04/10/2026
Gelenke: Kalk in der Schulter
Einen Pulli anziehen, die Haare fönen oder Wäsche aufhängen – alltägliche Arbeiten werden plötzlich zur Qual. Eine Kalkschulter ist schmerzhaft, lässt sich aber zum Glück meist gut behandeln.
Es beginnt ohne Vorwarnung: Plötzlich ist dieser stechende Schmerz in der Schulter da. Den Arm hochheben? Nicht dran zu denken. Betroffene vermuten dabei zunächst eine falsche Schlafposition oder einen Muskelkater. Doch da die Schmerzen nicht nachlassen, sondern rasend schnell zunehmen, führt der Weg meist zügig zum Orthopäden. Dort bringt eine Ultraschalluntersuchung Klarheit. Die Diagnose lautet: Kalkschulter.
Der Platz wird enger
Bei einer Kalkschulter ist nicht das Schultergelenk selbst betroffen, sondern Kalk hat sich in den umgebenden Schultersehnen eingelagert. Dies ist deshalb problematisch, weil zwischen dem Schulterdach und dem Oberarmkopf bereits von Natur aus nur wenig Spielraum bleibt. Wächst das Kalkdepot, verengt sich der Raum noch mehr. Durch den Druck wird das Sehnengewebe zunehmend in seinem Stoffwechsel gestört.
Hat das Kalkdepot eine kritische Größe erreicht und wiederholen sich die Belastungen auf die eingeengte Stelle, kommt es fast zwangsläufig zu einer Entzündung und zu heftigen Schmerzen. Da es sich um ein entzündliches Krankheitsbild handelt, fehlt in der Regel ein konkret auslösendes Ereignis, etwa ein Sturz.
Frauen sind häufiger betroffen
Insgesamt leiden in Deutschland schätzungsweise drei bis fünf Millionen Menschen an einer Kalkschulter, meist im Alter zwischen 30 und 50 Jahren. Die Ursachen für diese schmerzhafte Kalkeinlagerung sind noch nicht abschließend geklärt. Experten vermuten, dass eine schlechte Durchblutung und damit ein Sauerstoffmangel in den Schultersehnen zu einer Umwandlung von Zellen führen. Warum statistisch mehr Frauen als Männer betroffen sind, wird noch erforscht. Vermutlich spielen hormonelle Einflüsse eine Rolle und die Tatsache, dass Frauen stärker zu bindegewebsbedingten Sehnenproblemen neigen. Wer zudem viel mit erhobenen A**en arbeitet – etwa in Handwerk, Pflege oder Sport –, trägt ein erhöhtes Risiko.
Geduld zahlt sich aus
Die gute Nachricht: In vielen Fällen reichen einfache konservative Maßnahmen, um eine Kalkschulter zu behandeln. Ziel ist zunächst, die Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit zu erhalten. Zum Einsatz kommen entzündungshemmende Medikamente, Physiotherapie und gezielte Übungen. Auch Kühlung kann helfen, akute Beschwerden zu lindern. Wichtig ist, die Schulter trotz Schmerzen nicht vollständig ruhigzustellen, sondern sie vorsichtig weiter zu bewegen.
Stoßwellentherapie: Hilfe von außen
Wenn die Beschwerden anhalten, kann die sogenannte Stoßwellentherapie eine sinnvolle Ergänzung sein – und sie stellt die sanftere Methode gegenüber einer OP dar. Dabei werden gebündelte Schallwellen von außen auf die betroffene Stelle gerichtet. Die mechanische Energie zerbricht die Kalkablagerungen in kleinste Partikel, die der Körper anschließend selbst abbaut. Gleichzeitig regen die Stoßwellen die Durchblutung an und fördern die Selbstheilung des Gewebes. Die Behandlung erfolgt ambulant und dauert nur wenige Minuten. In der Regel sind mehrere Sitzungen notwendig.
Studien zeigen, dass die Stoßwellentherapie bei vielen Patienten die Beschwerden deutlich lindern kann. Ein vollständiger Rückgang der Kalkablagerungen ist möglich, aber nicht in jedem Fall garantiert.
Wer übernimmt die Kosten?
Hier lohnt das Nachfragen: Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Stoßwellentherapie bei einer Kalkschulter in der Regel nicht. Einige Kassen erstatten jedoch auf Antrag einen Teil, besonders wenn andere Behandlungen erfolglos blieben.
Quelle: S&D Verlag GmbH, Geldern - leserservice.sud-verlag.de