04/06/2026
💥Neue Publikation:
Phosphoryliertes mTOR – Immunhistochemisch kontrollierte Anwendung von Temsirolimus bei rezidivierendem IDH-Wildtyp-Glioblastom: eine retrospektive Fallserie aus der klinischen Praxis
🧠Warum wurde diese Studie gemacht?
Das Glioblastom (IDH-Wildtyp) ist ein aggressiver Hirntumor, der fast immer zurückkehrt (Rezidiv). Da die Behandlungsmöglichkeiten nach einem Rückfall sehr begrenzt sind, brauchen wir dringend neue, individuell zugeschnittene Therapien.
Ziel der Studie war es zu untersuchen, ob der Wirkstoff Temsirolimus (ein mTOR-Inhibitor) wirksam ist, wenn er gezielt bei Patienten eingesetzt wird, deren Tumoren eine Aktivierung des mTOR-Signalwegs aufweisen.
🧠Wie wurde diese Studie gemacht?
Es handelte sich um eine retrospektive „Real-World“-Studie am Universitätsklinikum Essen. Dabei wurden Gewebeproben von 11 Patienten mit einem rezidivierenden Glioblastom mittels Immunhistochemie auf ein spezifisches Protein (phosphoryliertes mTOR, kurz p-mTOR) untersucht. Nur Patienten, bei denen mehr als 10 % der Tumorzellen dieses Protein aufwiesen, erhielten wöchentlich 25 mg Temsirolimus. Anschließend haben wir ausgewertet, wie lange die Erkrankung unter der Therapie stabil blieb (progressionsfreies Überleben, PFS), wie lange die Patientinnen und Patienten insgesamt lebten (Gesamtüberleben, OS) und wie gut sie die Behandlung vertrugen.
🧠Was ist das Studienergebnis?
Unter der Therapie blieb die Erkrankung im Mittel 4,3 Monate stabil; nach sechs Monaten war bei etwa 36,5 % der Patientinnen und Patienten noch kein Fortschreiten zu sehen (PFS-6). Das mittlere Gesamtüberleben ab der Erstdiagnose lag bei 27,4 Monaten. Bei drei Patientinnen und Patienten ließ sich die Erkrankung stabilisieren. Die Nebenwirkungen waren meist moderat und betrafen vor allem das Blutbild (z. B. Mangel an Lymphozyten oder Blutplättchen) sowie erhöhte Leberwerte, was dem bekannten Profil von Temsirolimus entspricht.
🧠Was bedeutet das?
Die Auswertung deutet darauf hin, dass eine biomarker-gesteuerte Behandlung mit Temsirolimus beim rezidivierenden Glioblastom ein Aktivitätssignal zeigt. In dieser kleinen, retrospektiven Fallserie erschienen die Ergebnisse günstiger als historische Daten zu Therapien wie Regorafenib oder Lomustin; ein direkter Vergleich ist daraus allerdings nicht ableitbar.
Diese Studie spricht dafür, den p-mTOR-Status als Auswahlkriterium für Patienten in größeren, prospektiven klinischen Studien weiter zu untersuchen, um die Behandlung des Glioblastoms zu präzisieren.
Hier der Link zur englischen Veröffentlichung:
https://link.springer.com/article/10.1007/s00432-026-06464-2