29/10/2020
HAZ Hannover
Neues Lebensgefühl
Mitgezählt hat sie nie. Anita Zechel ist selbst erstaunt, wenn sie überschlägt, wie oft sie schon gefastet hat. 1995 machte die Erzieherin ihre erste Erfahrung mit dem zeitweiligen Verzicht auf feste Nahrung. „Das war ein ganz neues Lebensgefühl“, sagt sie. „Ich fühlte ungeheure Energie und Tatendrang in mir.“ Seitdem fastet sie ein- bis zweimal im Jahr. Und ihre Begeisterung für die bewusste Lebensmittelaskese hat bis heute nicht nachgelassen.
Heilfasten nennt sich die Form des Fastens, die die 63-Jährige praktiziert. Durch die sechstägige Kur nach dem Konzept des Arztes Otto Buchinger soll der Körper von Ballast- und Giftstoffen befreit werden, die ihm sonst mit der Nahrung zugeführt werden. Das bedeutet: In dieser Zeit nimmt Anita Zechel drei bis vier Liter Wasser täglich zu sich. Sonst nichts. Allenfalls etwas Gemüsebrühe ist erlaubt, um den Mineralverlust im Organismus auszugleichen. Ziel ist eine dauerhaft gesündere Ernährung. Für die zweifache Großmutter ist das Fasten nicht nur eine physische „Reinigung“. „Auch den seelischen Ballast wird man los.“ Ob Stress im Job oder Alltagsärger – in der Fastenphase gelinge es ihr, rundum abzuschalten.
Anita Zechel ist so überzeugt vom konsequenten, befristeten Verzicht auf die täglichen Mahlzeiten, dass sie ihre Erfahrungen seit einigen Jahren weitergibt. Sie machte eine Ausbildung zur Fastenleiterin, im Bildungsverein bietet sie Kurse an. Dem Genuss abgeschworen hat sie dennoch nicht: „Ich esse für mein Leben gern Bratwurst und Bounty."
Von Juliane Kaune und Gunnar Menkenshttps://www.haz.de/Hannover/Aus-der-StadtHAZ