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"Wenn Du Deinen Tanz nicht tanzt, wer soll ihn für Dich tanzen?"

Die Psychologisierung des normalen LebensNoch ein paradoxes Phänomen kommt hinzu: Je mehr psychologische Begriffe in die...
28/08/2026

Die Psychologisierung des normalen Lebens

Noch ein paradoxes Phänomen kommt hinzu: Je mehr psychologische Begriffe in die Alltagssprache gelangen, desto häufiger werden normale menschliche Erfahrungen möglicherweise psychopathologisch interpretiert.

Nicht jede Traurigkeit ist eine Depression.
Nicht jede Unsicherheit ist eine Angststörung.
Nicht jeder schwierige Mensch ist narzisstisch.
Nicht jede schmerzhafte Erfahrung erfüllt die Kriterien eines Traumas.
Nicht jede Grenzsetzung ist „toxisch“.

Psychologische Sprache kann Menschen helfen, Erfahrungen zu verstehen. Sie kann aber auch dazu verführen, immer feinere Störungen an sich selbst und anderen zu entdecken.

Damit entsteht eine eigentümliche Situation: Eine Gesellschaft verfügt über immer mehr psychologisches Vokabular – und erlebt sich gleichzeitig möglicherweise als immer verletzlicher.

Das bedeutet keineswegs, dass psychische Erkrankungen bloß eingeredet wären. Sie sind real und können schweres Leiden verursachen. Die WHO weist zugleich darauf hin, dass trotz wirksamer Behandlungsmöglichkeiten ein großer Teil der Betroffenen keinen Zugang zu angemessener Versorgung erhält. Diese Aussage beschreibt eine Versorgungslücke; sie beweist nicht, dass jede verfügbare Behandlung bei jeder Person wirksam ist. (Weltgesundheitsorganisation⁠)

Informationsüberfluss und Versorgungslücke können also gleichzeitig existieren.

Selbstoptimierung kann selbst zum Stressor werden

Viele populärpsychologische Angebote transportieren außerdem unterschwellig eine Botschaft:

Du könntest dich besser regulieren.
Du könntest resilienter sein.
Du könntest deine Glaubenssätze verändern.
Du könntest deine Morgenroutine optimieren.
Du könntest endlich „die beste Version deiner selbst“ werden.

Was ursprünglich Hilfe verspricht, kann damit einen neuen Leistungsbereich schaffen: die eigene Psyche.

Dann wird selbst das Unglücklichsein zum persönlichen Optimierungsversagen.

Gesellschaftliche Ursachen psychischer Belastung geraten dabei leicht aus dem Blick: Einsamkeit, ökonomische Unsicherheit, Arbeitsverdichtung, Zukunftsängste, soziale Fragmentierung, permanente digitale Erreichbarkeit oder fehlende tragfähige Gemeinschaften lassen sich nicht vollständig wegatmen, wegmeditieren oder durch ein besseres Mindset beseitigen.

Psychische Gesundheit ist eben nicht ausschließlich eine individuelle Kompetenz.

Sie hat auch soziale Bedingungen.

Selbstoptimierung kann selbst zum Stressor werdenViele populärpsychologische Angebote transportieren außerdem unterschwe...
26/08/2026

Selbstoptimierung kann selbst zum Stressor werden

Viele populärpsychologische Angebote transportieren außerdem unterschwellig eine Botschaft:

Du könntest dich besser regulieren.
Du könntest resilienter sein.
Du könntest deine Glaubenssätze verändern.
Du könntest deine Morgenroutine optimieren.
Du könntest endlich „die beste Version deiner selbst“ werden.

Was ursprünglich Hilfe verspricht, kann damit einen neuen Leistungsbereich schaffen: die eigene Psyche.

Dann wird selbst das Unglücklichsein zum persönlichen Optimierungsversagen.

Gesellschaftliche Ursachen psychischer Belastung geraten dabei leicht aus dem Blick: Einsamkeit, ökonomische Unsicherheit, Arbeitsverdichtung, Zukunftsängste, soziale Fragmentierung, permanente digitale Erreichbarkeit oder fehlende tragfähige Gemeinschaften lassen sich nicht vollständig wegatmen, wegmeditieren oder durch ein besseres Mindset beseitigen.

Psychische Gesundheit ist eben nicht ausschließlich eine individuelle Kompetenz.

Sie hat auch soziale Bedingungen.

Der entscheidende Unterschied: Beziehung

Hier liegt möglicherweise der größte blinde Fleck der boomenden Ratgeberkultur.

Menschen werden nicht nur durch Informationen geprägt, sondern durch Beziehungen. Viele psychische Schwierigkeiten entstehen oder manifestieren sich innerhalb von Beziehungserfahrungen – und können deshalb häufig auch in Beziehung besonders wirksam bearbeitet werden. Das ist eine theoretisch und klinisch plausible Perspektive, aber keine pauschale Aussage, wonach Beziehung allein jede psychische Schwierigkeit erklärt oder behandelt.

Die therapeutische Allianz gehört zu den am besten untersuchten Prozessfaktoren der Psychotherapieforschung. Meta-Analysen finden im Durchschnitt einen positiven Zusammenhang zwischen der Qualität der Allianz und dem Behandlungsergebnis, auch in Gruppentherapien. Dieser Zusammenhang ist jedoch nicht gleichbedeutend mit einem einfachen Kausalnachweis. Eine gute Allianz kann die Behandlung unterstützen; zugleich können frühe Symptomverbesserungen, gemeinsame Erwartungen, Patienteneigenschaften oder die Kompetenz der Therapeutin beziehungsweise des Therapeuten sowohl die Allianz als auch das Ergebnis beeinflussen. Die Allianz ist daher ein wichtiger, aber nicht isoliert wirksamer Faktor und kein Beleg dafür, dass Beziehung unabhängig von Methode oder Indikation immer den entscheidenden Unterschied macht. (APA⁠)

Eine therapeutische Beziehung bietet etwas grundsätzlich anderes als Content.

Ein Video reagiert nicht auf meinen Rückzug.

Ein Podcast bemerkt nicht, dass ich über meine Gefühle brillant spreche, um sie nicht fühlen zu müssen.

Ein Ratgeber wird nicht ärgerlich, berührt, ratlos oder nachdenklich über das, was zwischen uns geschieht.

Und ein Algorithmus lebt keine Beziehung mit mir, in der alte Muster tatsächlich sichtbar werden.

Gerade darin liegt ein Teil der therapeutischen Kraft realer Begegnung: Ein Mensch erfährt sich nicht nur denkend, sondern im Kontakt mit einem anderen Menschen. Das ist eine plausible Beschreibung eines möglichen Wirkmechanismus, keine Garantie für Erfolg und kein Ersatz für die Frage, welche Behandlung für welches Problem empirisch angemessen ist.

Warum so viel psychologischer Rat offenbar so wenig hilftTeil 2Aus meiner praktischen Erfahrung:Wer Hilfe in den soziale...
26/08/2026

Warum so viel psychologischer Rat offenbar so wenig hilft

Teil 2

Aus meiner praktischen Erfahrung:
Wer Hilfe in den sozialen Medien sucht, switched häufig zwischen verschiedenen Anbietern hin und her. Kontinuität und ausreichende vertrauensvolle Erfahrungen sind eher selten, und Prozesse werden wenig vertiefend verfolgt.
Ein bisschen dies, ein wenig das, und weiter, wenn es mir nicht den gewünschten Erfolg bringt.
Weniger Wachstum und Reifung, mehr Quanität und Auswahl.

Auch digitale Angebote können helfen – aber nicht jedes Angebot ist Therapie

Man sollte deshalb digitale psychologische Angebote nicht pauschal abwerten. Die Forschung findet für bestimmte, strukturierte digitale Interventionen durchaus positive Effekte. Diese Befunde sagen allerdings nicht automatisch etwas über beliebige psychologische Inhalte im Internet aus.

Eine Meta-Analyse von 176 randomisierten Studien zu psychologischen Smartphone-Apps bei Depression und Angststörungen berichtete kleine, statistisch signifikante Effekte gegenüber Kontrollbedingungen: Für depressive Symptome wurde eine standardisierte Mittelwertdifferenz von g = 0,28, für generalisierte Angst von g = 0,26 angegeben. Solche Effektstärken beschreiben durchschnittliche Unterschiede zwischen Gruppen; sie bedeuten nicht, dass jede einzelne Person in gleichem Maß profitiert. Außerdem waren die Studien und Interventionen heterogen, und die Ergebnisse können unter anderem durch Unterschiede in Kontrollgruppen, Studiendesign und Publikationsverzerrungen beeinflusst sein. Die in der Analyse berichtete Abbruchquote lag ungefähr bei einem Viertel, wobei auch diese Zahl je nach Intervention und Definition des Abbruchs variiert. (PubMed Central (PMC)⁠)

Auch eine Meta-Analyse kontrollierter Social-Media-Interventionen berichtete im Durchschnitt Verbesserungen bei Depression, Angst und Stress. Daraus folgt jedoch nicht, dass soziale Medien als solche therapeutisch wirken. Untersucht wurden spezifische Interventionen mit bestimmten Inhalten, Zielgruppen und Vergleichsbedingungen. Hinweise darauf, dass menschliche Begleitung oder soziale Elemente die Wirkung verstärken können, sind plausibel und in der Analyse als mögliche Moderatoren beschrieben; sie belegen aber keine allgemeine Kausalregel für jedes digitale Angebot. (PubMed⁠)

Damit entsteht ein wichtiger Unterschied, der in der öffentlichen Diskussion häufig verloren geht:

Ein evidenzbasiertes digitales psychologisches Programm ist etwas anderes als ein beliebiger psychologischer Ratschlag auf Instagram, TikTok oder YouTube.

Dass etwas psychologisch klingt, macht es noch nicht psychologisch wirksam.
Auch wenn viele promi content Persönlichkeiten uns dies weismachen wollen.

Weil psychologische Begriffe allgemein verfügbar geworden sind, erscheint psychologische Kompetenz ebenfalls allgemein verfügbar.

Das ist sie nicht.

Vielleicht brauchen wir deshalb nicht noch mehr Menschen, die uns erklären, was mit uns nicht stimmt.

Sondern Menschen, die ihre jeweilige Kunst wirklich beherrschen – und ihre Grenzen kennen.

Ein Yogalehrer darf ein hervorragender Yogalehrer sein.

Das ist nicht weniger als Therapie.

Es ist einfach etwas anderes.

Und manchmal ist genau diese Klarheit heilsamer als jedes Versprechen von Heilung.

Warum so viel psychologischer Rat offenbar so wenig hilftOrientierung im Markt der vielen Möglichkeiten Teil 1Noch nie w...
25/08/2026

Warum so viel psychologischer Rat offenbar so wenig hilft
Orientierung im Markt der vielen Möglichkeiten

Teil 1

Noch nie war psychologisches Wissen so leicht zugänglich wie heute. In sozialen Medien erklären Coaches Bindungsmuster, Podcasts sprechen über Trauma, Resilienz und Selbstwert, Apps versprechen weniger Angst, und kaum ein menschliches Problem scheint ohne fünf Tipps, sieben Schritte oder eine Morgenroutine auszukommen.

Gleichzeitig gehören Angst- und depressive Störungen weltweit zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Nach Schätzungen der WHO lebten 2019 etwa 970 Millionen Menschen – ungefähr jeder achte Mensch weltweit – mit einer psychischen Störung. Angst- und depressive Störungen zählen dabei zu den häufigsten Gruppen. Solche globalen Schätzungen beruhen auf epidemiologischen Modellen und sind nicht mit einer exakten Zählung aller Betroffenen gleichzusetzen. (Weltgesundheitsorganisation⁠)

Wie passt das zusammen?

Die naheliegende Antwort wäre: Offenbar funktionieren all diese psychologischen Online-Angebote nicht. Wissenschaftlich betrachtet wäre das jedoch zu einfach. Die interessantere Erklärung lautet: Wir verwechseln zunehmend die Verfügbarkeit psychologischer Information mit psychischer Veränderung.

Wissen ist noch keine Veränderung

Menschen können heute erstaunlich viel über ihre Psyche wissen. Sie kennen Begriffe wie Trigger, Bindungsangst, Selbstfürsorge, toxische Beziehung, Trauma, Hochsensibilität oder innere Anteile. Dieses Wissen kann hilfreich sein. Aber ein Mensch verändert sich nicht zwangsläufig dadurch, dass er erklären kann, warum er so geworden ist.

Das ist ein fundamentaler Unterschied.

Psychische Probleme bestehen häufig gerade deshalb fort, weil sie nicht ausschließlich auf der Ebene bewussten Wissens organisiert sind. Angst zeigt sich körperlich. Beziehungsmuster werden in konkreten Beziehungen aktiviert. Vermeidung kann kurzfristig Angst verringern und dadurch langfristig zur Aufrechterhaltung von Angst beitragen. Bei Depressionen können Rückzug und Inaktivität wiederum Gelegenheiten für positive Erfahrungen, soziale Verstärkung und Selbstwirksamkeit vermindern.

Ein Mensch kann daher theoretisch sehr genau verstehen, dass er Konflikte vermeidet – und weiterhin jeden Konflikt vermeiden.

Einsicht und Veränderung sind nicht dasselbe.
Teil 2 folgt

Sie gelten häufig als schwierig, eigensinnig oder gar arrogant. In Gruppen, Familien und Gemeinschaften werden Sie kriti...
09/08/2026

Sie gelten häufig als schwierig, eigensinnig oder gar arrogant. In Gruppen, Familien und Gemeinschaften werden Sie kritisch beäugt.

„Otrovertiert“ ist ein relativ neuer Begriff, der Menschen beschreiben soll, die sich weder eindeutig introvertiert noch extrovertiert einordnen lassen – allerdings mit einer besonderen Nuance.

Der Begriff wurde vor allem durch den Psychiater Rami Kaminski bekannt gemacht. Gemeint sind Menschen, die sozial durchaus kompetent, offen und kontaktfähig sein können, sich aber innerlich weniger über Gruppenzugehörigkeit definieren.

Ein otrovertierter Mensch kann zum Beispiel:

* gern mit anderen zusammen sein und trotzdem wenig Bedürfnis haben, „dazuzugehören“,
* intensive 1:1-Beziehungen bevorzugen,
* sich in Gruppen bewegen, ohne sich stark mit ihnen zu identifizieren,
* unabhängig von Gruppennormen denken,
* allein sein, ohne sich deshalb einsam zu fühlen.

Das unterscheidet sich von Ambiversion. Ambivertierte Menschen zeigen je nach Situation introvertierte oder extrovertierte Züge. Bei Otroversion geht es dagegen stärker um die Frage: „Wie wichtig ist mir Zugehörigkeit zu einer Gruppe?“

Ein Satz bringt es schön auf den Punkt:

„Ich bin gern mit Menschen – aber ich brauche keine Gruppe, um zu wissen, wer ich bin.“

Besonders spannend aus gestalttherapeutischer Sicht

Man könnte sagen: Ein psychisch gut integrierter otrovertierter Mensch verfügt über eine relativ stabile Selbstunterstützung.

Er kann in Kontakt treten, ohne sich im Kontakt zu verlieren.

Das erinnert an die gestalttherapeutische Vorstellung einer beweglichen Kontaktgrenze: Ich kann mich auf dich einlassen, mich berühren lassen und Nähe zulassen – und bleibe dennoch unterscheidbar von dir.

Das wäre etwas völlig anderes als ein Rückzug aus Angst:

„Ich brauche euch nicht“
kann Abwehr sein.

Aber:

„Ich brauche nicht dazuzugehören, um euch verbunden zu sein“
kann Ausdruck großer innerer Freiheit sein.

Und genau deshalb entstehen Missverständnisse

Menschen mit starkem Zugehörigkeitsbedürfnis können Unabhängigkeit als Ablehnung erleben. Wenn jemand bei Gruppenkonsens nicht automatisch mitgeht, bei Klatsch nicht mitmacht, keine Bündnisse braucht und sich auch einmal zurückzieht, entsteht schnell die Zuschreibung: Die hält sich wohl für etwas Besseres.

Dabei sagt die Person möglicherweise überhaupt nichts über die anderen. Sie sagt lediglich:

„Ich darf anders sein und trotzdem mit euch in Beziehung bleiben.“

Das ist übrigens eine ziemlich anspruchsvolle Form von Differenzierung: Nähe ohne Verschmelzung und Autonomie ohne Isolation.

Und hier sehe ich auch eine interessante Verbindung zum Zen: Mitten unter Menschen sein, ohne sich an Zugehörigkeit festhalten zu müssen. Nicht gegen die Gruppe – aber auch nicht von ihr abhängig.

Vielleicht ist der treffendste Satz für Otroversion deshalb:

Verbunden sein, ohne dazugehören zu müssen.

Heilsversprechen haben dort Konjunktur, wo Hoffnung größer ist als Gewissheit.Ich erschrecke wenn ich mit verfolgen kann...
29/07/2026

Heilsversprechen haben dort Konjunktur, wo Hoffnung größer ist als Gewissheit.

Ich erschrecke wenn ich mit verfolgen kann wieviele Menschen sich in den letzten Jahren dubiosen Gestalten aller Couleur angeschlossen haben. Insta, TikTok und Co sind überflutet mit Angeboten! Viele
Kinder verstricken sich in jungen Jahren in ominöse Kulte und Theorien, das ist eine der dunklen Seiten von Social Media. Ich kenne persönlich Menschen, denen ich eine gute Intelligenz zuschreibe,die sich im Lauf der letzten fünf bis zehn Jahre vollkommen im Wesen verändert haben. Sie trinken nur noch Wasser bestückt mit Edelsteinen, faseln merkwürdige Dinge über Quantenheilung und Matrixanwendungen, und geben schiere Vermögen aus um sich einen Platz im nächsten Seminar zu sichern.

Menschen geraten selten aus Dummheit in die Fänge von Heilsversprechen. Meist geraten sie dorthin, weil sie erschöpft, verzweifelt oder orientierungslos sind. Chronische Krankheit, seelischer Schmerz, Einsamkeit, Verlust oder das Gefühl, vom Leben ungerecht behandelt worden zu sein, schaffen einen Nährboden für einfache Antworten.

Wer lange leidet, verliert oft die Geduld für komplizierte Wahrheiten. Dann wirken Sätze wie „Ich kann dich vollständig heilen“, „Du musst nur deine Energie verändern“ oder „Ich kenne den einen Weg“ verführerisch. Sie versprechen Sicherheit in einer Welt voller Unsicherheit.

Doch genau hier beginnt die Gefahr: Echte Entwicklung ist selten spektakulär. Sie verlangt Zeit, Selbstreflexion, Beziehung und die Bereitschaft, unbequemen Wahrheiten zu begegnen. Heilsversprechen hingegen verkaufen Abkürzungen.

Vielleicht ist deshalb Skepsis keine Form von Pessimismus, sondern ein Ausdruck von Selbstachtung. Denn wer jede schnelle Erlösung misstrauisch prüft, schützt nicht nur seinen Geldbeutel – sondern auch seine Freiheit, selbst zu denken.

Nicht Wissen schützt NICHT vor Gurus – sondern Reife.

Unseriöse Heiler, Meister und Gurus suchen keine kritischen Menschen. Sie suchen Bedürftigkeit. Wer sich selbst wenig vertraut, sehnt sich nach jemandem, der alle Antworten zu haben scheint.

Schützen können deshalb vor allem diese Fähigkeiten:

* Kritisches Denken – außergewöhnliche Behauptungen brauchen außergewöhnlich gute Belege.
* Frustrationstoleranz – die Fähigkeit auszuhalten, dass manche Fragen keine einfachen Antworten haben.
* Selbstreflexion – die eigenen Sehnsüchte, Ängste und Projektionen zu erkennen.
* Emotionale Eigenständigkeit – Trost zu suchen, ohne die Verantwortung für das eigene Leben abzugeben.
* Demut – zu akzeptieren, dass Heilung und persönliche Entwicklung selten geradlinig verlaufen.
* Grenzen setzen – Nein zu sagen, wenn Loyalität, Geld oder blinder Gehorsam eingefordert werden.
* Dialogfähigkeit – Menschen zu vertrauen, die Fragen fördern, statt Zweifel zu verbieten.

Ein guter Lehrer macht sich mit der Zeit überflüssig. Ein Guru macht sich unentbehrlich.

Vielleicht ist das einfachste Erkennungsmerkmal dieses: Wer deine Freiheit stärkt, dient deiner Entwicklung. Wer deine Abhängigkeit braucht, dient vor allem sich selbst.

Mehr Wissen gibts in der Folgen Podcast Reihe:
Ein Zen-Meister schart in seiner "Sangha" Schülerinnen und Schüler um sich. Sie saugen seine Worte auf wie ein Schwamm, lassen sich von ihm bei der "Augenschau" tief in die Seele blicken, meditieren gemeinsam und ziehen nachts mit ihm durch die Stadt. Die Schüler erhoffen sich Liebe und Schutz von ihrem Meister – und, mit seiner Hilfe eine gute Wiedergeburt. Doch den Preis, den sie dafür bezahlen, halten einige für zu hoch. Ehemalige Schüler berichten von Angst, Druck und Manipulation. Auch "Mausi", die Frau des Meisters, spielt dabei eine Rolle. Das Meister-Ehepaar streitet die Vorwürfe ab.

Ein Zen-Meister schart in seiner "Sangha" Schülerinnen und Schüler um sich. Sie saugen seine Worte auf wie ein Schwamm, lassen sich von ihm bei der "Augenschau" tief in die Seele blicken, meditieren gemeinsam und ziehen nachts mit ihm durch die Stadt. Die Schüler erhoffen sich Liebe und Schutz vo...

25/07/2026
Not connected- warum sich viele heute einsam fühlenWir leben in einer Welt ohne echte Verbundenheit und viele wissen nic...
24/07/2026

Not connected- warum sich viele heute einsam fühlen

Wir leben in einer Welt ohne echte Verbundenheit und viele wissen nicht so recht was genau ihnen fehlt.
So viele Freunde, likes, Familienmitglieder, und Bekanntschaften, und dennoch bleibt diese Leere. Du sitzt in einem Raum voller Menschen und fühlst Dich zutiefst alleine.
Du umgibst Dich ohne bewusste Auswahl mit Menschen, versuchst Dich durch ständige Aktivität zu heilen, und findest bei all dem kein einziges echtes Gespräch, in dem Du etwas wahres über Dich teilst, nicht die polierte Version Deines Lebens, Deine Insta Story.
Dabei heilt dieses eine ehrliche Gespräch mehr als alle leeren Kontakte.
Ein einziges wahres Wort gesprochen, eine Erfahrung des echten Zuhörens, verändert alles.
Wem vertraust Du Deine Ängste, Deine Zweifel, Deine wahre Traurigkeit an.
Schau Dich um, im Kreis der Menschen die Dich umgeben, mit denen Du Dich umgibst.

Fehlende Verbundenheit ist die Pandemie, die quasi wie eine Begleiterscheinung, nach Corona entstanden ist. Viele haben sich ins Private zurückgezogen und versuchen sich dort kuschelig einzurichten, ganz gleich wie stachelig die Umgebung bei genauerer Betrachtung auch ist. Sie schirmen sich ab, und verstärken ohne es zu wollen ihren Zustand des Not Connect Seins.
Und genau so entsteht der Raum der Vereinzelung.
Tiefe Freundschaft verliert an Bedeutung, Du machst Dich nicht mehr auf den Weg um echte Verbundenheit zu suchen, sondern begnügst Dich mit den Kontakten die einfach da sind, und vermeidest den Kritischen Blick, der entlarven würde, dass ein jeder von Euch aus seiner eigenen Bedürftigkeit agiert. „Ich benutze Dich, um meiner Einsamkeit zu entfliehen“, meint nie wirklich den Anderen, sondern immer mich selbst.

Verbundenheit entsteht nicht aus Bedürftigkeit, sondern aus Präsenz.
Bei einer echten Verbindung macht sich Ruhe breit, das unsinnige Geplapper verstummt, und es entsteht eine Stille zwischen den Worten die trägt.
Es geht in den Gesprächen nicht mehr um das Leben der anderen, sondern darum:
Wie geht es Dir gerade?
Was sorgt Dich?
Woran erfreust Du Dich?
Wenn der innere Lärm leiser wird, verschwindet die ständige Trennung zwischen “ich” und “du” ein Stück weit. Man begegnet sich unmittelbar – ohne ständig zu bewerten, zu vergleichen oder etwas erreichen zu müssen.
Verbundensein macht ein Gefühl friedvoller Ruhe. Sie regt den Geist nicht auf, sondern sie beruhigt Deinen Vagusnerv, Deinen Körper.
So ähnlich kannst Du Dir die gelungene therapeutische Begegnung vorstellen.
Und nun schau Dich ruhig einmal um, in Deiner UmGebung.

Leid, Verlust und Schmerzdie größten Herausforderungen in unser aller Leben und immer wieder Thema in der Therapie. Imme...
22/07/2026

Leid, Verlust und Schmerz
die größten Herausforderungen in unser aller Leben und immer wieder Thema in der Therapie. Immer gibt es etwas zu betrauern, etwas zu verlieren oder etwas auszuhalten.
Lange Jahre beschäftigt mich nun die Haltung im ZEN zu diesen existentiellen menschlichen Phänomenen.
Klar geworden idt mir dabei folgendes:

Ich finde gerade den Unterschied zwischen Zen und Gestalttherapie besonders spannend, weil sie zwar ähnlich klingen, aber eine andere Haltung einnehmen.

Zen sagt oft:

“Lass los.”
Vor allem in der Meditation wird dieser leere Geist erfahrbar und erlernt.

Die Gestalttherapie würde eher sagen:

“Bevor du loslassen kannst, halte es erst einmal wirklich in den Händen.”

Oder noch prägnanter:

Zen: Nicht festhalten.
Gestalt: Erst vollständig berühren.

Das ist ein wichtiger Unterschied. Manchmal wird “Akzeptanz” missverstanden als etwas, das man möglichst schnell erreichen soll. Die Gestalttherapie wäre hier vorsichtig: Wenn ich versuche, möglichst schnell zu akzeptieren, kann das selbst wieder eine Form der Vermeidung sein. Sie lädt dazu ein, zunächst ganz da zu sein – mit der Enge im Brustkorb, der Wut, der Trauer oder der Angst –, ohne sie sofort verändern zu wollen.

Und vielleicht gibt es noch eine gemeinsame Essenz, die beide Traditionen verbindet:

Leiden wird oft nicht dadurch kleiner, dass wir es bekämpfen, sondern dadurch, dass wir ihm auf eine andere Weise begegnen.

Das ist weder passiv noch resigniert. Es ist eine Form von Offenheit, die paradoxerweise oft mehr Veränderung ermöglicht als der Versuch, sich mit Gewalt zu verändern.

Es ist die Kombination aus beidem, wie es für mich Sinn ergibt. Ohne das tiefe Begreifen dessen was gerade in mir Gestalt annimmt, könnte ich mich weniger daran weiter entwickeln, vieles bliebe im Feld der Unwissenheit verborgen. Und so macht alles Sinn, und fügt sich zueinander, sieben Jahre Gestalttherapie Ausbildung, sechs Jahre Studium der Lehre des ZEN. Die Gestalttherapie als Grundlage meiner Arbeit, und ZEN als die darüber hinausgehende und ergänzende Weiheitslehre

Ich wünsche dir, dass dir diese Perspektiven nicht nur als interessante Gedanken begegnen, sondern vielleicht auch in schwierigen Momenten eine kleine Orientierung geben.

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