07/07/2026
Pferde brauchen Abenteuer…
… stand mal als Überschrift auf einem Facebookartikel und darunter beschrieb eine Dame einen Aufbruch zu einem Wanderritt.
Ich frage mich, ob die Pferde wirklich das Abenteuer brauchen oder auch einfach damit zufrieden sind, auf riesengroßen Weiden hin und her zu ziehen.
Ich muss jedenfalls nicht auf einen mehrtägigen Wanderritt gehen, um das Abenteuer zu erleben, ich erlebe es täglich vor meiner Haustür.
An dieser Stelle sei kurz erwähnt, dass ich bereits mehrere 4 tägige Wanderritte in meinem Leben organisiert und durchgeführt habe und das ich 2005 von Kunnersdorf (Schöpstal) nach Potsdam geritten bin, um dort zum Tag der deutsche Einheit in einer Parade mitzureiten.
Nun zu den Abenteuern:
Prinzipiell ist für unsere neurodivergenten Pferde Kasimir und Marah bereits der Rasensprenger auf dem Sportplatz, an dem wir vorbereiten ein Abenteuer, bei dem Kasimir gern lieber wieder nach Hause geht.
Wir haben einen schönen Mischwald vor der Haustür, in dem sich Rehe tummeln und seit neuestem auch wieder ein Wildschwein, eine Begegnung zwischen Pferd und Schwein ist für die Pferde seeeeeeeeehr aufregend. Muss man mal erlebt haben.
Und dann gibt es noch Rudi. In der kurzen Woche um Pfingsten rum, traf ich bei meiner morgendlichen Waldrunde auf einen Hund, besser: er traf mich. Irgendetwas hechelte an Marahs Hinterbeinen. Ein aufgeschlossener Junghund hatte sich entschieden bei uns mitzulaufen und weit und breit kein Mensch zu sehen. Gut im Wald kann man generell nicht so weit blicken, aber prinzipiell denke ich, wenn ich mit meinem Hund spazieren gehen würde, wäre mir Sichtkontakt schon wichtig. Da die Straße nur gut 20 Meter parallel zu uns verlief, war meine erste Idee: Weiterreiten. Mit freundlichen Worten forderte ich den Hund auf, mir zu folgen. Der fand das Klasse und auch Marah hatte nichts dagegen einzuwenden.
Während ich weiter in den Wald hinein ritt, überlegte ich angestrengt, was ich mit dem herrenlosen Hund jetzt mache. Wenig später hörte ich eine Hundepfeife. Ich reagierte darauf mit lautem Rufen, der Hund reagierte darauf gar nicht, warum auch, so ein Pferd ist deutlich interessanter.
Weitere 200m später erblickte ich die Hundeführerin und nun entschied sich auch Rudi (so hieß nämlich der Hund) zu ihr zu gehen und uns als neue Freunde vorzustellen.
Die Hundeführerin reagierte betroffen und leinte Rudi wieder an, dann erzählte sie mir, sie habe den Hund als Pflegestelle erst seit 3 Wochen und wenn der andere Hund dabei ist (sie hatte noch einen 2.Hund) dann rennt er auch nicht weg. Außerdem meinte sie noch, dass sie sich sehr gefordert mit diesem Hund fühle.
Ich verkniff mir sämtliche gut gemeinten Kommentare bezüglich Brut- und Setzzeit und den Sinn einer Schleppleine und macht sie lediglich darauf aufmerksam, dass der Hund der stark befahrenen S111 sehr nahe gekommen war und hoffte, dass sie ihre eigenen Schlüsse zog.
Ich verabschiedete mich höflich und ritt weiter in Richtung Kunnerwitz. Ca 1,5 Kilometer später, kurz bevor ich die Koppeln erreichte, hatte mich Rudi wieder leinenlos eingeholt.
Seufz. Diesmal ging ich wortlos weiter meiner Wege und Rudi verabschiedete sich kurz darauf wieder gut gelaunt von uns. Was soll ich dazu sagen?
Zwei Tage später war ich mit Naomi an der selben Stelle unterwegs, diesmal jedoch fand es Rudi supertoll aus dem Gebüsch von hinten in uns reinzubrettern. (Ich muss nicht erwähnen, dass wieder keine Leine an dem Hund war) Naomi quittierte das mit 4 Sätzen nach vorn.
Innerlich dankte ich Naomi für ihre beherrschte Art damit umzugehen und mit eine resignierten Seufzer ritt ich im Schritt weiter.
Einen anderen Tag trafen wir eine Kindergruppe im Wald, die Marahs Welt aus den Fugen geraten ließ, aber durch gemeinschaftliche Kommunikation, einen sehr vorausschauenden und umsichtigen Erzieher und 15 Leckerlies haben wir auch diese Problem ohne Komplikationen gelöst.
Ebenso haben zwei Hundespaziergängerin auf dem Zubringer zum Berzdorfer See Marahs Grundfeste erschüttert. Diesmal wirklich gute erzogenen Hunde, die uns aus reichlichen Abstand entgegenkamen. Eigentlich gab es für mich keinen ersichtlichen Grund warum Marah das gruselig fand, da uns auf dieser Strecke bereits mehrfach Hunde, Radfahrer, Autos, Wohnmobile und Enten begegnet sind. Jedoch sah Marah Hund und Mensch von weitem und verfiel ins Freeze. Der Hals war festgetackert und in Beton gegossen, mit jedem Schritt mit dem die “Gefahr” auf der anderen Straßenseite näher kam, wuchs in ihr der Wunsch, die Richtung um 180° zu ändern. Selbst nach dem Absteigen konnte ich die Leckerlies nur als Globulis in die Unterlippe drücken, weil sich an dem Pferd immer noch nichts bewegte.
Irgendwie kam sie dann wieder zu sich während ich mich als Schild vor ihr aufbaute und wir konnten gemeinsam den Weg fortsetzen.
Und wenn nicht irgendwelche Begegnungen der anderen Art unsere Ritte aufregend machen, dann die Natur selbst. Da unser Ausreitgebiet kein Forst sondern ein naturnahen Mischwald ist, haben wir auch einige “Witwenmacher” drohend über unseren Wegen hängen. Sturm, Regen und Zerfall sorgen dafür, dass sich die Umgebung regelmäßig ändert.
Und so stapfen unsere Pferde über umgestürzte Baumstämme, wir müssen uns unter tiefhängenden Ästen durchschieben und manchmal auch einen Weg durch neu entstandenes Dickicht bahnen, wenn eine Baumkrone auf dem Weg gelandet ist. Blöd nur wenn unser einäugiger Quintus dann rechts die Äste nicht sieht und dort sehenden Auges unsererseits hineinschwankt. Beim letzten Ausritt sorgte seine begriffsstutzige Art für ausreichend Gelächter.
Nun ja um den Satz eingangs wieder aufzugreifen denke ich, Pferde benötigen dosiert Reize um sich zu zuverlässigen Geländepartnern zu entwickeln. Das Abenteuer liegt meiner Meinung nach direkt vor der Haustür.