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UNGEBUNDEN VERBUNDEN In den letzten Tagen haben eure Kommentare auf Instagram und Facebook meine Gedanken dazu angeregt,...
05/06/2025

UNGEBUNDEN VERBUNDEN

In den letzten Tagen haben eure Kommentare auf Instagram und Facebook meine Gedanken dazu angeregt, über den Unterschied zwischen innerem Ursprung und dem Gefühl von Heimat nachzudenken. Kann Heimat wirklich unabhängig von einem physischen Ort existieren?

Vor kurzem nahm ich an einer Gruppen-Selbsterfahrung mit Psychotherapeuten teil. Einige von ihnen sind, wie ich, Migranten oder Kinder von Migranten, die hier in Deutschland aufgewachsen sind. Äußerlich merkt man uns kaum an, dass wir aus einem anderen kulturellen Hintergrund stammen. Doch eine Gemeinsamkeit fiel mir auf: Egal wie herausfordernd die Erfahrungen in ihren Ursprungsfamilien waren, sie kehrten immer wieder zurück, auf der Suche nach einem Gefühl von Heimat, nach einem Gefühl, das sie nirgends anders fanden.

Auch ich kenne dieses Gefühl. Eine kindliche Erinnerung an Heimat und Zugehörigkeit, die ich weder in Asien noch in Deutschland vollends gefunden habe, obwohl ich gut integriert bin. Es ist, als würde man einer Erinnerung an China nachjagen, die nie wirklich Teil der eigenen Realität war – ein bisschen wie die nostalgische Sehnsucht nach Weihnachten, das Gefühl, das wir Jahr für Jahr zu erleben hoffen, nur um oft enttäuscht zu werden.

Während der Selbsterfahrung wurde mir bewusst, dass ich in Lijiang, in China ein Gefühl von Geborgenheit und Kindheitserinnerung gefunden habe, das unabhängig von den emotionalen Verstrickungen mit meinen Eltern ist. Und das fühlte sich herrlich befreiend und gut an.

Kann ich Heimat unabhängig vom Ort erleben? Ja, ich habe erkannt, dass ich Heimat auch in mir selbst finden kann - nachdem ich im Außen gespürt habe, was Heimat wirklich bedeutet. Heimat verbindet uns mit dieser Erde, mit Menschen. Ich liebe diese Erde und das Leben in all seinen Facetten. In Resonanz zu gehen mit Orten, mit Menschen, Heimat - diese Intensität an Verbundenheit zu spüren, zu genießen, sich davon tragen zu lassen, ist ein Geschenk. Ein sinnliches Geschenk, das mich in den Tiefen meines Wesens berührt und bis in die Zellen hinein wirkt.

UNABHÄNGIG UND VERBUNDEN SEIN – WAS DENKST DU DARÜBER? TRAUST DU DICH, BEIDES ZU LEBEN?

WIE FREI BIST DU WIRKLICH?

HEIMATMeine Beziehung zu China war nicht immer ganz einfach. Als Kind indonesischer Überseechinesen, aufgewachsen in Deu...
14/05/2025

HEIMAT

Meine Beziehung zu China war nicht immer ganz einfach. Als Kind indonesischer Überseechinesen, aufgewachsen in Deutschland wurde mir die Liebe zur chinesischen Kultur und Ästhetik in die Wiege gelegt. Die Kunst des GongFu, die Weisheit der chinesischen Medizin waren die Melodien meiner Kindheit. Doch die Konfrontation mit der Realität des gelebten China in den 90er und 2000er Jahren schufen eine Dissonanz in meinem Inneren, die ich lange nicht aufzulösen vermochte. Der Lärm, das Drängeln, die Masse an Menschen, die Betonlandschaften, die jegliche Anmut von Natur zunichte machte - trotz aller Faszination, die China in mir auslöste, verschloss sich doch auch immer ein innerer Teil von mir.

Diesmal war es anders. Im April reiste ich mit meiner Familie nach China. Ich fand einen Ort, der meine Seele mit China versöhnte und mir eine Heimat schenkte. Es fühlte sich an, als hätte mein Herz, vielleicht auch mein tiefstes Urvertrauen, endlich Verbindung gefunden zu meinem Mutterboden, einen Anker in der Welt und mir selbst, der mir Frieden brachte.

Dieser besondere Flecken Erde liegt fernab vom Ursprungsort meiner Vorfahren, die aus dem Südosten Chinas, aus der Provinz Fujian stammen. Stattdessen fand ich meine Heimat in der Altstadt von Lijiang, einer Stadt hoch oben in der Provinz Yunnan, wo die “Schneeberge des Jadedrachens” den Himmel berühren. In den alten Gassen Lijiangs stiegen in mir die Bilder aus chinesischen Erzählungen und GongFu Filmen auf, mit denen ich aufgewachsen bin. Hier konnte ich um mich herum die Berge, Bäche und die Wälder spüren, wo Kräuter und Teebäume wachsen oder angebaut werden. Ich wusste, dass um mich herum eine moderne, chinesische Stadt wütet, dass die Altstadt in der Saison von Touristenströmen überlaufen ist. Und doch fand ich hier, in diesen kleinen, ruhigen Gassen, die doch so voller Leben, voller Alltag waren, etwas, nach dem mein Herz sich gesehnt hat. Und dann passierte es einfach: Etwas in meinem Wesen machte auf und ließ los. Alle Anstrengung der Fremde, des Überlebenskampfes, alle Mechanismen der Ablenkung und des Kompensierens fielen von mir ab. Ich löste mich auf, wurde eins mit meiner Umgebung und war in dem Moment doch mehr ICH als je zuvor.

Jetzt trage ich Heimat in mir und ich weiss, dass dies mein Leben verändern wird.

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