05/08/2026
Heute beginnt beim European Yoga Festival in Frankreich der erste White-Ta***ic-Yoga-Tag.
Das Sanskritwort Ta**ra bedeutet wörtlich „Gewebe“ – ein Bild für das feine Geflecht aus Erfahrungen, Gedanken, Gefühlen und Beziehungen, aus dem unser Leben besteht.
Vieles von dem, was wir erleben, bleibt in uns wirksam, auch wenn wir längst nicht mehr bewusst daran denken. Alte Reaktionsmuster, innere Spannungen und unverarbeitete Gefühle können unsere Wahrnehmung beeinflussen und dazu führen, dass wir immer wieder auf ähnliche Weise reagieren. Oft halten wir an etwas fest, das einmal sinnvoll oder sogar notwendig war, uns heute jedoch nicht mehr dient.
White Ta***ic Yoga ist eine intensive meditative Gruppenpraxis. Die Teilnehmenden sitzen sich in langen Reihen gegenüber und führen die Übungen paarweise und synchron aus. Weiße Kleidung, feste Körper- und Handhaltungen, bewusste Atemführung, Mantras und häufig auch der Blickkontakt schaffen einen klaren äußeren Rahmen.
Gerade die Begegnung mit einem Gegenüber kann zu einem Spiegel werden. Wir erleben unsere Konzentration, unsere Ungeduld, unsere Offenheit und unseren Widerstand nicht nur im Inneren, sondern unmittelbar in Beziehung. Die Übungen laden dazu ein, wahrzunehmen, ohne sofort auszuweichen oder zu reagieren.
In der Tradition des Kundalini Yoga wird White Ta***ic Yoga als eine Praxis verstanden, die dabei helfen kann, unbewusste Muster bewusster zu erkennen und inneren Ballast loszulassen. Was dabei geschieht, ist für jeden Menschen unterschiedlich. Es geht nicht um eine schnelle Erlösung und nicht darum, sich etwas Besonderes beweisen zu müssen. Es geht um Gegenwärtigkeit, Ausdauer und die Bereitschaft, sich selbst ehrlich zu begegnen.
Der Begriff weißes Ta**ra grenzt diese Praxis innerhalb dieser Tradition von Formen ab, die sich mit Sexualität oder magischen Vorstellungen beschäftigen. Hier steht die meditative Klärung des Bewusstseins im Mittelpunkt. Vielleicht liegt die eigentliche Kraft dieser Praxis darin, dass wir unserem Gegenüber begegnen und dabei entdecken, was in uns selbst sichtbar wird.