17/08/2026
In der traumatherapeutischen und traumasensiblen Arbeit ist Integration ein Schlüsselfaktor. Traumafolgen ergeben sich durch die fehlende Verarbeitung, also Integration des Geschehenen.
Da infolgedessen Verdrängung, Dissoziation und Kompensation eine große Rolle spielen, geht es niemals darum, Verhaltensmuster, Eigenschaften oder Symptome »loszuwerden«, weil dies die Verarbeitung weiter erschweren oder sogar verhindern würde.
Sondern es geht stets darum, sie zu integrieren. Es ist höchst nachvollziehbar, wenn man Unangenehmes, Unliebsames oder gar Quälendes loswerden möchte.
Doch was wir erlebt haben und was das Erlebte mit uns gemacht hat, gehört zu uns. Es loshaben zu wollen, bedeutet gewissermaßen, einen lebendigen Teil unserer Selbst zunichtemachen zu wollen.
In dieser so nachvollziehbaren Sehnsucht liegt etwas unmittelbar Destruktives, das sich häufig in dem Gefühl, sich selbst immer fremder zu werden, zeigt. Der Kampf gegen das, was wir loswerden wollen, ist immer ein Kampf gegen uns selbst und den können wir nur verlieren.
Wenn wir hingegen die Strategie wechseln und zunächst einmal grundlegend davon ausgehen, dass das, was zu uns gehört, nicht gegen uns ist, sondern für uns, ändert sich die Lage.
Wenn wir anerkennen, dass unsere Überlebensstrategien und Kompensationsmechanismen gesund und nicht falsch sind, kann der Kampf enden. Der Prozess der Integration kann beginnen.
Wir fangen an, uns aus der Starre der Überlebensstrategien zu befreien und uns weiterzuentwickeln. Indem wir beginnen, neugierig zu werden auf das, was jenseits unserer Strategien, Verhaltensmuster und Symptome liegt, kann sich nach und nach unser unversehrtes Wesen zeigen, das hinter alledem mal mehr, mal weniger verborgen war.
Integration bedeutet, dem, was ausgeschlossen war, einen Platz im Licht des Bewusstseins zu geben. Gefühle, Erinnerungen und Körperempfindungen wollen heimkehren. Im heilsamen Licht des Bewusstseins ist auch Platz für die Wirklichkeit unseres eigenen Erlebens.
Es war, wie es war. Und das gehört zu uns, unserem Leben und unserer Vergangenheit. Integration ist, wie hier vermutlich deutlich wird, keine Entscheidung oder ein einmaliges Ereignis, sondern ein Prozess.
📌 Aus meinem Buch "Trauma und Beziehungen - wie wir die immer gleichen Bindungsmuster hinter uns lassen" Seite 19-20.
https://www.verenakoenig.de/buecher/trauma-und-beziehungen/
Das Buch findest du überall, wo es Bücher gibt und über den Link in meiner Bio. 💛