15/02/2026
In der Psychotherapie und Beratung begegnet mir immer wieder eine einfache Frage:
🌿Was nähre ich in mir?
Eine Geschichte aus der mystischen Tradition – im Sufismus wie auch im Buddhismus – bringt sie auf besondere Weise zum Ausdruck:
In einem Dorf lebten zwei Männer.
Der eine war stolz auf seine Disziplin. Er wusste genau, was richtig war – und wer hinter seinen Maßstäben zurückblieb. Mit den Jahren wurde sein Blick enger.
Der andere kämpfte mit sich selbst. Er scheiterte oft. Doch er verlor seine Sehnsucht nicht – den Wunsch, ein gütigerer Mensch zu werden.
Als beide starben, setzte sich fort, was sie genährt hatten.
Der eine blieb gebunden an seine Selbstgewissheit.
Der andere fand Raum, weiterzugehen.
💦Nicht jede Schwäche führt in die Irre.
Und nicht alles, was als stark erscheint, führt in die Weite.
Entscheidend ist, ob wir unsere Sehnsucht aus den Augen verlieren –
oder ob wir ihr eine Richtung geben.
Eine Absicht kann uns verhärten, wenn wir sie zum Maßstab für andere machen.
Sie kann uns öffnen, wenn sie uns daran erinnert, wer wir sein möchten.
🎨Was nährst du – Tag für Tag?
Und führt es dich in Enge oder in Weite?
Angeregt wurde dieser Text durch die Geschichte „The Saint and the Sinner“ aus 📖Wisdom of the Idiots von Idries Shah (S. 75). Das Buch ist über die Idries Shah Foundation frei zugänglich – https://idriesshahfoundation.org/pdfviewer/wisdom-of-the-idiots/?auto_viewer=true =&zoom=auto&pagemode=none