31/08/2026
Wer Asanas unterrichtet, sollte sich nicht nur mit der Anatomie und der Biomechanik auskennen, sondern auch mit der Physiologie. Allein, um Effekte einschätzen zu können, die bei den von ihm unterrichteten Menschen spontan auftreten, geschweige denn, um gewollte Effekte hervorzurufen und deren Auftreten zu evaluieren. Vereinfacht klassifiziert man Anatomie als die Lehre des Vorhandenen, Physiologie als die Lehre davon, wie das Vorhandene funktioniert und Pathologie als die Lehre davon, wie und warum das schiefgehen kann und was man dann tut. Muskelermüdung und Muskelversagen sind, anders als Muskelkrampf, Muskelzerrung und Muskelriss, nicht pathologisch sondern Erscheinungen in der Physiologie. Versagen ist ein sehr kurzfristiges Erschöpfen von intramuskulären Energiereserven, was bei entsprechend schweren Lasten sehr schnell auftritt, im Krafttraining bei hohen Gewichten meist bei unter 10 Wiederholungen oder, wenn das Gewicht hoch genug ist, auch schon bei einer oder sogar während dieser Wiederholung. Man kategorisiert in konzentrisches, isometrisches und exzentrisches Versagen, die sich im Experiment auch in diese Abfolge auch provozieren lassen. Muskelermüdung hingegen ist eine gemessen am Stoffwechsel über die Zeit unzureichende Sauerstoffversorgung, die zu deutlich langsamerem Leistungseinbruch und vor allem zu vermehrtem lokalem Anfall von Laktat und Wasserstoff-Ionen führt. Letztere verursachen das bekannten Muskelbrennen. Muskelversagen hingegen zeigt dieses nicht. Eine hinreichende Nähe zum Muskelversagen im Training führt zu Kraftzuwachs und Hypertrophie, Muskelermüdung hingegen so gut wie gar nicht, hier wird vor allem ein Reiz für bessere Vaskularisierung gesetzt, also die Kraftausdauer verbessert und nicht die Maximalkraft und die Muskelmasse.
Das ist Grundwissen der Trainingsphysiologie und sollte von jedem beherrscht werden, der sich mit der aktiven Benutzung des Bewegungsapparates beschäftigt.