03/09/2026
Pressemitteilung, 03.09.2026
Podiumsdiskussion zur Zukunft der Pflege in Göttingen:
„Die Einsicht, dass das PNOG verändert werden muss, ist da – jetzt müssen Taten folgen!“
Unter dem Titel „Fokus Pflege: Sind Versorgungslücken (un-)vermeidbar?“ diskutierten Andreas Kern, Bundesvorsitzender des bad e.V., Fritz Güntzler MdB (CDU), Katrin Staffler MdB (CSU) und Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung sowie Nicole Glöckner, Pflegedienstleitung des Gemeindepflegedienstes Göttingen Nord e. V., über die Zukunft der pflegerischen Versorgung – insbesondere über das im Gesetzgebungsverfahren befindliche Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG).
Die Veranstaltung stieß auf großes Interesse: Unter den rund 70 Besucherinnen und Besuchern war gut die Hälfte selbst in der Pflege tätig. Für den bad-Vorsitzenden Andreas Kern war die Veranstaltung vor allem deshalb ein Erfolg, weil es gelungen sei, die Perspektiven und konkreten Probleme der Pflegepraxis unmittelbar mit Vertreterinnen und Vertretern der Bundespolitik zu diskutieren. „Ich habe an diesem Abend mehrfach meinen Lieblingssatz gehört: ‚Sie haben recht, Herr Kern‘“, berichtet Kern. Sowohl Fritz Güntzler als auch Katrin Staffler hätten bei zahlreichen Forderungen des bad e.V. Zustimmung signalisiert. „Das zeigt: Kern machte in der Diskussion deutlich, dass die Herausforderungen der Pflege nicht mit einzelnen Änderungen oder kurzfristigen Maßnahmen zu lösen sind.
„Die Pflege muss grundlegend reformiert werden. Wir brauchen einen großen Wurf statt lediglich ein Sparpaket! Statt Leistungen einzuschränken, müssten die eigentlichen Finanzierungsprobleme der Pflegeversicherung angegangen werden. Dazu gehören:
- die vollständige Erstattung der pandemiebedingten Aufwendungen der sozialen Pflegeversicherung durch den Bund,
- die Finanzierung versicherungsfremder Leistungen, insbesondere der Rentenversicherungsbeiträge für pflegende An- und Zugehörige, künftig aus Steuermitteln,
- eine Zusammenlegung oder ein fairer Ausgleich zwischen sozialer und privater Pflegeversicherung,
- eine Reduktion der Anzahl der Kranken- und Pflegekassen sowie
- die Einführung einer freiwilligen gesetzlichen Pflegevollversicherung der SPV
Und bei dieser Reform müssen alle Protagonisten an einen Tisch – vor allem diejenigen, die täglich für die Versorgung der Menschen einstehen.“
Auch die Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung Katrin Staffler zeigte sich offen für die von Kern angesprochenen Punkte. Auf zahlreiche Forderungen des bad e.V. hatte sie mit den Worten reagiert: „Da sind wir dran. Da wird sich noch etwas tun.“ Für Kern ist das ein wichtiges Signal: „Nun muss die Politik beweisen, dass sie die Erfahrungen der Praxis tatsächlich in ihre Entscheidungen einfließen lässt.“
Der Gastgeber des Abends, Bundestagsabgeordneter Fritz Güntzler, zeigte sich nach Einschätzung des bad e.V. beeindruckt von der Komplexität und Emotionalität des Themas Pflege. Gerade der direkte Austausch mit Praktikern habe deutlich gemacht, wie weitreichend politische Entscheidungen die tägliche Arbeit und damit letztlich die Versorgung der Menschen beeinflussen.
„Unser Dank gilt allen Beteiligten und insbesondere den vielen Pflegekräften, die sich an der Diskussion beteiligt haben“, so Kern. „Wir nehmen aus der Veranstaltung mit, dass unsere Argumente gehört werden. In Richtung Berlin senden wir deshalb noch einmal ein klares Signal: Der bad e.V. ist bereit, sich konstruktiv und mit seiner Expertise in den politischen Diskurs einzubringen. Wir erwarten aber auch, dass die Erfahrungen und Forderungen der Praxis bei den anstehenden Entscheidungen tatsächlich berücksichtigt werden.“