3HO Deutschland e.V.

3HO Deutschland e.V. 3H Organisation Deutschland e.V. – Gemeinnütziger Verein und Fachorganisation für Kundalini Yoga

3H = Healthy, Happy, Holy – steht für einen gesunden, glücklichen, ganzheitlichen Lebensstil) ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Hamburg und die Fachorganisation für Kundalini Yoga nach Yogi Bhajan.

Heute beginnt beim European Yoga Festival in Frankreich der erste White-Ta***ic-Yoga-Tag.Das Sanskritwort Ta**ra bedeute...
05/08/2026

Heute beginnt beim European Yoga Festival in Frankreich der erste White-Ta***ic-Yoga-Tag.

Das Sanskritwort Ta**ra bedeutet wörtlich „Gewebe“ – ein Bild für das feine Geflecht aus Erfahrungen, Gedanken, Gefühlen und Beziehungen, aus dem unser Leben besteht.

Vieles von dem, was wir erleben, bleibt in uns wirksam, auch wenn wir längst nicht mehr bewusst daran denken. Alte Reaktionsmuster, innere Spannungen und unverarbeitete Gefühle können unsere Wahrnehmung beeinflussen und dazu führen, dass wir immer wieder auf ähnliche Weise reagieren. Oft halten wir an etwas fest, das einmal sinnvoll oder sogar notwendig war, uns heute jedoch nicht mehr dient.

White Ta***ic Yoga ist eine intensive meditative Gruppenpraxis. Die Teilnehmenden sitzen sich in langen Reihen gegenüber und führen die Übungen paarweise und synchron aus. Weiße Kleidung, feste Körper- und Handhaltungen, bewusste Atemführung, Mantras und häufig auch der Blickkontakt schaffen einen klaren äußeren Rahmen.

Gerade die Begegnung mit einem Gegenüber kann zu einem Spiegel werden. Wir erleben unsere Konzentration, unsere Ungeduld, unsere Offenheit und unseren Widerstand nicht nur im Inneren, sondern unmittelbar in Beziehung. Die Übungen laden dazu ein, wahrzunehmen, ohne sofort auszuweichen oder zu reagieren.

In der Tradition des Kundalini Yoga wird White Ta***ic Yoga als eine Praxis verstanden, die dabei helfen kann, unbewusste Muster bewusster zu erkennen und inneren Ballast loszulassen. Was dabei geschieht, ist für jeden Menschen unterschiedlich. Es geht nicht um eine schnelle Erlösung und nicht darum, sich etwas Besonderes beweisen zu müssen. Es geht um Gegenwärtigkeit, Ausdauer und die Bereitschaft, sich selbst ehrlich zu begegnen.

Der Begriff weißes Ta**ra grenzt diese Praxis innerhalb dieser Tradition von Formen ab, die sich mit Sexualität oder magischen Vorstellungen beschäftigen. Hier steht die meditative Klärung des Bewusstseins im Mittelpunkt. Vielleicht liegt die eigentliche Kraft dieser Praxis darin, dass wir unserem Gegenüber begegnen und dabei entdecken, was in uns selbst sichtbar wird.

Noch ist es dunkel über der Domaine de Chalès.Hinter den Übenden erstrahlt das Schloss im frühen französischen Augustmor...
04/08/2026

Noch ist es dunkel über der Domaine de Chalès.

Hinter den Übenden erstrahlt das Schloss im frühen französischen Augustmorgen. Es ist vermutlich kurz vor sechs Uhr morgens. Die Körper bewegen sich im Rhythmus der Praxis, möglicherweise praktizieren alle Sat Kriya.

Gerade findet hier in Nouan-le-Fuzelier vom 1. bis 9. August das European Yoga Festival statt. Menschen aus vielen Ländern kommen zusammen: Familien, Anfängerinnen und Anfänger, Lehrende und Suchende. Sie praktizieren gemeinsam, lernen voneinander, begegnen sich und vertiefen ihre Erfahrungen.

Jeden Morgen beginnt der Tag um 4:30 Uhr mit dem Aquarian Sadhana. „Sadhana” ist ein Sanskritwort und bedeutet sinngemäß, etwas durch beständige Übung zu verwirklichen. Es handelt sich dabei weder um eine gelegentliche spirituelle Erfahrung noch um einen kurzen Ausflug aus dem Alltag. Sadhana ist eine bewusste, regelmäßig wiederkehrende Praxis, durch die wir uns selbst begegnen können – nicht nur unseren angenehmen Seiten, sondern auch unserer Müdigkeit, unserem Widerstand, unserer Unruhe und den vielen Stimmen im Kopf.

Wer am frühen Morgen aufsteht und praktiziert, richtet sich innerlich aus, bevor die Anforderungen des Tages beginnen. Noch bevor Nachrichten, Pflichten, Erwartungen und Sorgen nach uns greifen, entsteht ein Raum, in dem wir uns daran erinnern können, wer wir jenseits unserer Rollen, Gewohnheiten und Reaktionen sind.

Traditionell findet Sadhana in der „Amrit Vela“ (Nektarstunde), den zweieinhalb Stunden vor Sonnenaufgang, statt. Es ist jene magische Übergangszeit, in der die Nacht noch gegenwärtig ist und das Licht bereits zunimmt. Auch die menschliche Psyche befindet sich dann in einem besonderen Zwischenraum: Der Verstand ist noch nicht vollständig in den Alltag eingespannt, die Eindrücke des Tages haben uns noch nicht überflutet, und die Grenze zwischen dem bewussten und dem tieferen Erleben erscheint durchlässiger.

Das Aquarian Sadhana besteht aus vier Teilen: der äußeren und inneren Vorbereitung durch Reinigung und Duschen, der Rezitation des Japji Sahib, einer anschließenden Kundalini-Yoga-Kriya und verschiedenen Mantra-Meditationen. Wir lösen uns für eine Weile aus der Enge des um sich selbst kreisenden Ichs und wenden uns einer größeren Wirklichkeit zu. Manche nennen sie göttliches Bewusstsein, universelle Seele, Wahrheit oder einfach Stille.

Sadhana bedeutet jedoch nicht, dass wir unseren Alltag verlassen. Im Gegenteil: Wir bereiten uns darauf vor, ihm wacher zu begegnen. Die Praxis soll uns nicht weltfremd machen, sondern gegenwärtiger, klarer und weniger von automatischen Reaktionen beherrscht.

Vielleicht ist dies das Eindrücklichste an diesem Bild: Während die Welt noch schläft und das Schloss im Dunkeln leuchtet, haben sich Menschen versammelt, um gemeinsam Achtsamkeit zu üben.

Meditation für den Monat August: Die Unendlichkeit in unsDer August ist der achte Monat des Jahres und die Acht ist das ...
01/08/2026

Meditation für den Monat August: Die Unendlichkeit in uns

Der August ist der achte Monat des Jahres und die Acht ist das Zeichen der Unendlichkeit. Sie erinnert uns daran, dass das Leben weiter reicht, als unser Verstand es erfassen kann. Mit jedem Atemzug fließt Prana, die Lebenskraft, durch uns und nährt und verwandelt alles Lebendige.

Der August führt uns mitten in diese Erfahrung. Die Natur steht in ihrer Fülle, doch zugleich beginnt bereits die leise Wandlung. Das Licht verändert sich, die Tage werden kürzer und die Früchte reifen. Alles zeigt sich noch einmal in großer Kraft, und dennoch ist der kommende Übergang bereits spürbar. Gerade darin offenbart sich die Weisheit der Natur: Leben bedeutet nicht Stillstand, sondern ist fortwährende Bewegung, Hingabe und Erneuerung.

Unser Atem verbindet uns unmittelbar mit diesem großen Kreislauf. Mit jedem Einatmen empfangen wir Leben, mit jedem Ausatmen geben wir ab. Nichts muss festgehalten werden. Nichts bleibt für immer in derselben Form. Und doch geht das Wesentliche nicht verloren.

Ein übererregtes Nervensystem hingegen hält fest, kontrolliert und reagiert. Erst wenn die innere Alarmbereitschaft nachlässt, entsteht Raum für Geduld, Selbstführung und Vertrauen. Der Fluss der Lebensenergie kann nur geschehen, wenn die innere Alarmbereitschaft nachlässt.

Die Meditation dieses Monats bringt den Körper zunächst in eine deutliche Spannung. Arme, Hände und Handgelenke werden präzise ausgerichtet, was Wachheit und Entschlossenheit erfordert. Gleichzeitig wird der Atem immer langsamer, länger und feiner. So treten Spannung und Entspannung, Aktivität und Hingabe sowie das sympathische und das parasympathische Nervensystem in einen bewussten Ausgleich.

Der Geist kommt zur Ruhe. Das stille Meditieren auf das Mantra „Sat Naam” begleitet die Ein- und Ausatmung und erinnert daran, dass die wahre Identität über die augenblicklichen Gedanken, Ängste und Reaktionen hinausgeht. Mache diese Meditation im August zu einer täglichen Rückkehr in den Atem, in die Geduld und in die eigene Mitte. Spüre, wie sich die Unendlichkeit in dir offenbart – in jedem Atemzug, in jedem Moment des Loslassens und in der Kraft, die bleibt, wenn der Geist nicht mehr alles kontrollieren muss: reines Licht, reine Lebenskraft, Sat Naam.

Meditation zur Stärkung des parasympathischen Nervensystems

Position: Setze dich in den Schneidersitz oder auf einen Stuhl. Richte das Becken auf, h**e den Brustkorb an und ziehe das Kinn sanft zurück, sodass du gerade sitzt.

Mudra: Strecke beide Arme in einem Winkel von 60 Grad über den Kopf. Die Arme bleiben gerade, die Ellenbogen sind sanft gestreckt. Die Finger und Daumen liegen eng aneinander, die Handflächen zeigen nach oben. Drehe nun die Hände nach außen, sodass ein Winkel von etwa 60 Grad zwischen Handrücken und Unterarm entsteht. Diese Ausrichtung ist ein wesentlicher Teil der Meditation.

Konzentriere dich auf die Nasenspitze. Die Augen sind zu einem Zehntel geöffnet.

Atme tief, langsam und vollständig ein. Atme ebenso langsam und vollständig aus. Verlängere den Atem allmählich, ohne Druck und ohne Kampf.

Mantra: Meditiere beim Ein- und Ausatmen still auf „Sat Naam” (wahres Selbst).

Zeit: Beginne mit drei Minuten. Wenn du magst, kannst du die Übungszeit behutsam verlängern.

Zum Abschluss atme tief ein und vollständig aus. Halte den Atem nach dem Ausatmen nur so lange an, wie es ohne Druck und in innerer Ruhe möglich ist. Löse anschließend die Haltung langsam und spüre nach.

Foto über Library of Teachings

Die innere Landkarte des Yoga führt nicht durch Länder und Kontinente, sondern durch die verborgenen Räume unseres Mensc...
30/07/2026

Die innere Landkarte des Yoga führt nicht durch Länder und Kontinente, sondern durch die verborgenen Räume unseres Menschseins, aus denen Lebendigkeit, Bewusstheit und innere Freiheit entspringen.

Wer Yoga ausschließlich als Gymnastik versteht, übersieht möglicherweise seinen faszinierendsten Aspekt. Zwar beginnt der Weg häufig mit dem Körper – mit einem schmerzenden Rücken, verspannten Schultern oder dem Wunsch nach mehr Beweglichkeit.

Doch wer über längere Zeit praktiziert, macht meist eine überraschende Entdeckung: Die eigentliche Veränderung findet nicht in den Muskeln, sondern im Erleben statt. Der Atem wird freier, der Geist klarer und die Gedanken ruhiger. Entscheidungen fallen leichter, Begegnungen werden bewusster und selbst schwierige Lebenssituationen verlieren etwas von ihrer Schwere.

Der Körper war lediglich die Tür. Dahinter öffnet sich ein Raum, den die Yogatradition seit Jahrtausenden erforscht: "„Dann ruht der Sehende in seinem wahren Wesen.“ ~ Patanjali
(Tadā draṣṭuḥ svarūpe 'vasthānam, Yogasutra I,3)

Link zu unserem Artikel im ersten Beitrag

Stell dir vor, dein Geist ist wie ein See.Wenn der Wind stark bläst, hat der See viele Wellen. Dann kannst du den Grund ...
27/07/2026

Stell dir vor, dein Geist ist wie ein See.

Wenn der Wind stark bläst, hat der See viele Wellen. Dann kannst du den Grund nicht sehen. So ist es auch mit unserem Geist: Wenn wir ständig denken, uns Sorgen machen oder aufgeregt sind, sehen wir die Welt nicht klar.

Yoga hilft dabei, dass der Wind nachlässt. Die Wellen werden kleiner. Das Wasser wird ruhig und klar.

Jetzt kommt der spannende Teil:

Wenn der See ganz ruhig ist, kann man bis auf den Grund schauen. Ein Yogi, also ein Mensch, der sehr lange und tief Yoga übt, entdeckt dadurch Fähigkeiten, die die meisten Menschen nicht kennen. Diese besonderen Fähigkeiten nennt man Siddhis.

Manche Geschichten erzählen, dass ein Yogi Dinge besonders gut verstehen kann,
spüren kann, wie es anderen Menschen geht, sehr alte Erinnerungen wachrufen kann oder sogar Dinge tun kann, die wie Zauberei aussehen.

Aber Patañjali sagt etwas ganz Wichtiges:

Diese Fähigkeiten sind nicht das Ziel!
Stell dir vor, du lernst Fahrradfahren. Das Ziel ist nicht, möglichst laut zu klingeln oder freihändig zu fahren. Das Ziel ist, sicher und routiniert fahren zu können.

Genauso ist es beim Yoga. Die Siddhis sind wie Kunststücke, die unterwegs vielleicht auftauchen. Wenn man aber nur noch an die Kunststücke denkt, vergisst man, warum man überhaupt losgegangen ist. Das eigentliche Ziel ist ein liebevoller, ruhiger und freier Mensch zu werden.

Patañjali beschreibt dafür drei Schritte:

1. Der Geist wird ruhig.
Wie ein See ohne Wellen.

2. Der Mensch spürt seine innere Mitte.
Er merkt: „Ich bin mehr als meine Gedanken und Gefühle.”

3. Er geht wieder in die Welt.
Aber jetzt handelt er freundlich, klar und aufmerksam. Seine Kraft kommt von innen und nicht aus seiner Angst oder seiner Wut.

Manche Menschen erlangen auf dem Yogaweg außergewöhnliche Fähigkeiten. Andere nicht. Doch das spielt keine große Rolle. Die größte Siddhi, die wichtigste aller Fähigkeiten, ist nach Patañjali eigentlich etwas ganz Einfaches:
ein liebevolles Herz, ein klarer Geist und die Freiheit, immer das Gute wählen zu können. Das ist viel wertvoller als jedes Wunder.

Foto by Shutterstock

Konstruktiv zu sein bedeutet, den Geist immer wieder neu auszurichten – auf das, was entstehen soll, auf das Verbindende...
26/07/2026

Konstruktiv zu sein bedeutet, den Geist immer wieder neu auszurichten – auf das, was entstehen soll, auf das Verbindende und auf den nächsten möglichen Schritt.

Im Kundalini-Yoga trainieren wir diese innere Führung. Nicht jeder Gedanke muss weitergedacht und nicht jede Reaktion ausgelebt werden. Durch Atem, Bewegung und Meditation schaffen wir Raum zwischen Reiz und Antwort – und damit die Freiheit zu wählen.

Konstruktivität bedeutet nicht, Schwierigkeiten zu leugnen, sondern ihnen nicht die ganze Macht zu geben. Der neutrale Geist fragt: „Was ist wahr?” Was dient dem Ganzen? Was kann ich beitragen?

Denn unsere Energie folgt unserer Aufmerksamkeit. Was wir nähren, wächst – in uns, in unseren Beziehungen und in der Welt.

Bild erstellt durch ChatGPT

Der neutrale Geist – die Kunst, frei zu handelnWarum fällt uns ausgerechnet dann nichts ein, wenn wir angegriffen werden...
24/07/2026

Der neutrale Geist – die Kunst, frei zu handeln

Warum fällt uns ausgerechnet dann nichts ein, wenn wir angegriffen werden? Weil nicht mangelnde Schlagfertigkeit das Problem ist, sondern unser uraltes biologisches Alarmprogramm.

Kundalini Yoga lehrt seit Jahrhunderten etwas, das heute auch die Neurowissenschaft bestätigt: Zwischen Reiz und Reaktion gibt es einen Raum. Diesen Raum können wir durch Atem, Bewusstsein und Übung vergrößern. Genau dort entsteht Freiheit. Nicht aus Reflexen, sondern aus Klarheit.

Nicht reagieren – sondern bewusst agieren.

Im neuen Artikel erfährst du, wie dein Nervensystem arbeitet, warum dir manchmal die Worte fehlen und wie der Atem dir den Zugang zum neutralen Geist zurückschenken kann.

✨ Den Link findest du in der Bio und in den Kommentaren. Foto by Shutterstock

Die großen Yogatraditionen lehren, dass Liebe kein Gefühl ist, sondern ein Bewusstseinszustand. Sie entsteht nicht dadur...
21/07/2026

Die großen Yogatraditionen lehren, dass Liebe kein Gefühl ist, sondern ein Bewusstseinszustand. Sie entsteht nicht dadurch, dass wir einen besonderen Menschen finden, sondern dadurch, dass wir die Schleier unseres eigenen Egos immer wieder durchschauen.

Im Kundalini Yoga nennen wir diese Schleier Avidya – das Nicht-Erkennen dessen, was wirklich ist. Wir sehen nicht den Menschen vor uns, sondern unsere Erwartungen, unsere Verletzungen, unsere Wünsche und Ängste. Erst wenn der Geist stiller wird, beginnt das Herz klar zu sehen.

Jede Meditation, jede bewusste Atmung, jede achtsam ausgeführte Asana ist deshalb auch eine Übung in der Liebe. Sie lädt uns ein, einen Schritt aus dem engen Kreis des „Ich“ herauszutreten und dem Leben mit Demut, Klarheit und Mitgefühl zu begegnen.

Wahre Liebe macht keinen Unterschied zwischen nah und fern, vertraut und fremd. Wer nur den liebt, der ihm nahesteht, liebt noch aus Anhaftung. Wer lernt, jedem Menschen mit derselben inneren Würde zu begegnen, berührt die Essenz des Yoga.

Yoga bedeutet Verbindung. Verbindung entsteht nicht dadurch, dass wir die Welt nach unseren Vorstellungen formen, sondern indem wir lernen, sie zu sehen, wie sie ist. In diesem klaren Sehen schwindet das Ego, und das Herz erinnert sich an seine wahre Natur.
Inspiriert durch Erich Fromm,
Die Kunst des Liebens

Bild: Chat GPT

Yoga im HochsommerIm Winter möchte unsere Energie Tee trinken, schweigen und nicht gestört werden. Im Sommer hingegen st...
15/07/2026

Yoga im Hochsommer

Im Winter möchte unsere Energie Tee trinken, schweigen und nicht gestört werden. Im Sommer hingegen steht sie schon frühmorgens vor der Tür und ruft: „Komm, das Leben wartet nicht!“ Sommerzeit ist Yang-Zeit: Bewegung, Begegnung, Freude und Tatkraft. Jetzt kann man die Pläne aus den Notizbüchern herausnehmen und umsetzen.

Unser Körper nimmt diese Jahreszeit über das Licht wahr. Er reagiert möglicherweise mit verändertem Schlafverhalten, anderen Nahrungsgewohnheiten und dem Bedürfnis nach Bewegung. Morgenlicht bringt die innere Uhr in Schwung, Spaziergänge, Schwimmen und sanftes Yoga halten uns lebendig. Beeren, Paprika, Rote Bete und kühlende Kräuter wie Minze oder Fenchel tun jetzt besonders gut. Und wenn uns heiß ist, hilft Sitali Pranayama besser als jede hitzige Diskussion.

In der Traditionellen Chinesischen Medizin gehört der Sommer zum Herzen. Freude, Kreativität, Nähe und Begeisterung wollen Raum bekommen. Der Sommer fordert uns keinesfalls auf, pausenlos aktiv zu sein. Er erinnert uns vielmehr daran, unser Licht zu zeigen, ohne dabei auszubrennen. Das Leben findet jetzt statt – warm, leuchtend und ein wenig unvernünftig 😜.

Sitali Pranayama ist eine kühlende Atemübung. Dabei wird die Zunge längs eingerollt, leicht aus dem Mund gestreckt. Atme langsam durch die gerollte Zunge ein. Anschließend schließt du den Mund und atmest ruhig durch die Nase aus. Die Übung kann Hitze, innere Unruhe und Gereiztheit lindern. Wer die Zunge nicht rollen kann, legt sie flach hinter die leicht geöffneten Lippen und atmet darüber ein.

Wann hat dich zuletzt jemand wirklich gesehen?Es gibt Momente, die nur wenige Sekunden dauern, aber den ganzen Tag verän...
12/07/2026

Wann hat dich zuletzt jemand wirklich gesehen?

Es gibt Momente, die nur wenige Sekunden dauern, aber den ganzen Tag verändern können. Du stehst im Supermarkt. Die Kassiererin wirkt müde. Die Person vor dir ist ungeduldig. Das Band läuft, die Waren piepen über den Scanner. Alles funktioniert. Es ist alles Routine. Du könntest einfach bezahlen und gehen.

Doch stattdessen schaust du die Frau an der Kasse an. Du bemerkst die Müdigkeit in ihren Augen. Du lächelst und sagst: „Ich wünsche Ihnen einen schönen Feierabend. Danke für Ihre Arbeit.“ Für einen winzigen Augenblick verändert sich etwas. Ihre Schultern entspannen sich. Sie lächelt zurück. Kein großes Gespräch wurde geführt, kein Wunder ist geschehen.

Und doch ist etwas passiert. Nicht zwischen einer Kundin und einer Kassiererin, sondern zwischen zwei Menschen. Vielleicht ist genau das das größte Geschenk, das wir einander machen können: nicht bewertet, nicht benutzt, nicht eingeordnet zu werden, sondern gesehen zu werden.

Der Philosoph Martin Buber nannte diese Augenblicke „Ich-Du-Begegnungen”. Sie entstehen, wenn wir den anderen nicht mehr als Funktion, Meinung oder Etikett betrachten, sondern als lebendiges Gegenüber. Wir glauben, dass Yoga und Meditation uns genau an diesen Punkt führen.

Nicht, weil wir dadurch perfekter werden, sondern, weil wir lernen, uns selbst mit mehr Freundlichkeit zu begegnen. Wer sich selbst nicht ständig bewertet, bewertet auch andere weniger. Aus innerer Ruhe wächst Mitgefühl. Aus Mitgefühl entsteht echte Begegnung.

Vielleicht beginnt Frieden nicht zwischen Staaten, sondern er beginnt an einer Supermarktkasse. Oder morgens vor dem Spiegel. Vielleicht beginnt er auch in der Art, wie wir den Menschen begegnen, denen wir heute als Nächstes über den Weg laufen.

Wir haben uns in den vergangenen Tagen intensiv mit Martin Bubers Gedanken zu „Ich und Du“ beschäftigt und darüber einen Artikel geschrieben. Darin geht es um die Verbindung von Philosophie, Psychologie und Yogapraxis sowie um die Frage, warum echte Begegnung unser Leben verändern kann.

Wir würden uns freuen, wenn ihr ihn lest. Den Link findet ihr in der Kommentarspalte, 🙏✨

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