigkeiten und Aktionen von Die Ahnensucherin erfährt. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht für andere Zwecke verwendet und Sie können sich jederzeit abmelden.

Die Praxis Kontaktieren

Nachricht an Die Ahnensucherin senden:

Verknüpfungen

Teilen

Kategorie