07/07/2026
Ich bin zu schwer, zu dick – ist das alles meine Schuld?
Nun, das Thema Gewicht findet medial, vor allem aber im Social Media seit langem sehr hervorgehoben statt, und wer einmal die Kommentarspalten gelesen hat, welche unter Beiträgen rund ums Abnehmen stehen, weiß – es herrscht ein Meinungskrieg.
Als Physios haben wir immer wieder mit den Folgen von starkem Übergewicht zu tun, aber eben auch mit den Menschen.
Viele glauben ja – wer dick ist, ist IMMER selber schuld. Andere wiederum weisen die Verantwortung fürs eigene Gewicht strikt von sich, und wiederum andere machen die Gesellschaft dafür verantwortlich.
Eines kann, so glaube ich, an der Stelle mal gesagt sein – kein Mensch wird freiwillig und sehenden Auges sehr schwer, es gibt IMMER Gründe, und es nur auf die Selbstdisziplin zu schieben, ist verkürzt und oft auch einfach falsch.
Es gibt zum Thema übrigens eine spannende Doku auf Arte, und wenn man genau hinschaut und zuhört, decken sich die Aussagen mit den Geschichten, die wir von Patienten mitbekommen.
Verkürzt kann man sagen: Es ist meist eine Mischung aus Veranlagung, Lebensumständen und Prägung und ja, auch der Selbstdisziplin.
Übrigens: In Gesellschaften, wo die Ressource Nahrung nicht unendlich verfügbar ist, wird der runde Körpertypus oft als schön empfunden, und im Umkehrschluss eben da, wo es mehr Geld- und Zeitressourcen braucht, um sich sehr gesund zu ernähren und die Zeit zu haben, nach einem harten Arbeitstag auch noch Sport zu machen, werden schlanke und muskulöse Körper als Status empfunden.
Doch ob der Fitnesswahn gesünder ist, sei mal dahingestellt – wir haben da unsere Zweifel.
Wichtig ist doch nur eines: Jeder hat Respekt verdient und auch Anerkennung, wenn er oder sie an sich arbeitet. Jemanden aber zu verurteilen, ohne Einblick in die Lebensumstände zu haben, ist IMMER falsch.
In diesem Sinne
Euer Achim