27/08/2026
Sobald Menschen hören, dass mein Vater Arzt ist, wirkt mein eigener Weg schnell sehr einfach. Die Realität war eine andere.
Ich ging allein nach Deutschland, meine Mutter und meine Geschwister nach England. Mein Vater blieb zunächst als angestellter Arzt in Ungarn und wollte später nachkommen. Dann kam die Krebsdiagnose.
Meine Familie kehrte zurück. Mein Vater musste gesundheitlich und beruflich noch einmal von vorne anfangen. Auch meine eigenen Anfänge in Deutschland waren beim besten Willen nicht leicht: unbezahlte Arbeit, täglich Deutsch lernen und später 24 Stunden Dienste.
Aber genau dieser Weg hat mir etwas ermöglicht, das für mich größer ist als mein eigener Erfolg. Als ich mein erstes eigenes Geld verdiente, nahm ich einen Kredit auf und kaufte das Grundstück, auf dem mein Vater seine Privatpraxis aufbauen konnte. Daraus entstand später ein medizinisches Versorgungszentrum mit 20 Mitarbeitenden und über 10 Fachrichtungen.
Deutschland hat mir die Möglichkeit gegeben, meinen Beruf auszuüben, mir etwas aufzubauen und meinen Eltern einen Teil von dem zurückzugeben, was sie zuvor für mich getan hatten.
War ich privilegiert? Ja. Nicht durch einen fertigen Weg, sondern durch Menschen, die an mich geglaubt haben. Und vielleicht war mein größtes Privileg, später etwas zurückgeben zu können.
Welche Stärke deiner Familie trägst du heute noch in dir?