14/05/2025
HEIMAT
Meine Beziehung zu China war nicht immer ganz einfach. Als Kind indonesischer Überseechinesen, aufgewachsen in Deutschland wurde mir die Liebe zur chinesischen Kultur und Ästhetik in die Wiege gelegt. Die Kunst des GongFu, die Weisheit der chinesischen Medizin waren die Melodien meiner Kindheit. Doch die Konfrontation mit der Realität des gelebten China in den 90er und 2000er Jahren schufen eine Dissonanz in meinem Inneren, die ich lange nicht aufzulösen vermochte. Der Lärm, das Drängeln, die Masse an Menschen, die Betonlandschaften, die jegliche Anmut von Natur zunichte machte - trotz aller Faszination, die China in mir auslöste, verschloss sich doch auch immer ein innerer Teil von mir.
Diesmal war es anders. Im April reiste ich mit meiner Familie nach China. Ich fand einen Ort, der meine Seele mit China versöhnte und mir eine Heimat schenkte. Es fühlte sich an, als hätte mein Herz, vielleicht auch mein tiefstes Urvertrauen, endlich Verbindung gefunden zu meinem Mutterboden, einen Anker in der Welt und mir selbst, der mir Frieden brachte.
Dieser besondere Flecken Erde liegt fernab vom Ursprungsort meiner Vorfahren, die aus dem Südosten Chinas, aus der Provinz Fujian stammen. Stattdessen fand ich meine Heimat in der Altstadt von Lijiang, einer Stadt hoch oben in der Provinz Yunnan, wo die “Schneeberge des Jadedrachens” den Himmel berühren. In den alten Gassen Lijiangs stiegen in mir die Bilder aus chinesischen Erzählungen und GongFu Filmen auf, mit denen ich aufgewachsen bin. Hier konnte ich um mich herum die Berge, Bäche und die Wälder spüren, wo Kräuter und Teebäume wachsen oder angebaut werden. Ich wusste, dass um mich herum eine moderne, chinesische Stadt wütet, dass die Altstadt in der Saison von Touristenströmen überlaufen ist. Und doch fand ich hier, in diesen kleinen, ruhigen Gassen, die doch so voller Leben, voller Alltag waren, etwas, nach dem mein Herz sich gesehnt hat. Und dann passierte es einfach: Etwas in meinem Wesen machte auf und ließ los. Alle Anstrengung der Fremde, des Überlebenskampfes, alle Mechanismen der Ablenkung und des Kompensierens fielen von mir ab. Ich löste mich auf, wurde eins mit meiner Umgebung und war in dem Moment doch mehr ICH als je zuvor.
Jetzt trage ich Heimat in mir und ich weiss, dass dies mein Leben verändern wird.
WAS IST MIT DIR?
WAS BEDEUTET HEIMAT FÜR DICH?