14/07/2026
Auszeit.
So heißt unser Yogastudio. Ein Name, der für das steht, was wir anderen schenken möchten: einen Moment zum Durchatmen, zum Ankommen, zum Kraftschöpfen.
Und gleichzeitig erinnert er uns immer wieder daran, dass auch wir selbst diese Auszeiten brauchen.
Für uns ist der Jakobsweg zu einem solchen Ort geworden.
Es ist das Gehen. Das Unterwegssein. Das Leben aus dem Rucksack. Sich auf das Wesentliche zu reduzieren. Den Pfeilen zu folgen – Schritt für Schritt. Gemeinsam zu gehen, mal im Gespräch, mal schweigend.
Und es sind die Begegnungen, die diesen Weg so besonders machen. Menschen begegnen sich hier mit einer Offenheit, Herzlichkeit und Tiefe, die uns jedes Mal aufs Neue berührt. Man hört zu, ohne zu urteilen. Man teilt Geschichten, ohne etwas zurückzuerwarten. Aus Fremden werden Wegbegleiter.
Genau so begann auch unsere Reise. Gleich am ersten Tag durften wir Victor begegnen und bei ihm übernachten. Er ist selbst einst von München bis nach Santiago gepilgert – eine Reise, die sein Leben verändert hat. Heute lebt er einen Teil des Jahres dort, wo sein Herz geblieben ist, und erschafft in der Nähe des Jakobswegs mit viel Liebe einen ganz besonderen Ort, der mit ihm immer weiter wächst.
Dort schreiben Pilger auf, was sie loslassen möchten. Ein anderer Pilger nimmt diesen Wunsch mit bis nach Finisterra und übergibt ihn dort dem Wind oder dem Meer. Thomas und ich durften genau das tun. Einen Wunsch eines fremden Menschen bis ans Ende der Welt zu tragen, war einer der stillsten und gleichzeitig bewegendsten Momente unserer Reise.
Vielleicht ist das die Magie des Jakobswegs.
Dass man am Ende gar nicht als anderer Mensch zurückkommt.
Sondern wieder als der Mensch, der man eigentlich ist.
Wir waren diesmal nur fünf Tage unterwegs für den letzten Teil des Weges! Viel zu kurz, um wirklich satt zu werden – und doch genau lang genug, um wieder bei uns anzukommen.
Mit einem dankbaren Herzen. Mit neuer Kraft. Und mit der Gewissheit, dass wir nur dann wirklich für andere da sein können, wenn wir uns selbst immer wieder erlauben, anzukommen.