09/07/2024
Wer mich aus einem Beratungssetting kennt, weiß bereits, dass ich niemals kurze Antworten gebe, auch wenn die Frage noch so „leicht“ ist. Ein „Wieviel sollte mein Kind tagsüber trinken?“ zieht meist eine kurze Aussage über offizielle Empfehlungen und anschließend die richtige Einordnung in den Gesamtkontext nach, gespickt mit allerhand Fragen zu der persönlichen Ess- und Trinksituation (z.B. wieviel Flüssigkeit wird bereits über Nahrung aufgenommen).
Umfangreicher wird es bei „Mein Kind mag nichts essen“, wo der pädagogische Anteil deutlich das Ernährungswissen überwiegt und da eigene gelernte Muster hinterfragt werden müssen.
Die Krönung kommt bei dem Wunsch „Ich möchte abnehmen“. Angefangen mit der Frage, ob es einen gesundheitlichen oder ästhetischen Grund für diesen Wunsch gibt, lande ich inhaltlich bei Emotionalem Essen, verinnerlichte Glaubenssätze, Diätmentalität, Body Shaming, gesellschaftlich akzeptierter gestörter Essverhalten, Patriarchat, Leistungsgesellschaft und nicht zuletzt beim eigenen Selbstwert.
Warum ich das tue? Weil Ernährung mehr ist, als das Kennen der Ernährungspyramide. Selbst mein Kindergartenkind weiß schon, wie „gesunde“ Ernährung auszusehen hat. Fehlende Ernährungsbildung ist nicht unser Problem. Die allermeisten Menschen wissen, dass mehr Gemüse& Obst, Vollkornprodukte besser sind, man nicht zu viel Zucker zu sich nehmen sollte etc. Gleichzeitig leben wir in einer Gesellschaft, die mit der Ernährung krankt. Die Ursachen dafür sind unendlich komplex, die Auswirkungen so individuell wie jeder betroffene Mensch. Dementsprechend kann es gar nicht DIE eine Lösung für jeden Einzelnen geben.
Wer sich im Dschungel von Social Media bewegt, wird permanent bombardiert mit mal mehr mal weniger seriösen Informationen, Ernährungstrends, Optimierungsmaßnahmen, Schönheitsidealen, Diäten, höher, schneller, weiter. Macht uns das Ganze gesünder? Definitiv nicht.
Weiter in den Kommentaren