17/06/2026
Reformer-Studios schießen gerade aus dem Boden. Ich schaue mir das an und denke: Das habe ich schon einmal erlebt.
Vor zwanzig Jahren hieß es Yoga. Plötzlich wollte jeder ein Studio eröffnen, ausbilden und Teacher Trainings verkaufen. Es war Goldrausch: schnell skalieren, schnell verkaufen. Dann kam die Flatrate – Bewegung als Abo, konsumiert zwischen zwei Terminen.
Und ich weiß, wie dieser Film ausgeht, weil ich ihn schon gesehen habe: In ein paar Jahren sind viele dieser Studios wieder verschwunden. Der Trend zieht weiter. So endet jeder Zyklus.
Heute heißt der Trend Pilates. Reformer. Derselbe Rausch, dieselbe Eile, dieselbe Logik: immer schneller, immer mehr.
Aber das Problem kam nie von außen. Wir haben den Wert selbst aus der Hand gegeben.
Wir verwechseln Bindungslosigkeit mit Freiheit. Immer auf der Suche nach dem Nächsten, aber selten bereit zu bleiben. Dabei wachsen wir nicht an unendlichen Optionen, sondern an Beziehung – zum Körper, zum Atem und zu den Menschen, die uns begleiten.
Eine echte Praxis lässt sich nicht abkürzen. Genau das macht sie heilsam. Und genau das macht sie unbequem.
Ich schreibe das nicht, um zu verurteilen. Ich war selbst Teil dieser Bewegung. Ich schreibe es, weil jeder Trend vergeht. Was bleibt, sind die Menschen, die sich wirklich verbinden. Die bleiben. Die Verantwortung übernehmen.
Vielleicht ist es Zeit, zurückzufinden. Nicht zu mehr Lautstärke, sondern zu mehr Tiefe. Zum Körper. Zum Atem. Zum eigenen Leben. Und zueinander.
Das überlebt jeden Trend. Und daran glaube ich.